Schullesungen zeigen neue Perspektiven
Bücher werden lebendig

Zoran Drvenkar hat schon über 40 Bücher geschrieben. In der Ostmark-Kaserne stellt er unter anderem sein aktuelles Werk "Der letzte Engel" vor.

Bücher sind ein verbindendes Element. Dies machen die Weidener Literaturtagen deutlich. Egal ob Alt oder Jung, Soldat oder Schüler, Künstler oder Lehrer, alle interessieren sich für das gedruckte Wort. Die Schullesungen zeigen allerdings: Jeder wählt einen anderen Ansatz, Literatur fassbar zu machen.

Kinderbuchautor Thilo macht Halt in der Albert-Schweizer-Schule. Er nimmt die Dritt- und Viertklässler mit auf die Reise von Wickie. Die Mädchen und Buben sind fasziniert von der Vorlesekunst des Schriftstellers. Er hat aus dem Kinofilm von Michael Bully Herbig einen Kinderroman gebastelt.

Als "sehr sinnvoll" bezeichnet Klassenlehrerin Christa Kneidl die Schullesungen. Um einen gewissen Spannungsbogen aufzubauen, hat die Pädagogin ihrer Kombiklasse schon im Vorfeld Bücher von Thilo vorstellen lassen. "Und nun wird die Literatur lebendig. Die Bücher bekommen für die Schüler ein Gesicht", erklärt sie das Konzept.

Ein Jahr im Stasi-Knast

Ein ganz anderes verfolgt Klaus Kordon. Der Autor ist zu Gast bei den Neuntklässlern des Kepler-Gymnasiums. Er macht mit seinem autobiographischen Werk "Krokodil im Nacken" Geschichte greifbar. Dabei liest er nicht nur vor, sondern liefert auch noch Hintergründe, erklärt im Detail, wie es sich anfühlt, ein Jahr im Stasi-Knast zu sitzen.
"Die wollen dich mürbe machen. Und wenn du gestanden hast, war es noch lange nicht vorbei." Die Verhöre wurden immer breiter gefasst. "Die Stasi wollte lernen, die Leute studieren." Die Schüler bekommen einen Erfahrungsbericht, können die schrecklichen Erlebnisse des Autors nachvollziehen. An diesen Punkten verschmelzen der Deutsch- und Geschichtsunterricht.

Einen ähnlichen Ansatz wählt Juma Kliebenstein für ihre Kinder- und Jugendbücher. Sie lässt ihre Erlebnisse als ehemalige Lehrerin einfließen. "Ich hole mir aber auch Anregungen aus Vorlesungen", verrät sie. Gerade hat sie die Mädchen und Buben der Gerhardinger-Grundschule in ihren Alltag entführt.

Für ihre nächsten Bücher kann sie vom heutigen Tag auch etwas mitnehmen: "Ich verarbeite die Reaktionen der Kinder." Klassenlehrerin Claudia Scharnagl spricht von einem besonderen Erlebnis für die Schüler.

Literatur in der Kaserne

Abwechslung ist auch in der Ostmark-Kaserne angesagt. Die Soldaten werden von Zoran Drvenkar in die Welt der Bücher entführt. Oberstleutnant Bernd J. Henn sieht die Literaturtage als Chance, sich in das gesellschaftliche Leben Weidens zu integrieren: "So können wir unsere Verbindungen zur Stadt stärken." Auch dies ist wieder ein ganz neuer Ansatz.
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