21.06.2011 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nach Gifttod einer Hündin: Revierinhaber wegen Tierquälerei und Verstößen gegen das Waffenrecht ...: Gericht glaubt nicht an ominösen Dritten

von Autor CDProfil

Dem Antrag des Verteidigers, wegen der jagdrechtlichen Konsequenzen auf jeden Fall unter 60 Tagessätzen zu bleiben, entsprach Strafrichter Roland Güll nicht: "Wer solche Sachen macht, muss halt damit rechnen, dass der Jagdschein danach weg ist", erklärte er und verurteilte den Revierinhaber am Dienstag wegen Tierquälerei und unerlaubten Waffenbesitzes in zwei Fällen zu einer Geldstrafe von insgesamt 80 Tagessätzen zu 55 Euro.

Staatsanwalt Dennis Herzog hatte dem Waidmann, der sich vor dem Amtsgericht Weiden von Dr. Hans Scholzen, einem Fachanwalt für Waffenrecht aus Düsseldorf, vertreten ließ, ursprünglich drei Verstöße gegen das Waffenrecht zur Last gelegt. In einem Fall schloss sich Richter Güll jedoch der Argumentation des Verteidigers an, dass erst die Verbindung mit der Schusswaffe aus einer Universalhalterung einen verbotenen Gegenstand mache. Gefunden hatte man bei Hausdurchsuchungen außerdem ein Springmesser und ein ebenfalls verbotenes Nachtzielgerät.

Am zweiten Verhandlungstag kam zunächst ausführlich ein Sachverständiger zu Wort. Prof. Dr. Hermann Ammer, Pharmakologe und Toxikologe an der Tierärztlichen Fakultät der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität, hatte den Mageninhalt der Hündin untersucht, die am Abend des 20. Mai 2010 qualvoll an einem Giftköder verendet war. Gefressen hatte sie, wie berichtet, die mit Leberwurst und dem Insektizid Carbofuran präparierte Rehlunge im Jagdrevier des Angeklagten im Altlandkreis Eschenbach.
Der Gutachter bestätigte: Das gleiche Fraß- und Kontaktgift wurde in höherer Konzentration auch in einigen der Proben nachgewiesen, die man Wochen später im Jagdhaus sichergestellt hatte. In Deutschland war dieser Wirkstoff nur in Ausnahmefällen zugelassen, EU-weit ist er seit 2007 verboten. Die Verteidigung führte die Rückstände auf gebeiztes Markstammkohl-Saatgut zurück, das der Jäger in Unkenntnis der Giftigkeit ausgebracht habe. Der Toxikologe schloss nicht aus, dass der Bodensatz eines Sackes die für einen Hund tödliche Dosis enthalten könnte.

Fußspur im Feld

Unmittelbar nach dem Tod des Tieres hatte der Hundehalter zwei Polizeibeamte zum Tatort geführt. Im Feld lagen noch Fleischreste, umgeben von toten Fliegen und Käfern, unweit frischer Fußspuren, die von Größe und Profil her mit den Schuhen übereinstimmten, die der Angeklagte an jenem Abend trug. Dieser hatte zunächst erklärt, nicht dort gewesen zu sein, dann aber doch eingeräumt, dass es seine Abdrücke seien. Am ersten Verhandlungstag hatte er dies wieder bestritten und den Verdacht geäußert, jemand habe wohl gezielt eine falsche Fährte gelegt, um ihm die Sache anzulasten.
Als Zeuge wurde nun auch der zweite Polizist gehört. Nach seiner Einschätzung waren Schuhe und Abdrücke identisch. Doch hatte er nicht exakt nachgemessen, sondern beim Fotografieren zum Größenvergleich nur einen Maßstab daneben gelegt. Der Verteidiger monierte außerdem, dass vom Köder-Rest keine Probe genommen wurde. Der Angeklagte versicherte erneut, niemals Gift gekauft zu haben, um ein Tier zu töten. Das verbotene Nachtzielgerät habe er sich zugelegt, weil er sich wegen der immensen Schäden bei der Schwarzwildjagd nicht mehr anders zu helfen gewusst habe.

"Wir haben das Gift am Tatort, wir haben das Gift im Jagdhaus und wir haben das Gift im Hund." Für den Staatsanwalt bestand keinerlei Zweifel an der Schuld des Angeklagten, der sich in viele Widersprüche verwickelt habe. Auch was die Waffenverstöße angehe, sei er als ehemaliger Polizist in der Lage, die Unrechtmäßigkeit seiner Handlung zu sehen, unterstrich der Anklagevertreter und forderte eine Geldstrafe von insgesamt 110 Tagessätzen zu 65 Euro. Der Verteidiger hingegen plädierte auf Freispruch in Sachen Tierquälerei und der zur Befestigung eines Nachtsichtgerätes tauglichen Halterung. Für die anderen Waffenrechtsverstöße sollte die Geldstrafe auf jeden Fall unter 60 Tagessätzen liegen.

Widersprüchliche Angaben

Richter Roland Güll glaubte nicht an einen ominösen Dritten, sondern kam nach Gesamtbetrachtung der Indizien und der widersprüchlichen Aussagen des Angeklagten zu der Überzeugung, dass der Jäger selbst den Giftköder ausgelegt hat. Wohl, um Hunde aus seinem Revier fernzuhalten, vermutete er. Das bei einem Schießwettbewerb gewonnene Springmesser habe er als Erinnerungsstück behalten, wohl wissend, dass sein Besitz inzwischen verboten ist. Ebenso sei die Schwarzwildbejagung keine Rechtfertigung für den Erwerb des Nachtzielgerätes. Aus den Einzelstrafen von 60 bzw. 40 Tagessätzen wurde eine Gesamtstrafe von 80 Tagessätzen (4400 Euro) gebildet.

Der Verteidiger kündigte nach der Verhandlung an, auf jeden Fall Rechtsmittel einzulegen.

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