Nett, unspektakulär und extrem erfolgreich: "Amigos" in Weiden vor ausverkauftem Haus
Für Freunde einer heilen Welt

"Die Amigos" bleiben dabei: Ihre Musik ist deutsch. Und: Niemals ins Dschungelcamp! Das sei schlechtes Theater. Gleichzeitig geben sich die beiden Brüder witzig. Vor allem Bernd Ulrich ist der Spaßmacher an der Seite seines zwei Jahre älteren, mit stoischer Gelassenheit die Gitarre an sich drückenden Bruders Karl-Heinz. Bernd sitzt der Schalk im Nacken.

Wenn er etwa vom Immobilienkäufer in ländlicher Idylle erzählt, der sich nackt an einen Baum binden lässt, um die Aggressionen eines Bienenstammes zu testen, der sich auf dem Fleckchen Erde eingenistet hat, das er erwerben möchte. Gestochen wird er nicht, der arme Tropf. Aber dass er vom Kälbchen mit der Mutterkuh verwechselt wird, damit hat er nicht gerechnet. Da lachen die Weidener. Eine Besucherin kann sich am Samstagabend gar nicht mehr einkriegen.

"Der helle Wahnsinn"

Es gab nur noch ganz wenige Restkarten. Am Ende ist das "Amigos"-Konzert ausverkauft. Bis auf den letzten Platz. Ein riesiger Tour-Truck parkt vor der Max-Reger-Halle. Wozu er benötigt wird, bleibt schleierhaft. Die Bühnenshow ist ähnlich unspektakulär wie die Musik. Es sind Lieder, die die Seele streicheln: "Weiße Rosen", die es nur in Athen gibt. "Das größte Glück", "Der helle Wahnsinn."

Sensible Balladen und brave Texte volkstümlicher Schlager. Es ist einfach schön, hört sich nett an und beschwört eine heile Welt, die es so nicht gibt. Die Art und Weise, wie sich die Brüder mit Themen wie Liebe, Freiheit, Sehnsucht und Freundschaft auseinandersetzen, spricht das Publikum an. "Weißt du was du für mich bist?": ein Schunkelsong. Die Musik stimmt optimistisch.

Weit gereiste Fans

Viele sind weit gereist. Links neben der Bühne klammern sich drei weibliche Fans an ein großes Transparent, mit dem sie ihre Idole anhimmeln. Das Konzert ist beeindruckend und sensibel zugleich. Nichts aber für Hip-Hopper und Rock'n'Roller. Nettospielzeit: 130 Minuten.

Viel Equipment brauchen sie nicht. Im Hintergrund unterstreichen Videos die Inhalte ihrer Songs. Sie selbst stehen inmitten kleiner Hütchen, die auch Alpengipfel sein könnten. Bläsersounds und Schlagzeugrhythmen kommen aus der Konserve. "Die Amigos" singen nur, und einer zupft dazu die Saiten seiner Klampfe. Und geschäftstüchtig sind sie auch.

Da kriegt ein kleines Mädchen auf der Bühne einen "Amigo"-Bären geschenkt, nur um das Maskottchen einem breiten Publikum bekannt zu machen. Denn die Teddys gibt's in der Pause im Fan-Shop haufenweise zu kaufen. Nebst T-Shirts, CDs und DVDs. Und am Ende darf man sich sogar fotografieren lassen mit den Freunden.
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