01.03.2010 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vorwurf: 103 Patienten zu großzügig Methadon überlassen: Geschäft mit Drogen: Arzt vor Gericht

von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Seine Approbation ruht. Von Patienten mit Drogenproblemen muss er die Finger lassen. Ab 21. Juni hat sich ein 43-jähriger Arzt aus Weiden wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Betrugs und fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten. Die Erste Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Bernhard Ring hat nun die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft unverändert zur Hauptverhandlung zugelassen.

Nach der Anklage soll der Arzt vom Mai 2006 bis zum 9. April 2008 insgesamt 75 Patienten in 1524 Fällen Methadon in überwiegend mehrtägigen Rationen nach Hause mitgegeben haben, obwohl die Voraussetzungen für eine "Take-Home-Verordnung" nicht vorlagen und diese auch nicht vom Arzt selbst hätte erfolgen dürfen. Durch die nach dem Anklagevorwurf fehlerhafte Abrechnung seiner Behandlungen soll der Angeklagte insgesamt ca. 42 000 Euro an Arzthonoraren betrügerisch erlangt haben.

Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, nach Praxis-Durchsuchung am 9. April 2008 die Methadonabgabe "unter Überschreitung des ärztlichen Beurteilungsspielraumes" bei 28 Patienten in 1652 Fällen fortgesetzt zu haben. Dabei habe er zum Beispiel eine ärztlich nicht vertretbare Tagesdosis festgelegt, die zumindest teilweise von den Patienten aus der Praxis geschmuggelt worden sein soll.
Bei einem Patienten soll die überhöhte Tagesdosis zu einer Atemdepression mit Bewusstlosigkeit auf dem Heimweg geführt haben, die eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich gemacht haben soll.

Die Anklage wirft dem Arzt unerlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln in 1524 Fällen vor. Hinzu kommen unerlaubte Verbrauchsüberlassung von Betäubungsmitteln in 1652 Fällen, davon einmal in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung sowie Betrug in sieben Fällen. Die Staatsanwaltschaft geht dabei von gewerblichem Handeln (zur Schaffung einer Einnahmequelle durch Erweiterung des Patientenstamms) aus.

Die Erste Strafkammer hat zwölf Verhandlungstage vom 21. Juni bis 15. Juli angesetzt. Es sind 68 Zeugen und drei Sachverständige geladen.

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