24.12.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Martina Höfer ist seit 25 Jahren Dialysepatientin - Mit zehn Jahren schlagartig erwachsen: "Ich brauch' die Maschine zum Leben"

Nicht nur beim Gänsebraten am ersten Weihnachtsfeiertag muss sich Martina Höfer zurückhalten. "Schmelzkäse und Cola enhalten zu viel Phospat. Schokolade, Bananen und Kiwis haben zu viel Kalium", zählt die 35-Jährige auf. "Und dabei g'lust einen natürlich oft genau nach den Sachen, die man nicht essen darf."

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Wer kennt derart verbotene Reize nicht? Doch während es sich bei anderen lediglich in Fettpölsterchen niederschlägt, wenn sie über die Stränge schlagen, hätte es für Martina Höfer schlimme gesundheitliche Folgen, falls sie die Verbote zu häufig übertreten würde. Denn Martina Höfer ist Dialysepatientin - und das bereits seit 25 Jahren.

Gerade mal zehn Jahre alt war das Mädchen aus Falkenberg, als es am zweiten Weihnachtsfeiertag 1979 als Notfall in eine Münchner Klinik eingeliefert und das erste Mal ans Dialysegerät angeschlossen wurde. "Damals wurde ich von einem Tag auf den anderen erwachsen. Als ich die Klinik verließ, wusste ich genau, das und das darf ich nicht mehr. Ich konnte nicht mehr einfach in den Tag hinein leben so wie andere Kinder."

"Ihre eine Niere war wahrscheinlich von Geburt an nicht richtig angelegt. Als sie zehn Jahre war, versagte auch die zweite Niere. Das ist aber erst sehr spät aufgefallen, so dass die Ursache letztlich unklar blieb", berichtet Dr. Franz-Hermann Beckmann. Er und sein Kollege Dr. Werner Deininger - die Leitenden Ärzte des Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation in Weiden - betreuen die junge Frau aus Falkenberg bereits seit der Eröffnung des Dialysezentrums am Langen Steg vor fast 15 Jahren. Die gesamten 25 Jahre lang ist Schwester Rosi bereits die Wegbegleiterin. Denn sie betreute Martina Höfer bereits, als sich das Dialysezentrum noch im Weidener Klinikum befand.

Optimismus beeindruckt

Was die drei Fachleute an der jungen Frau so beeindruckt? "Dass sie trotz dieser schweren Krankheit weiterhin ihrer Arbeit nachgeht, und dass sie ihren Optimismus nicht verliert", antwortet Dr. Beckmann sofort. Dabei habe die 35-Jährige einige tragische Rückschläge verkraften müssen. Dreimal bekam sie bereits Fremdorgane transplantiert. Dreimal wurden die Nieren von ihrem Körper abgestoßen, mussten wieder entfernt werden. "Beim dritten Mal sogar schon tags darauf", erinnert sich die 35-Jährige, die als Halbtagskraft am Landratsamt in Tirschenreuth arbeitet. Für einen vierten Versuch hatte sie bisher nicht den Mumm. Wen wundert's? "Mein Immunsystem ist so stark entwickelt, dass die Abstoßung jedes Mal schneller erfolgte", erzählt die 35-Jährige, während sie gerade mal wieder für dreieinhalb Stunden an die künstliche Niere angeschlossen ist.

"Wenn eine Transplantation gut läuft, ist sie ein Segen", sagt Dr. Beckmann. "Wenn nicht, dann ist sie für den Patienten psychisch und physisch extrem belastend." Für viele Patienten werde die Dialysebehandlung zumindest einmal für sieben bis zehn Jahre unterbrochen, erzählt der Nierenfacharzt. "So lange können die Patienten im Durchschnitt mit einem fremden Organ leben, bis der Abstoßungsprozess durch den Körper zu stark wird." Viele Leidensgenossen von Martina Höfer hatten oder haben dieses Glück.

Die junge Frau dagegen fährt seit 25 Jahren jeden zweiten Tag nach Weiden zur Blutwäsche. Ihr Shunt bildet eine dicke Beule am linken Unterarm. "Der Shunt ist sozusagen eine Kurzschlussverbindung zwischen Schlagader und Vene", erklärt Dr. Beckmann. "Dadurch wird die Vene dicker. Das ist wichtig, denn für eine Blutwäsche muss der Shunt einen Dreiviertel Liter Blut pro Minute fördern." Ins Dialysegerät und wieder zurück in Martina Höfers Körper.

"Mein zweites Zuhause"

"Ich brauch' die Maschine zum Leben, auch wenn ich sie manchmal verwünschen könnte. Aber ohne die künstliche Niere funktioniert mein Leben nicht." Natürlich hadert sie manchmal mit dem Schicksal. Auch wenn sie es nach außen nicht erkennen lässt, und viele Außenstehende deshalb meinen, so schlimm wäre ihre Krankheit wohl gar nicht. "Ich kenne gar kein anderes Leben und ich muss damit zurecht kommen, wie es ist." Martina Höfer meistert es mit großem Mut und viel Optimismus. "Das Dialysezentrum ist praktisch mein zweites Zuhause." In diesem Jahr wird sie sogar den Nachmittag des Heiligen Abends im Krankenbett Am Langen Steg verbringen.

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