17.11.2011 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Trotz starker Verdachtsmomente: Jagdpächter vom Vorwurf der Hundevergiftung freigesprochen: "Letzter schlüssiger Beweis fehlt"

Der Hundebesitzer kämpfte mit den Tränen, als er die Todesqualen seiner "Cindy" schilderte. Fassungslos nahm er später das Urteil zur Kenntnis, das Vorsitzender Richter Josef Sertl in der Berufungsverhandlung verkündete: Trotz "starker Verdachtsmomente" folgte die 2. kleine Strafkammer des Landgerichts Weiden dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" und sprach einen Jagdpächter aus dem Raum Eschenbach am Dienstag frei vom Vorwurf, den Giftköder im Revier vorsätzlich gelegt zu haben.

von Autor CDProfil

Es war ein Freispruch zweiter Klasse, und doch konnte der Angeklagte, der sich von Dr. Hans Scholzen, einem Fachanwalt für Waffenrecht aus Düsseldorf, vertreten ließ, Erfolg auf der ganzen Linie verbuchen. Denn das Gericht folgte auch dem weiteren Antrag der Verteidigung und blieb mit der Geldstrafe für zwei Waffenrechtsverstöße unter 60 Tagessätzen, so dass der Waidmann seinen Jagd- und Waffenschein behalten kann. Das Urteil in zweiter Instanz lautete auf 55 Tagessätze zu 60 Euro. Außerdem muss der Revierinhaber ein Drittel der Verfahrenskosten tragen.

Wegen "Tötung eines Wirbeltieres ohne vernünftigen Grund" und unerlaubten Waffenbesitzes hatte das Amtsgericht Weiden am 21. Juni 2011 eine Geldstrafe von insgesamt 80 Tagessätzen zu 55 Euro verhängt. Staatsanwaltschaft und Verteidigung gingen in Berufung. Der Anklage erschien das Strafmaß zu gering. Außerdem wollte sie einen dritten Waffenverstoß geahndet wissen: Im Auto des Angeklagten hatte die Polizei eine Halterung entdeckt, mit der sich ein Zielscheinwerfer aufs Gewehr montieren lässt. Beide Gerichts-Instanzen teilten die Einschätzung Scholzens, erst die Verbindung mit der Waffe mache die Universalhalterung zum verbotenen Gegenstand.

Verbotenes Nachtsichtgerät

Ein Jagdgast bestätigte die Einlassung, sie diene nur dazu, Schirme am Hochsitz zu befestigen. Nichts bemerkt hat dieser Zeuge von einer Wildschweinplage im 750 Hektar großen Revier. Die immensen Schäden hatte der Angeklagte als Grund für den Erwerb eines Nachtsichtgerätes angeführt - wohl wissend, dass es hierzulande nicht erlaubt ist. Es war im November 2010 in seinem Auto sichergestellt worden. In seiner Wohnung fand sich ein Springmesser mit 13 Zentimeter langer Klinge, das nicht in der Waffenbesitzkarte eingetragen war. Der frühere Polizist gab an, er habe es zu einer Zeit, als es noch nicht verboten war, bei einem Schießwettbewerb gewonnen und dann "im Tresor vergessen".

Den Vorwurf der Tiervergiftung wies der Jagdpächter weit von sich. Da versuche wohl jemand, ihm die Sache anzuhängen, mutmaßte er und berichtete von gelockerten Radmuttern am Auto und mutwilligen Sachbeschädigungen an Jagdeinrichtungen. Sein Jagdaufseher wusste davon aber nichts.
Nach Aussage eines Polizeibeamten, der den Fall aufnahm (Kasten), war der PI Eschenbach in den zurückliegenden Jahren die Vergiftung von elf Hunden bekannt geworden. Das Gericht hörte auch einen Nachbarn, dessen Beagle einige Wochen nach "Cindys" Tod ebenfalls Gift gefressen hatte. Einen Zusammenhang mit den anderen Fällen sah dieser Zeuge nicht, weil es nicht im Revier, sondern im Ort passiert sei.

Köder vom Feld waren am 20. Mai 2010 nicht gesichert worden. Daher konnte Prof. Dr. Dr. Hermann Ammer von der Tierärztlichen Fakultät der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität später nur den Mageninhalt der Hündin untersuchen.

Hohe Giftdosis im Magen

Außer Rehlunge und Leberwurst hatte "Cindy" eine beträchtliche Menge Carbofuran aufgenommen. Offen ließ der Toxikologe, in welcher Form das in Deutschland nie zugelassene Insektizid in den Köder gelangt war. In drei Proben aus dem Jagdhaus des Angeklagten, knapp vier Monate nach dem Vorfall entnommen, ließ sich Carbofuran nachweisen, jedoch nicht in einer für einen Hund tödlichen Konzentration. Der Beschuldigte führte die Rückstände auf gebeiztes Saatgut für Wildäcker zurück.
Staatsanwalt Dennis Herzog hielt ihm viele Widersprüche vor. Auch habe er die Aussagen der ermittelnden Beamten in Zweifel gezogen und sich selbst als Oper eines Komplotts dargestellt. Der Anklagevertreter sah den Tatnachweis erfüllt. Wegen der Hundevergiftung und unerlaubten Waffenbesitzes in drei Fällen hielt er eine Gesamtgeldstrafe von 110 Tagessätzen zu 65 Euro für angemessen. Der Verteidiger entgegnete, selten eine solche "Vermengung von Vermutungen" vorgesetzt bekommen zu haben. Der Polizei warf er "dilettantisches Vermessen" der Stiefelabdrücke vor. Er forderte Freispruch im Fall der Tierquälerei, die seinem Mandanten nicht zu beweisen sei, und für die zwei eingeräumten Waffenverstöße eine Geldstrafe von maximal 59 Tagessätzen.

Dem folgte das Gericht im Urteil. Obwohl nach Worten des Vorsitzenden Richters viel für eine Täterschaft spreche und die Fußspuren zu den Ködern im Feld offensichtlich vom Angeklagten stammten, fehle für eine Verurteilung doch der letzte schlüssige Beweis. Wegen des verbotenen Nachtsichtgeräts attestierte Sertl dem Waidmann "Uneinsichtigkeit". Trotz der vorangegangenen Durchsuchungen habe man es auf einem geladenen und schussbereiten Gewehr im Auto gefunden: "Das zeigt, dass es ihm ziemlich egal war, ob er gegen das Gesetz verstößt." Hintergrund

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