04.09.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kampf gegen Inkontinenz: Neuer Urologie-Chefarzt baut interdisziplinäres Beckenboden-Zentrum auf Heraus aus der Tabuzone

Viele trauen sich nicht, darüber zu reden. Trauen sich nicht, zum Arzt zu gehen. Schämen sich. Unwillkürlicher Harnverlust betrifft Millionen Menschen in Deutschland. Aber: "Je früher man zum Doktor geht, desto besser. Das ist eine Volkskrankheit, die Männer und Frauen betrifft", erklärt Privatdozent Dr. Dr. Thomas Bschleipfer. Der 42-Jährige errichtet in den nächsten Monaten am Klinikum Weiden ein Beckenboden-Zentrum, um Menschen mit solchen Leiden zu helfen.

Privatdozent Dr. Dr. Thomas Bschleipfer (Dritter von links) kümmert sich in den nächsten Monaten um den Aufbau eines Beckenboden-Zentrums. Dabei unterstützen ihn (von links) der Ärztliche Direktor Dr. Thomas Egginger, Professor Dr. Theodor Klotz und Josef Götz, Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG. Bild: Hartl
von Martin Maier Kontakt Profil

Seit Anfang Juli hat die Urologie mit Bschleipfer einen zweiten Chefarzt. "Mit dem Beckenboden-Zentrum wollen wir für die Bürger eine neue Anlaufstelle schaffen", sagt der neue Mann. Und sein Kollege, Chefarzt Professor Dr. Theodor Klotz, ergänzt, dass dies alles in enger Abstimmung mit den niedergelassenen Hausärzten und Urologen geschehe. "Denn sie sind weiterhin der erste Ansprechpartner für die Patienten." Ziel sei, das Thema Inkontinenz aus der Tabuzone zu holen. Dies sei auch beim Blick auf die immer älter werdende Bevölkerung nötig: "Die Beckenbodenerkrankungen werden in den nächsten Jahren um 30 Prozent zunehmen."

Da diese Erkrankungen sehr komplex seien, sei es nötig, mehrere Fachbereiche einzubinden. Daher vernetzen sich im neuen Zentrum unter anderem Urologie, Gynäkologie, Enddarmspezialisten, Radiologie und Physiotherapie. "Die Probleme lassen sich nur noch interdisziplinär lösen", erläutert Bschleipfer den Hintergrund.

Gute Heilungschancen

Für die Patienten habe dies den Vorteil, dass sie weniger Termine wahrnehmen müssen (Stichwort: ganzheitliche Diagnostik). Zudem hätten sich in den vergangen Jahren die Behandlungsmethoden vereinfacht. "Es sind keine großen Operationen mehr nötig, um die Inkontinenz in Griff zu bekommen. Es gibt meist einfache Möglichkeiten, diese Krankheit zu heilen." Der neue Chefarzt will innerhalb der nächsten zwölf Monate das Beckenboden-Zentrum aufbauen und von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft zertifizieren lassen.

Für Klotz stellt die neue Einrichtung eine wertvolle Ergänzung der Urologie-Abteilung in Weiden dar. "Das ist absolut positiv, denn die Spezialisierung in der Medizin geht immer weiter." In dieselbe Kerbe schlägt Josef Götz: "Unser neuer Kollege ist eine wertvolle Bereicherung für die Urologie. Jetzt sind wir in dem Fachbereich Beckenboden noch besser aufgestellt." Dabei macht der Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG deutlich, dass sein Haus auch weiterhin versuche, noch mehr Spezialwissen in die Region zu holen. "Denn dies ist der Weg der Zukunft."

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