Socken zu jedem Anlass: Für Marianne Stingl ist Stricken zur Passion geworden
Verstrickt: 25,5 Kilometer Wolle im Jahr

Volle Wolle! Marianne Stingl ist süchtig nach ihrem Hobby: Die 49-Jährige strickt so gerne, dass sie ihre Handarbeits-Utensilien sogar zum Chinesen mitnimmt. Am Wochenende trafen sich passionierte Strickerinnen aus ganz Deutschland bei der Wollhändlerin.

Sie bezeichnen sich selbst als "Zwangsstrickerin". Ist Stricken für Sie eine Art Sucht?

Marianne Stingl: Vor zehn Jahren habe ich mit dem Rauchen aufgehört. Damals hat eine Freundin zu mir gesagt: Du zitterst so viel. Fang doch mit dem Stricken an. Aber erst durch die Opalwolle habe ich Freude daran gefunden und irgendwann beschlossen: Die muss ich selber verkaufen. Der Hersteller Wolfgang Zwerger ist ein Genie. Dem fallen immer wieder diese wundervollen Muster ein.

Was ist das Besondere am Stricken?

Marianne Stingl: Es gibt nichts Entspannenderes. Außer vielleicht Spinnen. Aber dafür bin ich nicht der Typ. Ich brauche meine Stricknadeln. Fernsehschauen ohne Stricken findet bei uns daheim nicht mehr statt. Auch beim Einkaufen oder wenn ich mit meinem Hund Gassi gehe, habe ich mein Strickzeug dabei.

Sie fahren ja auch extra Zug, um Ihre Nadeln klappern zu lassen.

Marianne Stingl: Ja, ich fahre alle zehn Tage mit dem Bayernticket durch den Freistaat. Meist dieselbe Strecke: Weiden - Bayreuth - Lichtenfels - Nürnberg - Neuhaus - Bayreuth - Weiden. Da stricke ich dann zehn Stunden am Stück. Dabei schaffe ich gut eine Socke. Die Schaffner kennen mich schon.

Wieviele Meter Wolle brauchen Sie im Jahr?

Marianne Stingl: Ein Päckchen Wolle hat 425 Meter. Im Jahr verbrauche ich knapp 60 Päckchen Wolle.

. . .das sind 25,5 Kilometer.

Marianne Stingl: Dabei bin ich noch nicht einmal ein Vielstricker! Es gibt Leute aus unserer Strickgruppe, die schaffen das Doppelte.

Was wird aus all der Wolle?

Marianne Stingl: In erster Linie stricke ich Socken, vor allem für Freunde und Familie. Zum Geburtstag und zu Weihnachten verschenke ich fast nur Socken. Bei mir zuhause liegen derzeit etwa 30 Ufos herum. Ufos ist unser Wort für "unfollendete Socken" - mit "f" geschrieben. Unsere Gruppe strickt übrigens auch Kleidung für die Frühgeburten in Deutschlands Krankenhäusern. Die benötigen so kleine Kleidungsstücke, wie es sie gar nicht zu kaufen gibt.

Sie haben Ihren Mann quasi um den Finger gewickelt?

Marianne Stingl: Nein. Wir sind ja schon seit 21 Jahren verheiratet, und ich stricke erst seit zehn Jahren. Aber er hat sich daran gewöhnt, dass ich diesbezüglich etwas verrückt bin und macht das alles mit.

Gibt es in ihrer Strickgruppe interne Wettbewerbe?

Marianne Stingl: Ja, alle zwei Monate veranstalten wir einen "knitalong". Dabei stricken wir alle nach derselben Anleitung ein bestimmtes Paar Socken. Die eine in Hamburg, die andere in Österreich, ich in Weiden und so weiter. Das Ergebnis wird dann fotografiert und bewertet. Wer am Ende des Jahres die meisten Punkte hat, bekommt einen kleinen Preis.

Wie charakterisieren Sie die typische Strickerin?

Marianne Stingl: Es ist verblüffend, aber viele Stricker haben Katzen, ich ja auch. Aus unserer Gruppe beträgt der Katzenhalter-Anteil etwa 50 Prozent. Vielleicht sind Stricker auch ruhigere Menschen, weil man für dieses Hobby sehr viel Geduld braucht. Viele sagen, dass wir sehr fleißig sind. Aber in meinem Fall stimmt das nicht. Ich bin eher faul. Ich stricke nicht, weil ich fleißig bin, sondern weil es Spaß macht.

Weitere Informationen:

oberpfalznetz.de, Netzcode 50610318