"Keine Nachhaltigkeit" - Vortragsreihe Rotary-Club über demografischen Wandel
Architekt gegen Billig-Häuser

Wird die Veränderung der Bevölkerungszahl und, vor allem, die Verschiebung des Gleichgewichts zwischen den Generationen zu einer Verödung der Innenstädte führen? Schon jetzt prägen Leerstände in vielen Ortskernen das Stadtbild. Im Rahmen ihrer Vortragsreihe zum demografischen Wandel lud der Rotary-Club am Mittwoch ins Eon-Gebäude ein.

Niederlassungsleiter Konrad Walter und Rotary-Präsident Wolfgang Wies begrüßten gut 80 Interessierte aus Wirtschafts- und Behördenkreisen sowie aus der Politik. Mit Architekt Karlheinz Beer, Professor Dr.-Ing. Lothar Koppers und Bürgermeister Georg Köppl referierten drei Fachmänner, die sich in unterschiedlicher Weise mit den Folgen des demografischen Wandels auseinandersetzen.

Banalität beim Bauen

"Bauen ist mehr als Pläne in Beton zu gießen", stellte Beer fest. Der Weidener Architekt beklagte die "Banalität, die überall Einzug gehalten" habe. Planerische Grundrisse, die "keine Prüfung zum Bachelor rechtfertigen" würden, "Uniformität" und "billiges Bauen" sei an der Tagesordnung. "Einfamilienhäuser, die dem Wert des Fuhrparks der Familie entsprechen", hätten eben keine Qualität und Nachhaltigkeit. Beer prangerte an, dass viele Baumaßnahmen nur aus der Sicht von Steuermodellen und Subventionen angegangen würden. "Den volkswirtschaftlichen Nutzen von importiertem Granit aus China möchte ich sowieso bezweifeln", ergänzte er.
Schon heute würde vielfach in dem Wissen gebaut, dass man es in 20 bis 30 Jahren wieder abreißen müsse. "Vermurkste Flächen" würden keine Werte schaffen. Investitionen in "Betongold" würden sich nur rechnen, wenn die Stadtplanung Verlässlichkeit verspreche. "Wir müssen uns mit den Besseren messen", forderte Beer. "Wenn man einen Festplatz schafft, muss man sich Straubing als Vorbild nehmen." Am Beispiel der Stadt Selb, die mit strategischer Stadtplanung und Wettbewerben ihre massiven Probleme nach dem Niedergang der Porzellanindustrie bewältigt habe, zeigte Beer auf, wie es gehen könnte.

Prof. Koppers wies auf die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die kommunale Infrastruktur hin. Anhand der Alterspyramide ließen sich vielfältige Voraussagen treffen, so etwa zur künftigen Anzahl Pflegebedürftiger, Ärzte oder Schulanfänger. Mit Grafiken zeigte der Direktor des Instituts Agira die Auswirkungen in den Landkreisen Neustadt, Tirschenreuth und einzelnen Gemeinden auf. Auch Koppers forderte Qualität und "Loslassen von Dingen, die wir nicht mehr brauchen".
Georg Köppl, Bürgermeister der knapp 1000 Einwohner zählenden Gemeinde Altendorf (Landkreis Schwandorf), berichtete von der "Leerstandsoffensive", die zwölf Gemeinden im östlichen Landkreis Schwandorf sowie eine im Landkreis Neustadt gegründet haben. Nach einer Bestandsaufnahme habe sich herausgestellt, dass insgesamt 350 Gebäude leer stehen würden - mit ansteigender Tendenz. Nach der Entwicklung verschiedener Konzepte konnte man dieser bereits entgegenwirken. 45 Leerstände seien bereits vermittelt oder wenigstens beseitigt. Nur durch interkommunale Zusammenarbeit sei das Problem der Auswirkungen des demografischen Wandels zu bekämpfen, stellte Köppl wie seine Vorredner fest.

Rotary-Präsident Wies riet, dem Bauen in der Peripherie entgegen zu wirken und Ortskerne zu erhalten. Dabei gebe es keine Denkverbote (siehe Kasten). Für 15. Mai kündigte er das Thema "Märkte der Zukunft" an.
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