09.07.2007 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Nachruf von German Vogelsang: Der Unverwechselbare: Walter Katzenberger ist tot

Als er mit 65 Jahren eine glänzende, ja für Weidener Verhältnisse spektakuläre Laufbahn im "Neuen Tag" beendete, das war 1985, da ließ sich Walter Katzenberger zu unser aller Überraschung nur noch selten in der Redaktion sehen. Er, mit seiner über 1,90 Meter großen Figur, die jeden Raum ausfüllte und dessen massiver Befehlston die Redaktionen erschüttern konnte, hinterließ eine Lücke, von der damals niemand wusste, wie sie denn zu schließen sein sollte.

von Jürgen HerdaProfil

Er, "der Katze", wie er hausintern genannt wurde, der glanzvolle Stilist, er, das Kraftpaket, er, der große Beweger - sein Schatten lag lange über der Redaktion. Einen wie ihn hat es dann auch nicht mehr gegeben.

Die Lebens- und Berufsgeschichte von Walter Katzenberger ist als Individualgeschichte ein Abbild der bizarren Geschichte unseres Landes. In einen sinnlosen Krieg hineingeworfen, kam er zurück aus dem Nichts. Makaber genug, man kann nicht einmal sagen: Mit leeren Händen! Denn er hatte den linken Arm "im Felde" gelassen, wie es damals hieß. Ab 1946 studierte W. K. in München Literatur- und Theatergeschichte bei Artur Kutscher. Er gehörte dem inneren Kreis Kutschers an. Das bedeutete Außergewöhnliches, höhere Weihen für Kultur und Feuilleton zumal standen in Aussicht.

Irgendwie ist es dann um 1947/48 dem Verleger Anton Döhler gelungen, Walter Katzenberger für diese Zeitung in seiner Heimatstadt zu verpflichten. "Der neue Tag" - damals Ringstraße 5, eine runde Sache! Die Rotation stand auf Pfählen in leicht sumpfigem Gelände. Und die Redaktion war auch nicht ohne. Eine Mischung heterogener und bizarrer Persönlichkeiten, aus unterschiedlichsten Temperamenten und Neigungen zusammengewürfelt, aber ein Team! Zirkushafte Auftritte von beachtlichem Niveau waren nicht selten.

Mit seiner gusseisernen Energie und seiner schnaubenden Fröhlichkeit war Walter Katzenberger der geborene Mittelstürmer der Redaktion. In der heute üblich gewordenen anglizistisch "verseuchten" Sprache würde man sagen: Er hatte eine angeborene Lead-Funktion, er war der prädestinierte Anchorman. Und er war kein Kind von Traurigkeit. Er war nicht nur ein Liebling der Musen, sondern vor allem ein Liebling der Frauen (Genießt der Jüngling ein Vergnügen, so sei er heiter und verschwiegen - "der Katze" kannte seinen Goethe und darüber hinaus mit trompetenhafter Siegesgewissheit noch mehr das Leben).

Glanzlichter waren seine Filmkritiken in Zeiten, als die Bilder laufen lernten und kein Fernsehen weit und breit zu entdecken war. Wohl von Ende der 50er bis in die 70er Jahre hinein war Katzenbergers legendär gewordene Samstags-Kolumne "Der Spectator" mit ihrem hinreißenden Wortwitz, ihrem Sarkasmus und einer wie aus dem Ärmel geschüttelten Schnoddrigkeit, die mitunter auch auf Unverfrorenheit nicht verzichtete, regelmäßig ein Stadtgespräch (Heute würden die Jungen wohl anstelle von Stadtgespräch schreiben: Es war der Brüller). Menschliches, allzu Menschliches spießte er auf und röstete es mit Genuss über dem Feuer seiner Ironie.

Als ihn in den 60er Jahren einmal das Schicksal abstrafte und er wegen Alkohols am Steuer für vier (!!!) Wochen "einrücken" musste, schrieb er für jede Samstag-Ausgabe die Kolumne "Justitia lächelt nicht ..." für ein hingerissenes Publikum (und selbst die Bedenkenträger im Verlag wieherten am Ende mit). Das, ja das gab's nur einmal!

Die Zeiten damals waren anders, intensiver. In den Redaktionen herrschte noch der Stallgeruch des Metiers, den man heutzutage so einfach nicht mehr kennt. Kreativität und Improvisation beherrschten die Zunft. Walter Katzenberger war einer der Größten. Vielleicht, wahrschein- lich, sicher der Größte. Als er vor nunmehr 22 Jahren das Haus verließ, zog er sich mit seiner jungen, lebensklugen Frau mehr und mehr zurück. Nur noch an Geburtstagen konnte, durfte man ihn in den letzten Jahren aufsuchen.

Den 87., von uns im Terminkalender für den 24. August schon dick vorgemerkt, sollte er nicht mehr erleben. Er ist an diesem Freitagabend, nach ein paar dunklen Wochen, am Ende friedlich hinübergegangen. Draußen ist es noch hell gewesen.

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