20.08.2008 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Kunst in Weiden: Der Mauermann-Brunnen Pestkarren und Doppelgeige

Kinder patschen gerne mit den Füßen durch das kühle Nass. Coole Jugendliche stellen sich im Sommer schon mal unter den Wasserschleier, um eine erfrischende Dusche zu nehmen. Der so genannte Mauermann-Brunnen - eine Plastik aus der Werkstatt des Weidener Künstlers Günter Mauermann - hat allerdings auch für Geschichtsfans jede Menge zu bieten. Deshalb startet "Der neue Tag" mit ihm eine kleine Serie über Kunstwerke in der Stadt, die vielen Bürgern zwar vertraut sind, über die sie oft genug aber nur wenig wissen.

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Stadtarchivarin Petra Vorsatz kennt die zahlreichen historischen Details, die Günter Mauermann in sein Kunstwerk mit einfließen ließ. Krieg, Aberglaube und Volksglaube, aber auch alltägliche Szenen aus früheren Jahrhunderten - wie beispielsweise beim Bader - spiegeln sich in den mit viel Liebe zum Detail geschaffenen Szenen wieder. Es lohnt sich also, hier auf Entdeckungsreise zu gehen.

Wer suchet, der findet: Zum Beispiel den Pestkarren, mit dem man die Toten weggefahren hat oder die so genannte Doppelgeige. Zwei Frauen verbüßen darin gerade ihre Strafe und werden zu allem Überfluss auch noch vom Publikum verspottet. Was sie wohl verbrochen haben? Ebenfalls nicht ganz ohne: Die Sagengestalt des Thomas mit dem Hammer, die sich links vom Wasserschleier findet. Sie drohte angeblich am Vorabend des heiligen Thomas, Köpfe mit dem Hammer einzuschlagen. Nicht weniger blutig, das Treiben der Lucier: Sie will am Vorabend der heiligen Lucia die Bäuche mit ihrem Schlachtermesser aufschneiden. Und auch die Feuersbrünste, die die Max-Reger-Stadt mehrfach heimgesucht haben, sind in der Plastik verewigt.

Schlimme alte Zeiten

Überhaupt waren die guten alten Zeiten offenbar doch nicht so gut, wie die von Mauermann geschaffenen Sequenzen belegen: Ein Bettler ohne Beine ist auf die Gunst seiner Nächsten angewiesen. Über ihm fährt eine abgehärmte Bäuerin mit ihrem Sohn die Waren zum Markt. Zwei Kämpfer symbolisieren den Krieg, als die Schweden die Stadt einnahmen. Den idyllischen Kontrapunkt dazu bildet eine Gänseliesel, die im Hintergrund der Kampfszene zu entdecken ist. Wie vielfältig das Angebot des Baders in alten Zeiten war, belegt die Szene, die einen alten Mann in einer Wanne zeigt. Daneben wartet ein Kind mit Zahnweh, dass es von seinen Schmerzen erlöst wird.

Mauermann hat in seinem historischen Bilderbogen auch Gebäude und Figuren geschaffen, die einen ganz besonderen Bezug zu Weiden haben. So zum Beispiel den heiligen Michael und die Michaelskirche, die bis ins 19. Jahrhundert als Simultankirche von Katholiken und Protestanten genutzt wurde. Über dem protestantischen Eingang - gekennzeichnet durch eine Bibel - findet sich ein Spruch des Geistlichen Tobias Clausnitzer zum Ende des Dreißigjährigen Krieges: "Er, der Herr des Friedens, gebe euch Frieden allenthalben und auf allerlei Weise."
Auch die ehemalige Lateinschule ist verewigt: In der Unterrichtsstunde, die der Weidener Künstler festgehalten hat, lernen die Kinder gerade alles über Storch und Frosch. Ein Mann, der Säcke wiegt, schafft den Bezug zum Alten Eichamt, vor dem die Plastik steht. Natürlich darf Max Reger nicht fehlen. Der berühmte Komponist ist mit einem Zitat verewigt: "Gut war's im Hotel, dem Hotel zur lustigen Wanzen, nur der Portier hat mir nicht gefallen." Wobei Petra Vorsatz davon ausgeht, dass Max Reger, der womöglich schon das Nahen des Todes fühlte, mit dem ungeliebten Portier den Tod gemeint hat.

Spezialgag: Bierzapfstelle

Den meisten Bürgern bekannt, ist eine witzige Besonderheit, die Günter Mauermann in seine Plastik eingebaut hat: Die Bierzapfstelle, die in einer der drei Säulen verborgen ist und schon bei manchem Bürgerfest zum Einsatz kam.

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