Landesamt für Umwelt: Größere Erdstöße in der Region aber "äußerst unwahrscheinlich"
Weitere Beben im Anmarsch

Ganz schöner Ausschlag: Der Seismograph der KTB zeigt links das Hauptbeben bei Novy Kostel am Samstag um 12.37 Uhr (laut Landesamt für Umwelt Magnitude 4.0), in der Mitte das erste Nachbeben um 12.43 Uhr (2,9) und rechts das nächste Beben um 13:28 Uhr (2,8). Bild: Geo-Zentrum an der KTB

In Erbendorf fielen Gläser um, in Waldsassen vibrierten die Vitrinen: Ein Erdbeben sorgte am Samstagmittag in Nordostbayern für Aufregung (wir berichteten). Das Landesamt für Umwelt in München (LfU) geht jetzt von weiteren Erdstößen aus. Größere Erschütterungen seien jedoch "äußerst unwahrscheinlich".

In die sozialen Netzwerken folgte am Wochenende ein verbales Nachbeben. NT/AZ-Wetterexperte Andy Neumaier beobachtete Facebook, Twitter und Co.: "Die ersten erschrockenen Meldungen kamen bereits nur wenige Sekunden später - wie etwa aus Waldsassen, Tirschenreuth oder Marktredwitz." Weiter südlich dagegen war nichts zu spüren.

Schornsteine stürzen ein

Tatsächlich haben diese sogenannten "Lokalbeben" nach Neumaiers Angaben ihren Ursprung in der Region Nový Kostel nördlich von Eger (Cheb) und einen nur einen vergleichsweise geringen Wirkungskreis. Während bei Eger sogar Schornsteine einstürzten und an Hauswänden Risse entstanden, gab es aus der Oberpfalz keine Schadensberichte.

Der Seismograph am Geo-Zentrum der KTB in Windischeschenbach (Kreis Neustadt) registrierte einen deutlichen Ausschlag. Wissenschaftlicher Leiter Dr. Frank Holzförster führte gerade eine Besuchergruppe durch die Anlage, als um 12.37 Uhr die Zeiger eine Stärke von 4,0 auf der Richter-Skala notierten. Bis 13.28 Uhr gab es zwei Nachbeben, das Telefon im Geo-Zentrum stand daraufhin nicht mehr still

Beben "ganz normal"

"Im Eger-Raum sind solche so genannten Schwarmbeben ganz normal", berichtet Holzförster. Im Jahr 1985 gab es mit einer Stärke von 5,1 das letzte stärkere Beben, das auch größere Schäden verursachte. "Die Öffentlichkeit ist durch die neuen Medien sehr sensibilisiert", ist sich Diplom-Geologe sicher: "Man darf das nicht abwiegeln." Mit weiteren Erdstöße müsse immer gerechnet werden.

Schon in den nächsten Tagen dürfte die Erde wieder beben. Roland Eichhorn, Leiter des Geologischen Dienstes am LfU, teilte am Dienstag mit: "Die Gegend um Nový Kostel im Egergraben ist seit 150 Jahren für immer wieder auftretende Erdbeben bekannt." Gerade die Vielzahl an kleinen Erdstößen trage dazu bei, dass das bayerisch-tschechische Grenzgebiet von schlimmen Erdbebenschäden verschont bleibe. Eichhorn: "Die Erdkruste reißt seit Jahrmillionen in diesem Gebiet auseinander und es formt sich bis heute der Egergraben. Die dabei aneinander gleitenden Krustenschollen verhaken sich nicht so stark, dass sich die Spannung in einem großen Beben schlagartig auf einmal entlädt; vielmehr gleiten die Krustenschollen wie Reibeisen aneinander vorbei und verursachen nur viele kleine Erschütterungen."

Andy Neumaier erklärt, dass der rund 20 Sekunden lange Erdstoß vom Samstag auf Menschen in geschlossenen Räumen aufgrund der Geräuschkulisse klappernder Vasen und Schränke bedrohlich wirkte. Auch schepperte es laut Augenzeugen umso mehr, je höher man sich im Haus befand.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/erdbeben
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