14.03.2013 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Professor Wolfgang Wiegard spricht über Euro und Schuldenkrise Risiken bestehen weiter

"Das Jahr 2013 wird weder das Ende der Schuldenkrise noch das Ende der Währungsunion bringen." Trotz der wenig optimistischen ersten Hälfte: Dies ist noch einer der beruhigenderen Sätze, die Professor Wolfgang Wiegard, bis 2011 Mitglied bzw. Vorsitzender des "Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung", am Dienstagabend im Neuen Rathaus formuliert.

Wolfgang Wiegard zählt unter den Volkswirtschafts-Professoren zu denjenigen, die sich eindeutig positionieren, auch gegen manchen politischen Zeitgeist. Das wurde bei seinem Vortrag im Neuen Rathaus einmal mehr deutlich. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Mit Wiegard ist - als Teil der Bayerisch-Böhmischen Kultur- und Wirtschaftstage - einer der bekanntesten und renommiertesten deutschen Wissenschaftler in die Max-Reger-Stadt gekommen, um über aktuelle wirtschaftliche Probleme zu sprechen.

Lob, aber auch Tadel mit wissenschaftlicher Begründung spricht er gegenüber der Wirtschaftspolitik der schwarz-gelben Koalition aus. Als weitgehend ohne Alternative bezeichnet er die gegenwärtige Haltung Deutschlands bei Maßnahmen zur Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise, wenn er sagt: "Wir müssen den ökonomischen Preis zahlen. Wenn die Währungsunion platzt, kommt es zur teuersten Lösung für Deutschland." Die Rückkehr zur D-Mark gefährde Deutschlands Export erheblich und führe zu hohen Arbeitsplatzverlusten.

Wiegard verteidigt die Bundesregierung, wenn diese tiefgehende Strukturreformen besonders in den Krisenländern Griechenland, Spanien, Zypern, aber auch Italien fordert. Schließlich müsse dort "die Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessert werden", auch um die Geldpolitik der EZB wieder wirksamer werden zu lassen. Umgekehrt bezeichnet er aber auch die Regierungszeit der schwarz-gelben Koalition als "vier Jahre Stagnation". Alle größeren Reformansätze im Bereich Umsatz- und Erbschaftssteuer seien im Sande verlaufen. "Es gab keine Reformen, die Wachstum anregen."

Warnung vor Strohfeuer

Und hier wird der oftmals zu den Anhängern der "Angebotspolitik" gerechnete Wissenschaftler sehr politisch: Pläne zur Erhöhung der Vermögenssteuer oder die Erhöhung des Spitzensteuersatzes sieht er sehr kritisch. "Konjunkturprogramme sind Strohfeuer, und es führt kein Weg an der Rückführung staatlicher Verschuldung und Konsolidierung öffentlicher Haushalte in Deutschland und in Europa vorbei."

Es bedürfe allerdings eines sehr langen Atems dazu. "Schröder wurde frühzeitig abgewählt, und die jetzige Regierung kann die Erfolge seiner Politik einheimsen", sagt Wiegard. Ausführlich erläutert der Wirtschaftsprofessor die Risiken Europas im Finanzbereich. "Die Finanzkrise war Anfang des Jahres aus den vorderen Schlagzeilen heraus, jetzt mit der Abwahl in Italien sind neue Unsicherheiten erzeugt worden." Auch wenn die Finanzmärkte - dank wirksamer Gegenmaßnahmen - erstaunlich gelassen reagiert hätten. Vor allem die Äußerung des EZB-Präsidenten Mario Draghi, alles zu tun, um den Bestand der Währungsunion zu sichern, schaffe Vertrauen.
Allerdings schränkt Wiegard gleich wieder ein: "Dieses Vertrauen entspricht aber nicht der realen Situation in Europa." In Griechenland habe der Reformprozess aufgehört, Spanien habe seine Korruptionsaffäre, Zypern gefährde durch seine Verflechtung mit Griechenland auch europäisches Staatsgeld. Moralische Risiken in den Krisenländern, Haftungsrisiken für Europa und auch Deutschland sowie Inflationsrisiken müssten gesehen, aber auch in Kauf genommen werden, warnte Wiegard. Gleichzeitig betonte er: "Die Krisenländer haben ihre Probleme selbst verursacht." (Angemerkt)

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