22.03.2013 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vortrag bei Rotariern - Altersgerechte Gesellschaft: Mobilität und Pflege im Blickpunkt "Ich bin, wie mobil ich bin"

"Ich bin, wie mobil ich bin", stellte Professor Dr. Franz Magerl von der HAW Amberg-Weiden als Kernaussage in den Mittelpunkt seines Vortrags zum Thema altersgerechte Mobilität. Eingeladen hatte in den Rathaussaal der Rotary Club Weiden mit Präsident Wolfgang Wies zum vierten Vortrag über den demografischen Wandel.

von Siegfried BühnerProfil

"Es ist noch ein weiter Weg, bis Autos und Städte in Deutschland seniorengerecht sind." Die Japaner seien weiter: "Sie werben aktiv für das seniorengerechte Auto, während man bei uns am dynamisch-sportlich-aktiven Autoimage festhält." Altersgerechte Assistenzsysteme würden selten als solche bezeichnet, sondern als Sonderausstattung in der Oberklasse oft unter englischem Namen angeboten. Japaner werben dagegen offen bei Senioren für Autos mit drehbaren Beifahrersitzen oder Nachtsicht- und Fahrspurassistenten, vergrößerten Spiegeln oder niedrigen Ladekanten. Den Nothalteassistenten für Herzinfarkts gäbe es bei uns nur im Lkw.

Magerl wollte das Thema nicht auf das Auto begrenzt sehen. Vielmehr gehe es um die gesamte städtische Infrastruktur: um Barrierefreiheit, Wegebeläge, Bordsteinkanten, Ampelphasen, Ruhebänke oder Fahrscheinautomaten. Viele Senioren wollen getrennte Rad-und Fußwege, wettergeschützte Warteräume, mehr Tempolimits und weniger Schilderwald. Magerl riet zu Befragungen.
Über Demografie und Gesundheit referierte AOK-Direktor Jürgen Spickenreuther. Auch er formulierte viele Hausaufgaben für unsere Gesellschaft. Über Hausarztmangel würde ja schon gesprochen. Zentrale Bedeutung habe der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Trotz der rund 5 Millionen Beschäftigten rechnen Analysten bis 2030 mit einem Personaldefizit von 950 000. Zuwanderung und vermehrte Ausbildung wären mögliche Hilfen. Spickenreuther empfahl weiteren Strukturwandel "zur Vernetzung und klaren Profilierung" der einzelnen Einheit.

Eindeutige Kritik kam an der "Angebotsorientierung der Kliniken" mit dem Hinweis, dass in Bayern auf 100 000 Einwohner rund 500 Wirbelsäulenoperationen kämen, anderswo nur die Hälfte. Zusatzbedarf sieht Spickenreuther zukünftig eher in der stationären Pflege, weniger in der Krankenhausbehandlung. Ursachen für die steigenden Gesundheitskosten lägen eher in der Medizintechnik und weniger in mehr Behandlungsbedürftigkeit durch steigende Lebenserwartung. Noch würden 70 Prozent der Pflegebedürftigen zuhause gepflegt. "In der Zukunft muss es mehr Arrangements geben, um Pflege und Berufstätigkeit der Angehörigen zu koordinieren." Schließlich ist der AOK-Chef der Meinung, "mehr Geld wird es nicht geben, und Personalmangel im Gesundheitswesen ist nicht über Geld lösbar".

Etwas anderer Meinung war in der Diskussion darüber Klinikvorstand Josef Götz, der mehr Mittel für das Gesundheitswesen fordert, "auch um den Pflegeberuf attraktiver zu machen". Während früher auf eine Ausbildungsstelle 5 bis 6 Bewerbungen kamen, errechne sich jetzt ein Faktor von 1,2.

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