11.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jugendschöffengericht: Wohnungseinbruch nicht nachweisbar Freispruch trotz Bedenken

Wegen "berechtigter Zweifel" an ihrer Schuld musste Jugendrichter Otmar Schmid zwei Angeklagte freisprechen. Sie standen wegen Wohnungseinbruchs in Verbindung mit Diebstahl vor Gericht. Einen Heranwachsenden, der die beiden beschuldigt hatte, dabei gewesen zu sein, verurteilten Schmid und die Schöffen zu vier Tagen Jugendarrest.

von Autor RNSProfil

Der 20-Jährige hatte zugegeben, bei einem 50-Jährigen, mit dem er längere Zeit liiert gewesen war, im September 2013 die Eingangstür zur Wohnung eingetreten zu haben. Dann stahl er 150 Euro aus einer Dose des Rentners. Die beiden Mitangeklagten (34 und 29 Jahre alt) bezichtigt der Weidener, dabei gewesen zu sein. Am zweiten Verhandlungstag vor dem Schöffengericht sagte der Geschädigte aus, dass er aufgewacht sei und einen der Einbrecher an seinen dunklen Augen erkannt habe. Den anderen - der neue Partner seines früheren Freundes - habe er an dessen Stimme erkannt.

Geschlagen und getreten

Dieser sei auch zwei Tage vorher dabei gewesen, als ihn der 20-Jährige geschlagen sowie getreten und ihn am Verlassen seiner Wohnung gehindert habe. Erst später sei es ihm gelungen, die Polizei zu rufen. Wegen dieser Körperverletzung und Freiheitsberaubung sprach Richter Schmid beide schuldig. Den Komplizen, einen 34-jährigen Amberger, verurteilte er dafür zu 2700 Euro Geldstrafe.

Wegen des nächtlichen Einbruchs jedoch erfolgte gemäß der Anträge der Verteidiger Stephan Meier (Amberg) und Bernhard Schlicht (Weiden) ein Freispruch. "Ist es glaubhaft, dass das Opfer mitten in der Nacht - zudem erheblich alkoholisiert - jemanden an seinen dunklen Augen erkennt?", fragte Verteidiger Schlicht. Auch wies Schlicht in seinem engagierten Plädoyer auf zahlreiche Widersprüche in den Aussagen des 20-Jährigen und des Geschädigten hin.

Trotz großer Bedenken kam Richter Schmid auch an den Aussagen dreier Entlastungszeugen nicht vorbei. Die Lebensgefährtin des 29-jährigen Frührentners, deren Mutter und ein Bekannter hatten vor Gericht versichert, dass dieser zur Tatzeit in einem Weidener Nachtlokal gewesen sei. Obwohl diese Angaben sich abgesprochen anhörten und Zuhörer sowie Staatsanwalt Dr. Christoph Edler an ihren Wahrheitsgehalt heftige Zweifel hegten, musste Richter Schmid doch zugunsten der Angeklagten entscheiden.

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