19.08.2009 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kompliziertes Wahlsystem macht eine Prognose zu Chancen der Weidener Bewerber schwierig Vom Kandidaten zum Abgeordneten

Zwei für die nördliche Oberpfalz: Seit Jahrzehnten ist der Wahlkreis Weiden doppelt im Bundestag vertreten. Dies ist aber keine Selbstverständlichkeit, sicher ist lediglich ein direkter Wahlkreisvertreter. Über alles weitere entscheidet das komplizierte deutsche Wahlsystem.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Von den regulär 598 Abgeordneten, die am 27. September gewählt werden, bestimmen die Wähler genau 299 mit ihrer Erststimme als Wahlkreisabgeordnete. Seit 1949 konnte sich dieses Direktmandat in Weiden bei 16 Bundestagswahlen immer der CSU-Kandidat sichern. Auch bei der 17. Wahl gilt Albert Rupprecht, der das Direktmandat schon 2005 für die Christsozialen holte, als Favorit. Seinem Herausforderer Werner Schieder (SPD) werden lediglich Außenseiterchancen auf die Direktwahl eingeräumt.

Einst sicherer Platz

Deshalb muss der frühere Landtagsabgeordnete Schieder vor allem auf die bayerische SPD-Landesliste hoffen. Dort steht Schieder an 15. Stelle, bei früheren Wahlen ein sicherer Listenplatz - doch die SPD steckt im Umfragetief. Ob es tatsächlich für einen zweiten Weidener Abgeordneten reicht, lässt sich erst nach der Wahl sagen, denn darüber entscheiden viele verschiedene Faktoren.

Zuerst natürlich das Wahlergebnis auf Bundesebene, anhand dessen die Bundestagssitze an die Parteien verteilt werden. Anders als bei der Landtagswahl fließen in das Ergebnis, das am Wahlabend über die Bildschirme flimmert, nur die Zweitstimmen ein. In einem zweiten Schritt kommt es dann auf die Ergebnisse in den Bundesländern an. Die gesamten Sitze einer Partei werden nämlich wiederum auf die Bundesländer umgelegt - je nach dem Anteil der Zweitstimmen am Bundesergebnis der Partei.
Bei der Wahl 2005 reichten die knapp 16,2 Millionen Zweitstimmen der SPD für 213 sozialdemokratische Parlamentarier, neun weitere Abgeordnete durften dank eines Überhangmandats ins Parlament. In Bayern gaben gut 1,8 Millionen Wähler den Sozialdemokraten ihre Zweitstimme. Dies entspricht einem Anteil am Bundesergebnis der SPD von elf Prozent - oder eben 24 Abgeordneten. Von dieser Zahl müssen die Kandidaten abgezogen werden, die als Direktkandidaten in den Bundestag einziehen. In Bayern gelang dies 2005 nur einem Kandidaten, alle anderen Wahlkreise gingen an die CSU.

Hoffnung für Schieder

Die letzten Wahlprognosen sagen der SPD im Bund 23 Prozent voraus, in Bayern werden den Genossen derzeit 19 Prozent zugetraut. Bei einem zur letzten Wahl unveränderten Anteil gültiger Stimmen und einem Stimmanteil von jeweils fünf Prozent für die "Sonstigen" stünden der Bundes-SPD demnach rund 145 Abgeordnete zu, 17 oder 18 davon aus Bayern. Werner Schieder darf also hoffen.

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