25.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jana von Janso fabriziert aus Wolle sogar Lampen Alles, was aus Filz ist

Seit kurzem hat Jana von Janso ihr eigenes Reich im Erdgeschoss des Hauses in der Sonnenstraße 1. Früher filzte die 38-Jährige oben in der Wohnung. Nicht gerade zur Begeisterung ihres Mannes, der den Geruch nach Schafwolle, eingeweicht in Olivenölseifenwasser, nicht mochte. Es roch ein bisschen "wie nasses Schaf".

Die Kunst des Filzens Weiden. (ca) In unserer Serie "Selbstgemacht" stellen wir heute eine Filzkünstlerin vor. Jana von Janso beherrscht auch die Kunst des Nuno-Filzens. Dafür kombiniert sie Filz mit Seide. Es entstehen leichte Schals, Vorhänge oder gar Blusen, wie diese Auftragsarbeit, die nach München geht. Ein Blick in die Werkstatt auf Seite 18. Bild: Götz
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Diese Zeiten sind vorbei. In jeder Hinsicht. Heute riecht die Wolle gut. Und Jana von Janso hat eine Werkstatt nur für sich. Aus einem Filzkurs vor acht Jahren ist eine Leidenschaft geworden. Mit dem klassischen Öko-Filz hat ihre Arbeit nichts gemein. Das ist schon eher Kunsthandwerk aus Filz, ja Filz-Kunst.

Ein Vorbild: Textilkünstlerin Annette Quentin-Stoll. Auch heute experimentiert Jana von Janso nach einer ihrer Anleitungen. Entstehen soll ein quadratisches Wandbild mit einer sich öffnenden Blüte in der Mitte. Die Weidenerin führt die Anregungen von Annette Quentin-Stoll weiter: "Ich kann mir gut einen Adventskalender aus mehreren dieser Bilder vorstellen." Der erste Schritt ist getan: Auf einer ganz normalen Gummi-Fußmatte liegt ein Handtuch. Darauf breitet Jana von Janso eine Noppenfolie aus. Dann zupft sie aus einem Wollstrang grüne Fasern. Diese Wollfetzen ordnet sie schuppenartig auf der Plastikfolie an. Mehrere Schichten, mehrere Richtungen, Geduldsarbeit.

3-D-Objekte

Ihre Spezialität sind dreidimensionale Objekte. Ganz auf "meinem Mist gewachsen" ist beispielsweise der Lampenschirm in Form eines Fisches. Der wollweiße Filz gibt ein warmes Licht. Wer aufmerksam ist, kann Jana von Jansos Lampen auch am Unteren Markt im Schokoladenladen und im Aufgang des Cafés "beanery" entdecken.

Die 38-Jährige verwendet extrem feine Wolle. Dann wird die Oberfläche geschlossener und fester. "Sehr akkurate, glatte Oberflächen - das ist mein Stil." Sie weicht die hellgrüne Wollschicht mit warmem Seifenwasser ein. Dann legt sie eine Noppenfolie auf und rollt das ganze zu einer dicken Handtuch-Filz-Folien-Wurst. Die wird gerollt und gerollt und gerollt, damit sich die Fasern verbinden. Das Walken erfordert Kraft und Geduld.

Jana von Janso hat beides. Selbst in den Urlaub kommt die Filztasche mit. Trockenfilzen am Strand. Mit einer scharfen Nadel piekt die Weidenerin dann stundenlang auf ein Wollbündel ein. Die Filznadel hat kleine Widerhaken, welche die Fasern verbinden. Es entstehen die tollsten Dinge: bunte Fische, ein Auto, Puppen, ein Frauenkopf.

Aus ihrem Studium hat sie ein gutes Vorstellungsvermögen für 3-D-Objekte. Jana von Janso ist ursprünglich Diplom-Ingenieurin für Holzbau. Ihre Kommilitonen gingen nach dem Studium in Rosenheim nach Südtirol und in die Schweiz. Jana von Janso zog der Liebe wegen nach Weiden. "Gerne." Ihr Mann Bernd, geborener Forster, nahm dafür auch gerne ihren Namen an.

Was sie antreibt? Die Leidenschaft fürs Filzen. Der Recycling-Gedanke. Die zweifache Mutter bastelt aus einem Gurkenglas ein Filz-Windlicht. Sie näht alte Fahrradreifen als Sohle auf Filzhausschuhe. Nicht zuletzt will sie ihren Kindern zeigen, "dass man nicht ständig alles kaufen muss", dass auch aus eigener Hände Arbeit etwas entstehen kann. Milla (6) und Felix (4) danken es mit - manchmal zu großem - Interesse an all den riesigen, bunten Knäueln im Schrank. Die lassen sich prima zerrupfen.

Start ins Geschäftsleben

"Inzwischen geben mir die Kinder wieder die Zeit zu arbeiten." Jana von Janso nennt ihr Geschäft KuKuH (Kunterbuntes Kunsthandwerk). "Ich baue mir das erst langsam auf." Prompt klingelt das Telefon. Der Geschenkeladen "Lebensfreuden" in der Judengasse hat gerade Tischsets verkauft und ordert nach. "Mal sehen, wo es mich hinführt."

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