13.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Landgerichtspräsident und Verteidiger geraten aneinander - Pause im Prozess um Millionenbetrug Scharfe Töne im Gerichtssaal

Der Ton im Prozess gegen den mutmaßlichen Millionenbetrüger Wolfgang S. wird schärfer. Am Montagmorgen kam es zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen Landgerichtspräsident Walter Leupold und Verteidiger Jörg Jendricke.

von Autor RNSProfil

Mehrfach schon hatten die Anwälte vor Beginn der vergangenen Prozesstage Gespräche mit ihrem Mandanten geführt und dadurch den Verhandlungsbeginn verzögert. Leupold "erlaubte sich die Anmerkung", dass es wohl möglich sein müsste, Mandantengespräche zu einem anderen Zeitpunkt zu führen und nicht "drei Berufsrichter, drei Schöffen sowie Staatsanwalt und Justizpersonal eine Viertelstunde lang warten zu lassen". Diese Zurechtweisung wollte sich Rechtsanwalt Jörg Jendricke (Amberg) nicht bieten lassen. Man sei sowieso in Zeitnot, habe seit dem letzten Termin keine Gelegenheit gefunden mit S. zu sprechen, und am Wochenende würde die Justizvollzugsanstalt keinen Zutritt gewähren. Nach einigem Hin und Her verstieg sich Jendricke zu der Bemerkung, Leupold habe ja "keine Ahnung", woraufhin diesem der Kragen platzte und er sich solche Äußerungen energisch verbat.

Der ganze Tag verging abermals mit der Verlesung von E-Mails durch die Richter Dr. Marco Heß und Markus Fillinger. Die in Deutsch und in radebrecherischem Englisch abgefassten Mails zwischen dem Angeklagten und dem geschädigten Unternehmer aus dem Landkreis Tirschenreuth handelten vom Hin- und Her-Geschiebe mit sehr hohen Geldbeträgen. Beispielsweise wies der 68- Jährige darin im Juli 2011 den Unternehmer an, "3,5 Millionen Euro", in anderen Fällen auch US-Dollar, auf bekannte Konten zu überweisen.

Grüße an die Sekretärin

"Zusammen mit den bereits überwiesenen 1,9 Millionen" seien dies dann 5,4 Millionen. Das von dem Unternehmer gewährte Darlehen werde mit jährlich zwölf Prozent verzinst. "Rückzahlung innerhalb zehn Tagen." Er, S., habe bereits 400 000 US-Dollar, sowie 233 000 US-Dollar auf eine Bank in Singapur überwiesen. "Viele Grüße an Doris Z." (die Sekretärin, Anmerkung der Redaktion). Unterschrift: Wolfgang S., Spain (Spanien). Und so weiter und so fort. Teils wirres und unzusammenhängendes Gefasel - durch das der Oberpfälzer Unternehmer jedoch um angeblich 8,5 Millionen Euro geprellt wurde.

Insgesamt sind noch 13 Verhandlungstage, bis weit in den November hinein, vor der 1. großen Strafkammer des Landgerichts angesetzt. Bis zum 1. September ist jedoch erst einmal Pause. Dann wird ein weiterer Geschädigter, ein Geschäftsmann aus der Schweiz, angehört. An späteren Terminen kommen der Bruder des Hauptgeschädigten, Mitarbeiter, Beschäftigte der Hausbank und weitere Zeugen zu Wort.

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