17.09.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Sonderführung für Gäste aus Marienbad im Tachauer Heimatmuseum Flüchtlinge mit Tatkraft und Fleiß

Bürgermeister Kral und weitere Gäste aus Marienbad waren am Samstag Gäste beim Herbstfest. Bei der Gelegenheit besichtigten sie auch das Tachauer Heimatmuseum.

Eine historische Dienstmädchenkleidung aus Marienbad in einer Vitrine ist ein Exponat im Tachauer Heimatmuseum, das Historiker Dr. Sebastian Schott (Zweiter von links) den Politikern zeigte: Weidens OB Kurt Seggewiß (Vierter von rechts) mit Gattin Maria an seiner Seite und Bürgermeister Lothar Höher mit Ehefrau Irmgard begrüßten ihre Amtskollegen aus Marienbad zum Rundgang. Von rechts Bürgermeister Zdenek Kral mit Gattin Jitka sowie seinem Stellvertreter Petr Horky mit Gattin Vladimira. Bild: Dobmeier
von Autor rdoProfil

Tachau und Weiden sind seit dem 14. Jahrhundert durch die Lage an der "Goldenen Straße" verbunden, der wichtigsten Handelsroute von Prag nach Nürnberg. Mit der Vertreibung der Bewohner im Sudetenland und Schlesien sowie auch aus dem Kreis Tachau war Weiden neue Heimat für viele Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg.

Bei einer Sonderführung am Samstag während des Weidener Herbstfests im Tachauer Heimatmuseum begrüßte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß mit Gattin Maria sowie Bürgermeister Lothar Höher mit Frau Irmgard als Gastgeber den Bürgermeister aus Marienbad Zdenek Kral mit Gattin Jitka sowie seinem Stellvertreter Petr Horky mit Gattin Vladimira auf das Herzlichste.

Historiker Dr. Sebastian Schott vom Stadtarchiv stellte die Schätze der neuen und von ihm mitkonzipierten Ausstellung im Kulturzentrum Hans Bauer vor. Die Stadt Weiden übernahm 1956 die Patenschaft über die Tachauer, die im Museum eine geistige Heimat fanden.

Dr. Schott erläuterte die Schwerpunkte der Ausstellung. Der historische Kreis Tachau mit der klimatisch rauen Gegend war vor dem Krieg geprägt durch die Landwirtschaft und Holzindustrie. Exponate wie Berufskleidung, Handwerkszeug und Bücher sind zu sehen. Die Volkskultur, die Frömmigkeit sowie Persönlichkeiten sind dargestellt. Die Vorgeschichte unter der K. und K. Monarchie, mit einer kurzen Unterbrechung, unter der Herrschaft der Habsburger sowie der Untergang der Kulturlandschaft durch den II. Weltkrieg sind ebenfalls zu sehen. Dabei führte die Vertreibung nach dem Krieg fast die gesamte Bevölkerung aus dem Kreis Tachau. Die fehlgeschlagene Neubesiedlung und die Errichtung des "Eisernen Vorhangs" stellten den Untergang von 32 Dörfern mit 1327 Häusern dar, in denen 7549 Menschen gelebt hatten.

Weidens OB Seggewiß und Bürgermeister, selbst mit böhmischen Wurzeln, hoben den Stellenwert der Flüchtlinge für Weiden heraus, die mit dem Einwohnerzuwachs von 27 000 Personen 1939 auf 39 000 im Jahr 1945 mit Tatkraft und Fleiß das Oberzentrum Weiden nach dem Krieg mitgestalteten. Es entstanden neue Wohngebiete im Stadtteil Stockerhut. Der OB schilderte die Tradition der Aufnahme von Flüchtlingen in Weiden, die auch heute noch mit der Aufnahme von Asylanten aus Syrien oder Somalia mit offenen Armen erfolgt.

Mit dem Fall des "Eisernen Vorhanges" 1989 schlugen beide Nachbarstaaten ein neues freundschaftliches Kapitel der Völkerverständigung auf. 2008 folgte die Partnerschaft mit der tschechischen Bäderstadt Marienbad, die gut gepflegt wird. Wie der Besuch im Tachauer Heimatmuseum und auf dem Herbstfest zeigt.

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