Mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem: Hochschule erhält Förderung
Forschen für Fachkräfte

Eine 3,4-Millionen-Euro-Förderung erhalten die Hochschulen Amberg-Weiden und Regensburg. Damit sollen sie Möglichkeiten erforschen, wie sich mehr Menschen akademisch qualifizieren können. Bei der Übergabe mit dabei (von links): Prof. Dr. Reiner Anselstetter, Dr. Wolfgang Weber, Präsident Prof. Dr. Erich Bauer (alle Amberg-Weiden), Marco Häusler (Regensburg), Staassekretär Stefan Müller, Präsident Prof. Dr. Wolfgang Baier (Regensburg), Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht und Prof. Dr. Andrea Klug (Amber

Unbesetzte Lehrstellen, immer heftigeres Ringen um Spezialisten: Demografischer Wandel und Fachkräftemangel sind für Oberpfälzer Unternehmen längst kein abstraktes Phänomen mehr. Wege, die zumindest ein wenig Abhilfe bringen könnten, will nun die Hochschule erforschen und umsetzen. Die nötige Finanzierung für dieses Weiterbildungskonzept ist bereits gesichert. Am Freitag bekam die OTH einen Förderbescheid über 3,4 Millionen Euro.

Die OTH Amberg-Weiden erhält davon rund 1,53 Millionen Euro. Der Rest geht an die OTH Regensburg. "Spannend" sei das Vorhaben der beiden Einrichtungen, erklärte Stefan Müller. Der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung übergab die Förderung in Weiden an die Hochschulleitung.

Das Geld stammt aus einem Programm des Ministeriums. Dass das Oberpfälzer Konzept den Zuschlag bekam, lag nicht zuletzt "an der starken Ausrichtung auf das Thema demografischer Wandel", sagte Müller. Gleichzeitig sei der Erfolg Beleg dafür, "dass die Hochschulen Treiber, Impulsgeber sind für die Entwicklung in der Region".

Tatsächlich ist das Konzept namens "OTH mind" stark zugeschnitten auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes in der Oberpfalz und in Ostbayern insgesamt. Es konzentriert sich auf ingenieurwissenschaftliche Studiengänge, die in der industriestarken Oberpfalz besonders gefragt sind. Dort fehlen aber gleichzeitig oft schon Fachkräfte, zudem sinkt gerade im Norden die Bevölkerungszahl.

Die Idee der Hochschule: Statt akademische Fachkräfte anzuwerben, sollen sich viel mehr, die noch keine sind, entsprechend an den Unternehmen und Hochschulen weiterbilden. Wer also beispielsweise schon eine berufliche Qualifikation hat, sollte leichter als bisher die Möglichkeit haben, neben dem Job zu studieren oder Weiterbildungsmodule an den Hochschulen zu belegen.

Rückkehrer und Abbrecher

Auch Berufsrückkehrer oder Ingenieure, die eine Zeit lang nicht mehr gearbeitet haben, sollen leichter die passenden Qualifikationen bekommen. Studienabbrecher wiederum sollen schneller eine Berufsausbildung beginnen - mitsamt der Option, später wieder an die Hochschule zurückzukehren.

Unterm Strich geht es darum, das Bildungssystem durchlässiger zu machen. "Man soll sich nicht mehr schon in der neunten Klasse entscheiden müssen, ob man eine Berufsausbildung macht oder studiert", erläutert Marco Häusler, der zusammen mit Prof. Dr. Andrea Klug und Dr. Wolfgang Weber das Konzept vorstellte. Das Prinzip dabei sei: Nach jedem Abschluss solle es die Möglichkeit geben, sich weiterzuqualifizieren, so Dr. Weber.

"Beispiel für Deutschland"

Um das zu erreichen, wird eine zehnköpfige Forschungsgruppe in den kommenden dreieinhalb Jahren die nötigen Schritte ausloten. Unter anderem durch Befragungen von Unternehmen und in Kooperation mit Arbeitsagenturen und Kammern. Sollte es danach eine Anschlussförderung geben, folgt eine zweieinhalbjährige Phase der Umsetzung. Die Ideen, die dabei entstehen, lassen sich irgendwann einmal vielleicht auch anderswo umsetzen. "Das kann später ein Beispiel für ganz Deutschland sein", erklärte Staatssekretär Müller.

Beispielhaft sei das gemeinsame Konzept auch für das Zusammenwachsen der beiden Hochschulen, wie die beiden Präsidenten Prof. Dr. Erich Bauer (Amberg-Weiden) und Prof. Dr. Wolfgang Baier (Regensburg) sagten. Wobei es bei diesem einen Förder-Erfolg nicht bleiben soll. Es werde bald Anträge für neue Projekte geben, kündigte Bauer an.

Gering sind die Erfolgsaussichten offenbar nicht. Albert Rupprecht, bildungs- und forschungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion, jedenfalls erklärte, die Bundesregierung mache sich ohnehin stark für Ausgaben bei Forschung und Bildung. Deshalb hätten Amberg und Weiden sowie Regensburg nicht nur in der Vergangenheit schon viele Mittel bekommen. "Ich prognostiziere, dass es auch noch mehr werden wird."
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