22.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Klinikum Weiden zeigt im Foyer zum 125-jährigen Jubiläum historische medizinische Geräte Original "Eiserne Lunge" zu sehen

Im Jahr des 125-jährigen Jubiläums läuft der Alltag im Weidener Klinikum in gewohnten Bahnen weiter. Dennoch wird dem Jubiläum Rechnung getragen. Eine kleine Ausstellung im Foyer des Krankenhauses zeigt Fotos aus den vergangenen Jahrzehnten und erzählt die Entwicklung vom "Spitl", wie die Bewohner ihr erstes, kleines Krankenhaus nannten, bis hin zur Kliniken Nordoberpfalz AG.

Nein, keine Mondkapsel: Das ist eine Eiserne Lunge aus den 50er Jahren. Für die Ausstellung "125 Jahre Klinikum Weiden" ist sie aus einer Abstellkammer hervorgeholt worden und zeigt doch recht eindrucksvoll den medizinischen Fortschritt. Bild: ske
von Susanne KempfProfil

Zentral in der Mitte des Foyers werden darüber hinaus einige medizinische Geräte gezeigt, die in den letzten Jahrzehnten im Weidener Krankenhaus zum Einsatz kamen, heute in den Kellerräumen lagern und jetzt noch einmal für einige Monate im Mittelpunkt stehen. Ein ganz besonderer Blickfang ist eine "Eiserne Lunge" aus dem Krankenhausbestand, eine der wenigen in Deutschland noch aufbewahrten Geräte, die Menschen vor dem Erstickungstod bewahrten.

In Abstellraum entdeckt

Der ehemalige Ärztliche Direktor am Klinikum, Dr. Manfred Hausel, entdeckte das eindrucksvolle Gerät in einem Abstellraum und organisierte jetzt für das Klinische Ethikkomitee die Präsentation. Die "Eiserne Lunge" war 1954 für das Krankenhaus Weiden angeschafft worden. "Der neue Tag" hatte darüber in seiner Ausgabe vom 25. Februar 1954 unter der Überschrift "Eiserne Lunge im städtischen Krankenhaus - Helferin im Kampf gegen die Kinderlähmung - Großer Fortschritt für Weiden" berichtet. Zuvor, so schrieb unser Kollege damals, habe es in Weiden nur einen sogenannte n Bio-Motor gegeben zur "Hilfeleistung bei Störungen der Atmung. Er konnte jedoch nur stundenweise, höchstens eine Nacht hindurch angewendet werden."

Menschen künstlich beatmen zu können, gehört zu den größten Errungenschaften der modernen Intensivmedizin. Der amerikanische Ingenieur Philip Drinker entwickelte 1928 eine Maschine, die es ermöglichte, Menschen nach einer Gasvergiftung oder einem Stromschlag zu beatmen. Der Patient wurde bis zum Kopf in eine "Stahlkammer" gelegt, der Hals wurde mit einer Manschette luftdicht abgedichtet. In der Stahlkammer wurde rhythmisch wechselnd ein Über- und Unterdruck erzeugt. Auf diese Weise konnte der Patient "atmen". Den ersten deutschen Prototyp einer "Eisernen Lunge" stellte das Lübecker Draegerwerk 1947 vor.

Mit diesem Gerät konnten auch Menschen vor dem Ersticken bewahrt werden, die an "Poliomyelitis" (Polio) erkrankt waren. Poliomyelitis ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die zu Epidemien führen und tödlich verlaufen konnte. Man sprach auch von der "Kinderlähmung", da überwiegend Kinder zwischen drei und acht Jahren daran erkrankten. Da der Erreger das Gehirn und die muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks befallen kann, war häufig die Atmung des Patienten gelähmt.

Die ersten "Eisernen Lungen" wurden wegen einer Polio-Epidemie in der Kinderklinik von Boston eingesetzt. Der Erfinder Phil Drinker erinnerte sich: "Als der erste Apparat fertig war, wurde ein Kind mit schwerer Kinderlähmung eingeliefert. Das Kind war bewusstlos. Ich schaltete die Pumpe ein und nach wenigen Minuten war das Mädchen wieder zu sich gekommen. Es fragte nach Eiscreme. Ich stand da und weinte." Bis 1952 rettete das Gerät vor allem vielen Kindern, das Leben.

1954 wurde ein Impfstoff gegen Polio gefunden, wenig später entwickelte der russische Arzt und Virologe Albert B. Sabin die Schluckimpfung. 1957 informierte eine Ausstellung im Jugendheim in Weiden über die Poliomyelitis, ihre Ursache, den Verlauf und die Behandlungsmethoden.

57 Jahre in der Lunge

Die "Eiserne Lunge" war nicht unumstritten, viele Ärzte waren anfangs skeptisch. James Wilson aus Boston schrieb in seinen Memoiren: "Die Diskussion kreist um die moralische Rechtfertigung, eine solche Maschine einzusetzen. Wir wussten ja nicht, ob die Atemmuskulatur sich wieder erholen würde oder ob der Polio-Kranke, dem wir mit dieser Maschine das Leben retteten, darin den Rest seines Lebens würde verbringen müssen. Das ist das ethische Dilemma, in dem die Apparatemedizin noch heute steckt; "Ist alles sinnvoll, was machbar ist?" Die Frage scheint berechtigt. Die Amerikanerin Dianne Odell kam mit drei Jahren wegen einer Kinderlähmungserkrankung in die "Eiserne Lunge" und verbrachte darin 57 Jahre.

Weitere Geräte

Neben der Weidener "Eisernen Lunge" von 1954 sind ein früher verwendetes Röntgenbildbetrachtungsgerät, eine Absaugpumpe und ein Narkosegerät aus den vergangenen Jahrzehnten aus dem Klinikbestand zu sehen.

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