29.05.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Täglich 350 Patienten im afrikanischen Slum: Dr. Dorothea Woiczechowski ist "Ärztin für die ...: Die dunkelste Seite des schwarzen Kontinents

von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Afrika ist schön. Herrliche Natur, großartige Tierwelt und glückliche Menschen auf dem Land. Afrika hat aber auch sehr dunkle Seiten. In einer Großstadt wie Nairobi in Kenia leben etwa 150 000 Menschen in elenden Verhältnissen. Dr. Dorothea Woiczechowski wählte die Schilderung dieses Gegensatzes ganz bewusst für ihren Diavortrag am Dienstagabend im Hotel "Zur Heimat".

Die Kinder- und Jugendärztin zeigte teilweise bedrückende "Bilder aus zwei Welten". Zu der Fortbildungsveranstaltung hatte der Ärztliche Kreisverband Weiden geladen. Rund 40 Mediziner lauschten beeindruckt den Ausführungen der Referentin.

Vergiftete Kuhmilch

Dr. Dorothea Woiczechowskis zweiter Einsatz bei den "Ärzten für die Dritte Welt" hatte sie nach Kenia geführt. Auf ihren Aufnahmen waren einerseits Naturparks mit einer großen Artenvielfalt und fröhliche Masaikinder zu sehen. Andererseits Slumkinder mit "oft sehr ernsten Gesichtern" und Kühen, die auf Müllhalden weiden. Die Ärztin wollte "dabei nicht wissen, wie vergiftet diese Milch ist".

In den Armutsvierteln lebten Menschen, die auf der Suche nach Arbeit vom Land zugewandert seien. Sie wohnten in fensterlosen Hütten aus Lehm und Abfällen, der Fußboden "ist die nackte Erde", erklärte die Referentin. 20 Familien müssten sich eine Wasserstelle teilen.

In Mathare Valley, einem der Slums, unterhalte die Organisation eine Ambulanz. Täglich kämen über 350 Patienten, ein Drittel davon Kinder. Ein Pensum, das für vier Ärzte und eine Handvoll Schwestern nicht zu schaffen sei. "Nur wer zwischen 8 und 9 Uhr morgens kam, wurde behandelt."

Dennoch lobte die Referentin "die Zusammenarbeit mit dem einheimischen Stab sowie die Teamarbeit mit den Kollegen". Vor allem zu Beginn ihrer sechswöchigen Tätigkeit erhielt sie dadurch Mut, weiterzumachen. Auch wenn die Situation "einen häufig schier verzweifeln ließ".

Die Ärztin betonte auch, wie sauber die Menschen trotz der unbeschreiblichen Verhältnisse waren. Dennoch reichte das Krankheitsspektrum Erwachsener und Kinder von Unterernährung, Infektionen der Atemwege und des Verdauungstraktes, Tuberkulose, über Tropenkrankheiten oder Hauterkrankungen bis hin zu Geschlechtskrankheiten.

Vor allem die Immunschwächekrankheit Aids sei ein großes Problem, das leider immer noch tabuisiert werde. In Kenia liege die Erkrankungsrate bei 18 Prozent, "in den Slums wesentlich höher", schätzte Woiczechowski. Ende 2001 waren 2,5 Millionen Menschen mit dem Virus angesteckt - davon fast zehn Prozent Kinder.

30 Millionen Infizierte

In ganz Afrika lebten südlich der Sahara etwa 30 Millionen HIV-Infizierte. Aids ist Todesursache Nummer eins, "die verheerendste Katastrophe, die seit Sklavenhandel und Kolonialherrschaft über den Kontinent hereingebrochen ist", fasste die Ärztin zusammen. Hilfe gebe es nur in Form von Schmerzlinderung, Medikamenten und Aufklärung. Der deutsch-kenianische Bund gegen Aids habe dazu ein umfangreiches Programm aufgebaut.

Am Schluss des etwa einstündigen Vortrags plädierte Dr. Woiczechowski dafür, "auch einmal einen solchen Einsatz zu machen". Man "kriegt zwar finanziell nichts, aber trotzdem sehr viel. Die freiwillige Arbeit "befriedigt einen schon sehr".

Sie selbst "wollte das schon immer machen". Demnächst, kündigte sie an, werde sie erneut als Ärztin in die Dritte Welt gehen. Bild: tss

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