Leserbriefe Auch der Artenschutz hätte berücksichtigt werden müssen

Zu dem Artikel "Baum fällt - Streit beginnt", vom 18. August:

Die Rechtslage ist eindeutig, was den Naturschutz und speziell den Artenschutz betrifft.

Zunächst bestimmt Paragraf 39 des Gesetzes zur Neuregelung des Rechts des Naturschutzes und der Landschaftspflege - Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), dass es verboten ist, Bäume, die außerhalb des Waldes stehen, zwischen dem 1. März und 30. September abzuschneiden. Zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit kann davon zwar abgewichen werden, allerdings nur, wenn die Maßnahmen zu keiner anderen Zeit durchgeführt werden können.

Der nicht verkehrssichere Zustand der Linde ist nicht spontan und unerwartet Ende Juli eingetreten, sondern wurde bereits Ende März fachlich begutachtet und festgestellt. Und auch da war er nicht neu, sondern seit Monaten, wahrscheinlich Jahren so oder so ähnlich gegeben. Ein durch die Gemeinde Freihung in Auftrag gegebenes Gutachten kommt nicht zu dem Ergebnis, dass der Baum gefällt werden muss, sondern empfiehlt unter anderem die Einkürzung der Krone.

Nach vier Monaten (Anfang April bis Ende Juli) der Untätigkeit wären zwei weitere Monate des Abwartens, um wenigsten dieser gesetzlichen Vorschrift genüge zu tun, möglich gewesen.

Der besondere Schutz von Tierarten wird in Paragraf 44 BNatSchG geregelt. Dort ist bestimmt, dass es verboten ist, Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wildlebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Zu diesen besonders geschützten Arten gehören, neben vielen anderen beispielsweise alle einheimischen Fledermäuse sowie verschiedene Käferarten.

Von einer hohlen Linde mit einem Meter Stammdurchmesser ist anzunehmen, dass auch Fledermäuse dort ihr Sommerquartier haben. Damit wäre diese Ruhestätte aber über den 30. September hinaus ganzjährig geschützt.

Verkehrssicherungspflicht und Artenschutz sind zwei gleichwertige und gleichberechtigte Rechtsgebiete, die äquivalent nebeneinander stehen. Verkehrssicherung sticht Artenschutz nicht aus.

Zur angemessenen Berücksichtigung der oben angesprochenen Vorschriften ist es üblich, beispielsweise den Fledermäusen Ersatzquartiere in Form von speziellen Fledermauskästen anzubieten. Außerdem kann ein ungefährliches, mehrere Meter hohes Erdstammstück ohne Krone stehen bleiben, gegen eindringendes Regenwasser geschützt durch ein Dach und mit der Möglichkeit, dass gerade eine Linde Stockausschläge bildet und der Baum als Biotop so noch Jahrzehnte weiter lebt und in dieser Zeit vielen verschiedenen Tierarten eine gute und in unserer Landschaft selten gewordene Heimstatt bietet.

Natürlich kostet das alles auch Geld, doch auch der Naturschutz hat seine Berechtigung. Interessant wäre hierzu auch, wie die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Amberg den Sachverhalt beurteilt hat. Und bei etwas gutem Willen, hätten sowohl Verkehrssicherungspflicht als auch Naturschutz gemeinsam ausreichend berücksichtigt werden können.

Gerda Schulze, Freihung
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