30.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Julia (21) leistet Bundesfreiwilligendienst beim Roten Kreuz - Sie hat dort ihren Traumberuf ... Täglich eine neue Herausforderung

Wie das so ist nach dem Abitur. Julia Rupprecht - damals 19 - wusste zwar, dass sie "irgendetwas in Richtung Medizin" machen wollte. Doch was genau, war ihr noch nicht klar. Für ein Studium war ihr Schnitt von 2,4 zu schlecht. Jetzt ist sie Bufdi beim BRK-Kreisverband - und will nicht mehr weg.

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Den Anstoß gab ein Praktikum bei Allgemeinarzt Gerhard Wührl. Der ist im Ehrenamt zugleich Chefarzt des BRK-Kreisverbandes Weiden-Neustadt/WN und Vorstandsmitglied. Als Praktikantin blickte sie ihm nicht nur in der Arztpraxis über die Schulter. Sie begleitete Gerhard Wührl auch bei ehrenamtlichen Einsätzen für das Rote Kreuz und kam so auf die Idee, sich zum Bundesfreiwilligendienst zu melden. Beim BRK in Weiden hatte sie gleich Glück. "Im Sommer habe ich die Grundausbildung absolviert und bin ehrenamtlich einige Schichten mitgefahren", erzählt die heute 21-Jährige.

Vorher reinschnuppern

Denn, so erklärt stellvertretende Geschäftsführerin Edeltraud Sperber: "Wir legen Wert darauf, dass Bufdis vorab mal zwei bis drei Tage bei uns reinschnuppern, bevor wir eine Vereinbarung abschließen." So ein Anstellungsverhältnis im Bundesfreiwilligendienst erfordert viel Papierkrieg. "Da wäre es unsinnig, alles in die Wege zu leiten und nach zwei, drei Tagen stellt sich heraus, der Bewerber kann mit dem Einsatzbereich nichts anfangen."

Bei Julia war das nicht der Fall. Im Gegenteil: die Erfahrungen in der Praxis haben sie in ihrem Entschluss bestärkt. "Ich habe gern mit Menschen zu tun, habe eine soziale Ader. Und der medizinische Aspekt hat mich schon immer interessiert, genauso wie Biologie und Chemie." Also startete sie im Oktober 2013 als Bufdi durch. Ihr Einsatzgebiet: Fahrerin bei Krankentransporten.

"Das erste Mal Blaulichtfahren ist freilich was Besonderes", blickt sie zurück. "Sogar für mich", wirft Edeltraud Sperber da ein. Aber so richtig nervös war Julia nicht. Durch Einweisungsfahrten und Leerfahrten ohne Patienten hatten die Kollegen sie langsam an die Aufgabe herangeführt. "Im Auto ist ja einer, der sich auskennt. Und wenn das Klima passt, ist alles in Ordnung." Im Krankenwagen hat sie stets einen ausgebildeten Rettungssanitäter oder einen Rettungsassistenten an ihrer Seite. "Auf die Kollegen kann man sich blind verlassen. Das ist das Schöne daran." Ihr erster Fall: nach einem Sturz in der Küche bestand bei einer Frau der Verdacht auf einen Oberschenkelhalsbruch.

"Wir übernehmen die Ersthelfermaßnahmen vor Ort", erzählt die junge Frau aus Luhe, "melden der Leitstelle, was los ist und fordern im Notfall Einsatzfahrzeuge nach." Nein, ein besonders schlimmer Fall hat sich ihr nicht ins Gedächtnis gebrannt. Selbst wenn: Sie darf nichts über die Patienten verraten. Nur so viel: "Man sieht viele schwere Schicksale, zum Beispiel Krebsleiden. Die bleiben sicher im Gedächtnis haften." Auf Rettungsfahrzeugen kommen Bufdis übrigens nicht zum Einsatz. Sie dürfen nur bei Krankentransportwagen ran.

"Wir haben mindestens drei Dialysefahrten am Tag", erzählt Julia. "Da entwickelt man natürlich ein ganz anderes Verhältnis zum Patienten, als wenn man die Person nur einmal fährt." Auch gehbehinderte oder bettlägrige Menschen werden zum Arzt transportiert. "Alle Fälle, die mit dem Privatwagen oder dem Taxi nicht chauffiert werden können", erklärt Peter Lischker, Leiter des BRK-Rettungsdienstes. Seit einiger Zeit verzeichnen die BRK'ler sehr viele infektiöse Transporte: Patienten, die beispielsweise mit MRSA infiziert sind. Für Julia und ihre Kollegen bedeutet das, sie müssen das Fahrzeug hinterher gründlich reinigen - angetan mit Schutzkleidung und Handschuhen.

Klingt nicht so angenehm, trotzdem würde Julia ihren Altersgenossen einen Einsatz als Bufdi jederzeit empfehlen: "Es gibt jeden Tag eine neue Herausforderung. Man lernt jeden Tag etwas Neues kennen. Und man kann seinen Berufswunsch überprüfen." Für sie selbst zum Beispiel ist es ein gutes Gefühl, wenn sie einem Patienten allein durch eine angenehme Lagerung das Leben erleichtern kann. Julia Rupprecht hat ihren Traumberuf gefunden: Sie startet im Oktober die Ausbildung zum Notfallsanitäter - übrigens ein völlig neues Berufsbild (siehe unten).

Frischer Wind durch Bufdis

Peter Lischker ist von den Bufdis begeistert, so wie er es früher von den Zivis war. Die jungen Leute halten seiner Ansicht nach "die Mannschaft frisch." Alle müssen sich aufeinander einstellen. Und selbst wenn es früher bei manchem "sehr alternativ" eingestellten Zivi Reibungspunkte gab: "Das fand ich immer positiv."

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