Volker Fritz warnt vor Fracking - Auswirkungen aufs Grundwasser
Einschläferungstaktik

Ein leidenschaftliches Plädoyer gegen eine mögliche Erdgasförderung im Weidener Becken hielt Volker Fritz vom Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land. Bild: Kunz

"Wehret den Anfängen!" Es sei immer dasselbe Spiel. Anfangs beruhige der Gaskonzern Kommunen, die in den Fracking-Fokus geraten, mit Argumenten wie, es handle sich ja nur um eine "Aufsuchungslizenz" ohne weitere Konsequenzen. Später lasse sich der Erdrutsch nicht mehr aufhalten, warnte Ingenieur Volker Fritz vom Arbeitskreis Fracking Braunschweiger Land.

"Lehnen Sie den Antrag ab!" Denn sollte der Konzern wirklich fündig werden, sei das Kind bereits mit dem Bade ausgeschüttet. Nach geltendem Bergwerksrecht dürfte der Konzern nach dem Fund uneingeschränkt Gas durch Fracking fördern, sollte er im Besitz einer entsprechenden Aufsuchungslizenz sein. Und die erteile meist die Untere Wasserbehörde.

Das "Bündnis Weidener Becken gegen Fracking" hatte den Experten aus Wolfenbüttel am Mittwochabend ins Hotel zur Post geladen. Der Referent ermunterte die Mitglieder, am besten Mitstreiter aus der Wirtschaft zu finden. "Für ihre Region rate ich bei der Mineralwasserwirtschaft, den Getränkeherstellern und Brauereien anzufangen." Bei all denen, die Kapital aus sauberem Grundwasser schlagen würden.

Denn nach Fracking sei das Weidener Brunnenwesen wohl kaputt. "Nur glaubt uns das keiner." Auch hinterher habe man kaum Möglichkeiten für Regressansprüche. "Die winden sich mit fadenscheinigen Argumenten raus." Natürlich blende man anfangs mit gewissenhafter Herangehensweise und bester Technik. "Vielleicht sogar mit 30 bedeutenden Wissenschaftlern." Auf Dauer sei der Aufwand aber nicht finanzierbar.

Leichtes Spiel für Konzerne

Die Folge: "Es kommen dann Mexikaner, die ein Loch nach dem anderen in den Erdboden stampfen, ihren Lohn kassieren und dann wieder verschwinden." Das Dilemma: Gas- und Ölkonzerne hätten bei deutschen Politikern leichtes Spiel, weil es den meisten an Vorkenntnis fehle und Parteien seit nunmehr 50 Jahren von der Petro-Industrie gesponsert würden. "Irgendwann wird das natürlich eingefordert." Am Beispiel der Erdgasförderung in Altmark machte Fritz deutlich, dass dort 400 Mitarbeiter massive Vergiftungen durch Kontakt mit Quecksilber und Glykol erfahren hätten. "Es zeichnet sich übrigens ab, dass Alzheimer die Folge von Schwermetallvergiftungen ist. Im Ansatz weiß man das schon."

In Amerika seien wegen der Förderung durch Fracking die Gastanks voll. Überschüsse würden heute nach Mexiko geliefert. Das reiche aber nicht zur Preisstabilität. Deshalb habe die USA Europa im Visier. "Alles, was die jetzt machen, dient dazu, den Gaspreis in die Höhe zu treiben." Im Grunde gehe es für die Konzerne nur darum, alle globalen Gas-Ressourcen unter ihre Kontrolle zu bringen.
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