30.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Schwimmer in Glut gestoßen - Täter zahlt Schmerzensgeld Knapp an Haft vorbei

von Autor RNSProfil

"Keine berechtigten Zweifel" hatte Jugendrichter Otmar Schmid daran, dass es der 19-Jährige auf der Anklagebank gewesen war, der im Mai vergangenen Jahres einen damals 21-jährigen Schwimmer ins Feuer geschubst hatte. Schmid verurteilte den Metzgergesellen zu zehn Monaten auf Bewährung. Staatsanwalt Peter Frischholz hatte sogar ein Jahr "ohne" beantragt.

Auf der "HGO-(Haisl goes outdoor) Party" bei Mantel war der Angetrunkene zu einer Gruppe gestoßen, die am Lagerfeuer stand und scherzte. Nachdem er begonnen hatte, die ihm körperlich überlegenen Wasserballer anzupöbeln, stieß er plötzlich, ohne Vorwarnung, einen ebenfalls anwesenden Schwimmer mit beiden Händen vor die Brust. Dieser, ein 21-jähriger Student, stolperte und fiel rücklings in die Glut. Das Opfer musste schwer verletzt im Klinikum behandelt werden. Der Verurteilte beteuerte bis zuletzt, dass ein anderer den Sportler geschubst habe.

An drei Verhandlungstagen betonten mehrere Zeugen, dass der Angeklagte der Angreifer gewesen sei. Staatsanwalt Peter Frischholz erinnerte zudem an einem Facebook-Chat des Angeklagten, der einen Kumpel veranlassen wollte, die Schuld auf sich nehmen. Sonst drohe ihm selbst die Haft - da "noch eine andere Sache" anstehe. Aus diesem "Taktieren" schloss Frischholz, dass bei dem einschlägig Vorbestraften "schädliche Neigungen" vorliegen. Er hielt deshalb eine Bewährungsstrafe nicht mehr für gerechtfertigt. Rechtsanwalt Tobias Konze, der das Opfer vertrat, beklagte, dass der Täter kein Wort des Bedauerns oder der Reue hervorgebracht hatte und "nur versuchte, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen". Konze plädierte auch darauf, seinem Mandanten ein "angemessenes" Schmerzensgeld zuzusprechen. Dabei sollte neben den körperlichen Folgen, auch die Angst des Opfers um seine Sportlerkarriere berücksichtigt werden.

Rechtsanwalt Rouven Colbatz zeigte sich "erschüttert" darüber, wie der Staatsanwalt die Beweise würdige. Es sei durchaus nicht nachgewiesen, dass sein Mandant "die Person mit dem roten Kapuzenpulli" gewesen sei, die die Zeugen beschrieben hatten. Auch den "Chat" könne man anders lesen, so Colbatz. Darin biete nämlich der Freund an, die Hälfte einer eventuellen Geldstrafe zu bezahlen. "Wieso sollte er dies tun, wenn er unbeteiligt war?", fragte der Verteidiger. Er forderte Freispruch.

Richter Schmid folgte seiner Argumentation nicht, gewährte aber "Bewährung". Es sei zwar nicht Absicht des jetzt 19-Jährigen gewesen, den Studenten ins Feuer zu stoßen. Eine Körperverletzung jedoch habe er begangen. An das Opfer muss der Verurteilte 2500 Euro Schmerzensgeld plus 200 Euro für dessen zerstörte Jacke zahlen. Als Bewährungsauflage sind weitere 700 Euro an die "Initiative" fällig.

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