09.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Matthias Rösch über die Auswirkungen des neugefassten Erneuerbare-Energien-Gesetzes Nicht besser, sondern komplizierter

Am 1. August trat das neugefasste Erneuerbare-Energien-Gesetz 2014 in Kraft. Vorangegangen war eine lange politische Diskussion. Das Gesetzeswerk strebt im Wesentlichen vier Hauptziele an: Kosteneinsparung bei der Förderung erneuerbarer Energien, Steuerung ihres weiteren Ausbaus, mehr Markteinfluss und Europa-Rechtskonformität.

Hat gut lachen: Auf ETZ-Weiden-Geschäftsführer Matthias Rösch kommt durch das neue EEG viel Beratungsarbeit zu. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Siegfried Bühner sprach mit Matthias Rösch, Geschäftsführer des ETZ-Weiden (Energie-Technologisches-Zentrum), über die Auswirkungen des Gesetzes auf die Stadt Weiden und die Region.

Welche Regelungen im neuen EEG sind aus Ihrer Sicht in unserer Region von besonderer Bedeutung?

Rösch: Besondere Bedeutung hat aus meiner Sicht, dass es in Zukunft für den ins Netz eingespeisten Strom nicht mehr nur eine feste Vergütung gibt, sondern dass er vermarktet werden muss. Wie an vielen Stellen des Gesetzes gibt es da auch wieder Ausnahmen, aber generell wird die Direktvermarktung das primäre Modell. Besonders wichtig ist auch die starke Deckelung der Einspeiseleistung für Strom aus Biomasse. Zudem wird künftig grundsätzlich die Eigenstromerzeugung mit der EEG-Umlage belegt. Vor allem Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen sind betroffen.

Sehen Sie Auswirkungen auf unsere drei regionalen Energiegenossenschaften?

: Also zunächst gibt es den Bestandsschutz für die vorhandenen Anlagen. Und die einzelnen Genossenschaften sind auch unterschiedlich ausgerichtet, so dass nicht alle gleich tangiert sind. Über viele Jahre sind gute Renditen erzielt worden, aber schon seit dem EEG des Jahres 2012 ist bei der Photovoltaik die Situation schwieriger geworden. Deshalb ist zum Beispiel schon seit rund zwei Jahren keine PV-Anlage durch die BE-ON eG mehr neu gebaut worden. Ein Problem sehe ich auch darin, dass unsere regionalen Genossenschaften ehrenamtlich betrieben werden. Aber die Produktion von erneuerbaren Energien ist jetzt wesentlich schwieriger und arbeitsaufwendiger geworden. Ohne Berater geht es künftig kaum mehr und in den Anwaltskanzleien werden absolute Spezialisten benötigt.

Wie beurteilen Sie die Situation bei der Windenergie?

Ja, da gab es zunächst den großen Aufschrei. Aber alleine durch das EEG ändert sich hier wenig. Viel stärkere Auswirkungen haben da Abstandsregelungen oder Schutzzonen. Das EEG versucht lediglich, ertragsschwächere Standorte etwas zu begünstigen. Und betrachtet man die vergleichsweise hohen gesetzlich definierten Ausbauziele von jährlich 2400 bis 2600 Megawatt für die Windkraft, erkennt man schon eine Priorität. Und ökologisch ist Windkraft ohnehin unschlagbar.

Lohnt sich eine PV-Anlage noch für das Einfamilienhaus?

Hier sage ich ein eindeutiges Ja. Kleinstanlagen unter 10 Kilowatt sind von der EEG-Umlage komplett ausgenommen. Und wegen der gesunkenen Einspeisevergütung gilt : Je mehr Eigenverbrauch und je höher der Strompreis, desto besser wird die Rentabilität.

Viel wurde über die Bevorzugung energieintensiver Industrien diskutiert. Sehen Sie Vor- oder Nachteile des neuen EEG für Betriebe in unserer Region?

Aufgrund der zumindest zu einem Anteil abzuführenden EEG-Umlage bei Eigenstromerzeugung wird für die Betriebe das Eigenversorgen mit Strom erheblich erschwert. Hinsichtlich der im Gesetz festgelegten Befreiungen ist festzuhalten, dass rund 96 Prozent aller Betriebe ohnehin die EEG-Umlage zahlen. Für Betriebe habe ich außerdem ein besonderes Angebot. Gemeinsam mit der IHK will das ETZ-Weiden am 30. September die Informationsveranstaltung "Energie selbst erzeugen" in der Raiffeisenbank in Neustadt/WN durchführen. Hierzu lade ich heute schon ein.

Was ist bei der Diskussion über das EEG falsch gelaufen?

Da gibt es eine eindeutige Antwort: Das Thema EEG-Umlage wird überbetont, schließlich bildet sie nur einen sehr kleinen Teil des Strompreises. Steuern und Abgaben schlagen für den Endverbraucher viel stärker zu Buche.

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