02.03.2013 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schule, Ausbildung und Arbeitswelt in der demografischen Zwangslage - Diskussion bei Rotary Kreative Konzepte immer wichtiger

"Es gibt keine Denkverbote", beginnt Rotary-Präsident Wolfgang Wies seine Moderation beim dritten Vortragsabend zum demografischen Wandel. "Schule, Ausbildung und Arbeitswelt" stehen diesmal auf dem Programm. Experten unterschiedlichster Herkunft zeigen in der Mensa des Augustinus-Gymnasiums eindringlich die Dramatik dieses viel diskutierten Themas auf.

Zum Thema Demografie begrüßten Rotary-Präsident Wolfgang Wies (Mitte) und "Augustinus"-Chef Helmut Matejka (rechts) die Referenten (von links) Volker Hecht vom Institut Agira, Kay Senius von der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Manfrad Riedl, Personalleiter BHS Corrugated und Reinhold Hautmann vom ÜBZO. Bild: Bühner
von Siegfried BühnerProfil

So zum Beispiel Volker Hecht vom Waldsassener Institut "Agira" mit dem Szenario drohender Schulschließungen wegen drastisch sinkender Schülerzahlen - allein im Landkreis Tirschenreuth bei Grund-und Mittelschülern um rund ein Drittel bis 2020. Die Folgen für Gemeinden, Infrastruktur und Kaufkraft sind alarmierend, Schulstandortanalysen zwingend.

Hautnah macht der Hauptredner des Abends, Kay Senius, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, die Ausgangslage deutlich, wenn er die Fachkräftelücke bis 2025 auf 6 Millionen beziffert und den anspruchsvoller werdenden Arbeitsmarkt als Tendenzverstärker betrachtet. "Doch die Demografie hat auch ihre guten Seiten, denn sie mildert die Probleme am Arbeitsmarkt", ergänzt er. Anhand der Bevölkerungspyramide zeigt er, dass sich an den demografischen Problemen in den nächsten 30 Jahren wenig ändern wird. Und bundesweit gebe es jetzt schon den Mangel an Altenpflegern. Noch regional unterschiedlich sei die Situation zum Beispiel bei Ingenieuren oder bei Heizungs-und Klimatechnikern. "Der Anteil der Lehrer über 55 Jahre wuchs um das Zweieinhalbfache", sagt Senius, der in Weiden zur Schule ging.

Weniger Bewerber

Wie Manfred Riedl, Personalleiter bei BHS Corrugated in Weiherhammer, verdeutlicht, lagen seine Bewerberzahlen vor wenigen Jahren noch bei 600, jetzt sind es noch 400 bei starkem Ungleichgewicht in den Berufen. "113 Bewerber wollen die zwei Ausbildungsplätze zum Industriekaufmann."

Patentrezepte hat keiner der Referenten. Stattdessen viele Anregungen und auch Aufträge an die Politik. Senius schildert, "dass die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten gerne etwas länger arbeiten möchte". Und er kommt auch rasch auf die Notwendigkeit zu mehr familienfreundlicher betrieblicher Personalpolitik ("wenn eine charmante Frau da ist, führt dies zu einer anderen Unternehmenskultur"). Arbeitsmarktpolitik müsse regional ausgerichtet, über Zuwanderung nachgedacht werden. Der Fachkräftemangel zwinge zur regionalen Netzwerkarbeit. Er fordert zudem "Investitionen in das Bildungssystem" als Ausgangsvoraussetzung für gute Allgemeinbildung. Die Standortpolitik für Schulen in Thüringen schließe Klassen mit 8 oder 9 Schülern nicht mehr aus.
Reinhold Hautmann vom ÜBZO sieht den Erfolg seiner Einrichtung auch als Antwort auf die demografische Herausforderung. Und er nennt Zahlen: "Über 200 Firmen rufen Ausbildungsinhalte ganz oder in Modulform ab. 350 feste Auszubildende sind bei uns und 180 für Module." Ausbildung werde dadurch zusätzlich auch für Kleinbetriebe möglich und Abwanderung verhindert. Frauen in gewerblich-technischen Berufen werden bei der ÜBZO in Teilzeit zu Industrieelektrikerinnen ausgebildet.

Auch Personalleiter Riedl wartet mit kreativen Vorschlägen auf: "Wir machen Personalentwicklung in der Ausbildung durch ein mögliches drittes Jahr für schwächere Bewerber, die zunächst zwei Jahre als Industrieelektriker oder Maschinen-und Anlageführer ausgebildet werden."

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