05.11.2004 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Versteigerer Peter Hämmerle animiert Bieter im Josefshaus - Erlös um 40 Prozent über den ... Jagdfieber bei Hegner-Versteigerung geweckt

von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Auch das noch: ein Versteigerer ohne Hämmerchen. "Meinen Hammer hat ein Witzbold mitgenommen" erklärt Peter Hämmerchen. Doch der Erdinger, seit über einem Jahrzehnt "im Geschäft", ist ganz Profi. Fünfeinhalb Stunden lang redet er ununterbrochen, bringt rund 800 Positionen aus dem beweglichen Vermögen der Baufirma August Hegner unter den Hammer. Er arbeitet im Auftrag von Insolvenzverwalter Dr. Steffen Goede. Und der wird ebenso strahlen wie Hämmerle selbst. Das Ergebnis liegt um 40 Prozent über den Erwartungen. Bei der Hegner-Versteigerung bot "gutes Publikum" mit.

"Kaufen sie nichts, was sie nicht selbst gesehen haben", rät er bei der kurzen Einführung. Mit "Pech gehabt" antwortet er auf die Frage eines Bieters, was passiere, wenn er bereits bezahlt habe, aber die Ware schon weg wäre. "Aber keine Sorge, bei uns geht fast nichts verloren."

Der Auktionator versteht es, sich sehr schnell Respekt zu verschaffen: "Wenn hier einer redet, dann bin ich das". Ebenso kategorisch: "Handys aus." Gekonnt weckt er das "Jagdfieber" bei den Schnäppchen-Jägern. Da verlor manch einer sehr schnell den Überblick. Erst im Foyer, wenn es ums Bezahlen ging, wurde den ein oder anderen klar, dass das vermeintliche Schnäppchen im Baumarkt auch nicht teuerer gewesen wäre. So wechselte etwa ein defekter Hochdruckreiniger - mit 25 Euro aufgerufen - für 140 Euro den Besitzer. Ein Staubsauger (ebenfalls mit 25 Euro angesetzt), war dem neuen Eigentümer sogar 220 Euro wert. Für die Garderobe aus der Hegner-Teeküche - mit zehn Euro im Verzeichnis aufgeführt - brachte 90 Euro.

Hämmerle zahlt selbst

Fast 300 Positionen umfasste die Büro- und Gebäudeausstattung. Hämmerle "reizte" die Bieter, die oft bis zum Drei-, vereinzelt sogar bis zum Vierfachen des Aufrufpreises hochtreiben ließen. Ein Eingetränkeautomat, zunächst mit 100 Euro aufgerufen, brachte 600 Euro. Konkurrenz belebt das Geschäft. Besonders begehrt: die Computer, Tischrechner, Drucker, Scanner, Plotter (von 150 auf 550 Euro) Kopiergeräte, Aktenablageschränke, Schreib- Beistell- und Trapeztische, Sideboards, Hydrokulturen. Allerdings hatte er vereinzelt auch Mühe, Gegenstände an den Mann zu bringen. So warf Hämmerle einem Bieter selbst den Euro zu, damit der ein dunkel furniertes Sideboard mitnahm.

Schrott begehrt

Ab Position 289 "kommen langsam die interessanten Sachen", kündigt der Versteigerer an, der sich mit Mineralwasser und Hustenbonbons versorgt. Und damit stiegen auch die Preise. Eine Funkampel, mit 100 Euro aufgerufen bringt 750 Euro. Die prozentual höchste Wertsteigerung verbucht die Position 687 (Thermofass, defekte Walze, Kranbetonkübel, zwei Transportwagen, diverser Schrott): Für einen Euro angesetzt, zahlt ein Liebhaber 180 Euro. Die erste "Spritzmaus" - später folgen weitere, allerdings weit weniger gefragt - lässt den Versteigerer staunen: Sie ist mit 50 Euro veranschlagt, aber stattliche 750 Euro zahlt der Ersteigerer. Ein Fallgewichtsgeräte (250 Euro) bringt 1700 Euro in die Kasse der Gläubiger.

Die Stunde der Baumaschinenhändler, der Bauunternehmer, die schweres Gerät suchen, schlägt - nach vierstündigem Warten - gegen 14 Uhr. Zu "annehmbaren Preisen" werden zunächst die Pritschen- und Werkstattwagen und Doppelkabiner, ver-steigert. Nur eine Kehrmaschine findet keinen Interessenten. Bei Radladern, Dieselstaplern, Walzenzügen, Raupen, Anhängern, Fässern, Kompressoren, Dieseltankstelle, Mobil- und Minibagger, Bobcat usw. erzielt Hämmerle deutliche Steigerungen. Für den ersten Straßenfertiger, mit 45 000 Euro ausgewiesen, legt ein Händler 63 000 Euro auf den Tisch. Einem Interessent sind die zehn Positionen Krings-Verbau mehr als das Dreifache des Aufrufpreises wert. Ebenso begehrt: die 1-Achs-Bauwägen, Materialcontainer und Anbaugeräte.

Nach fünfeinhalb Stunden ist die Liste abgearbeitet: 98 Prozent der Positionen sind verwertet. Edelsteine, Nobel-Jaguare usw. die im Anhang der Angebotsliste aufgeführt waren, wurden übrigens nicht versteigert. Diese Kostbarkeiten stehen aber bei Peter Hämmerle zum Verkauf.

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