Reservisten aus der Region ersetzen Grabkreuze auf Soldatenfriedhof in Elsass-Lothringen
Nicht wegen 3,60 Euro pro Tag

Arbeitsgeräte wurden den Helfern aus Bayern zur Verfügung gestellt.

Der Tagessatz von je 3,60 Euro war es sicher nicht, der die Reservisten motivierte, sich für zwölf Tage nach Elsass-Lothringen zu begeben. Und um dort zu schaufeln und zu betonieren. Die Männer aus sechs Kameradschaften (RK) absolvierten auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Niederbronn-les-Bains einen Einsatz: Sie tauschten schadhaft gewordene alte Grabsteine gegen neue aus.

Einige der Teilnehmer wirkten zum dritten Mal an einer derartigen Aktion mit. Das Gros stellte ein Freihunger Quintett, in dessen Händen auch die Leitung lag, die konkret Oberstleutnant der Reserve und Bürgermeister, Norbert Bücherl, sowie Reserve-Stabsfeldwebel Gerhard Lindthaler als dessen Vertreter innehatten. Nach ihrer Rückkehr berichteten sie und der Stabsunteroffizier der Reserve, Michael Bauer (RK Poppenricht), über ihre Tätigkeiten in Frankreich. Komplettiert wurde die Runde durch Reservisten aus Holnstein, Kohlberg, Pfreimd und Pleystein.

Auf vier Jahre angelegt

Sie alle sehen ihr Wirken im Sinne der Völkerverständigung ebenso wie im Gedenken an die Gefallenen. 15 808 Tote aus dem Zweiten Weltkrieg haben in Niederbronn-les-Bains ihre letzte Ruhestätte gefunden - allesamt Opfer der Schlachten im Norden des Elsass. Die Oberpfälzer kooperierten nun mit dem bayerischen Landesverband des Volksbunds Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Innerhalb eines seit 2011 auf vier Jahre angelegten Programms werden dort die rund 4000 brüchig gewordenen Kreuze aus Melassesandstein gegen solche aus Granit ausgetauscht. Bis 2015 soll dieses Vorhaben abgeschlossen sein - umgesetzt von Freiwilligen, die dafür einen Teil ihres Urlaubs einbringen. Die Freihunger und ihre Begleiter schafften 182 Kreuze beiseite, setzten die nötigen Fundamente und befestigten darauf die neuen Steine mit den Namen und persönlichen Daten der Gefallenen. Das Werkzeug wurde vor Ort gestellt. Unterstützung erfuhr die Gruppe auch durch die Panzerbrigade 12 und von Stabsfeldwebel Andreas Götz vom Landeskommando Bayern. Dafür gab es Dankesworte von Norbert Bücherl und Gerhard Lindthaler ebenso wie für den perfekt Deutsch sprechenden Friedhofswärter Gabriel Klingler.

Wert legten beide auf die gute Zusammenarbeit mit den Franzosen im Allgemeinen sowie mit deren Armee im Besonderen. Diese habe den Oberpfälzern eine Unterkunft im 25 Kilometer entfernten Bitche (Bitsch) überlassen und ihre deutschen Gäste verpflegt. Während ihres Aufenthalts im westlichen Nachbarland nahmen die Oberpfälzer an einer Gedenkfeier zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Metz teil und richteten selbst eine in Niederbronn aus. Zur Kranzniederlegung kamen Besucher aus dieser Region sowie Volksbund-Präsident Markus Meckel (Berlin). Bücherl appellierte an die Bereitschaft aller, sich "in die Gefühle der Anderen hineinzuversetzen". Dies erzeuge Respekt, Toleranz und Solidarität.

Reaktion auf AZ-Artikel

Besonders erfreut waren Bücherl und Lindthaler, dass sich aufgrund eines AZ-Artikels während ihres Auslandsaufenthalts Angehörige von Kriegsopfern bei der Redaktion gemeldet und das Angebot der Reservisten genutzt haben, an der Grabstätte der Verwandten einen Kranz niederzulegen. So meldete sich Margitta Knie aus Amberg, die des Obergefreiten Johann Meyer gedachte, der am 11. Dezember 1910 geboren wurde und an seinem 34. Geburtstag gefallen ist. Da an seiner Ruhestätte kein Steinkreuz mehr vorhanden war, besorgte Bücherl ein Holzkreuz als Übergangslösung. Ebenfalls in Niederbronn begraben ist Walter Farin (* 14.01.1916, gest. 25.1.1945). Dessen Namen übermittelte Hans Prem aus Witzlhof für seine Frau Waltraud, um deren Vater es sich handelte.
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