Seggewiß: Alles auf den Prüfstand - Hitzige Diskussion über Reger-Tage
Was darf Kultur kosten?

Von den Max-Reger- bis zu den Literaturtagen: Die Stadt will alle ihre kulturellen Veranstaltungen durchleuchten, Einnahmen und Ausgaben genau prüfen und in Relation zu den Besucherzahlen setzen. Über Einsparmöglichkeiten sollen Kulturbeirat, Finanzausschuss und nicht zuletzt der Wirtschaftsrat "Neue Wege" diskutieren.

Diesem Vorschlag von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß stimmte der Stadtrat am Mittwoch einstimmig zu. Auslöser des OB-Vorstoßes war eine teils hitzige Debatte über die Kosten der Max-Reger-Tage. Die hatte die CSU hinterfragt, nachdem der Zuschussbedarf im Jahr 2013 stolze 130 000 Euro betragen soll. "Dabei ist die Anzahl der Veranstaltungen gegenüber früher massiv gesunken", bemerkte CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Pausch. Mit dem Bericht der Verwaltung waren die Christsozialen nicht zufrieden: Aufgelistet war nur die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben in den Jahren nach 2007, als das Kulturamt die Organisation übernahm. So errechnet sich beispielsweise für 2012 (18 Veranstaltungen, 1895 Besucher) ein Defizit von lediglich knapp 18 000 Euro - allerdings kommen Personalkosten und interne Verrechnungen (u. a. Hallenmieten) in ungenannter Höhe hinzu (der Haushalt wies einen Zuschussbedarf von 120 000 Euro aus). Für das Jahr 2007 - das letzte, in dem Professor Kurt Seibert Regie führte - nennt die Verwaltung ein Defizit von 82 800 Euro (63 Veranstaltungen).

"Milchmädchenrechnung"

Eine "Milchmädchenrechnung" mit einigen Ungereimtheiten bemängelte Walter Leupold (CSU), der die Veranstaltungsreihe einst initiiert hatte. Außerdem missfiel ihm, dass der Verwaltungsbericht mit Begriffen wie "übliche Studentenkonzerte" die Ära Seibert diskreditiere: "Das waren großartige, große Konzerte!" Der CSU-Mann bedauerte, dass "die Chemie zwischen dem Oberbürgermeister und Professor Seibert nicht ganz gestimmt" habe. Vormals ein "Riesending, das deutschlandweit Beachtung fand", seien die Reger-Tage "relativ provinziell" geworden.

An die Kosten, die unter Seibert "aus dem Ruder liefen", erinnerte SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Richter. Nun sei "hervorragend umgesetzt", was der Stadtrat wollte: weniger Veranstaltungen, weniger Ausgaben. Richter stellte auch die Frage, ob die Reger-Tage unbedingt im jährlichen Turnus stattfinden müssen. Dr. Lutz Rittmann (SPD) erzählte von Münchner Freunden, die ihn zu Seibert-Zeiten gefragt hätten: "Was ist denn das für eine Stadt, in der mehr Musiker auf der Bühne sind als Zuschauer im Publikum davor?" Ziel des "tendenziösen" CSU-Antrags sei es allein gewesen, "die gute alte Seibert-Zeit und die böse neue SPD-Zeit unter Seggewiß" zu thematisieren.

Sowohl Heiner Vierling (CSU) als auch Ralf Möhrle (SPD) wetterten, sie verstünden die ganze Aufregung nicht. Der setzte OB Seggewiß dann auch ein Ende: mit der Ankündigung, für "volle Kostentransparenz" zu sorgen - bei sämtlichen städtischen Kulturveranstaltungen.
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