28.01.2010 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Waltraud Witteler spricht im Maria-Seltmann-Haus zur neuen Volkskrankheit- Experte aus Weiden Fast alles über Allergien

Das Thema Allergie betrifft immer mehr Menschen. Kein Wunder, dass der Vortrag, den Waltraud Witteler im Maria-Seltmann-Haus hielt, gut besucht war. Für die Apothekerin und Kräuterexpertin gab es aber noch einen weiteren Grund sich mit dem Thema zu beschäftigen: Lokalpatriotismus.

Das beste Gegenmittel ist es, die Ursache der Allergie zu meiden. Waltraud Witteler weiß aber, dass dies natürlich leichter gesagt als getan ist. Bild: wil
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

"Der europaweit führende Experte auf dem Gebiet der Lebensmittelallergien, Privatdozent Dr. Martin Raithel, ist ein gebürtiger Weidener", verriet Witteler ihren Zuhörern. Außerdem habe mit Dr. Karl Schröder ein weiterer Experte lange Jahre in Weiden praktiziert, im Weidener Synlab-Labor sei überdies der weltweit führende Test bei Lebensmittelallergien entwickelt worden.

Lebensmittel- und Pflanzenallergien standen dann auch im Mittelpunkt des Vortrags. "Andere Allergien laufen so mit", erklärte Witteler bei der Einführung zum Thema, bei dem sie zunächst auf die häufigsten Ursachen einging. Dies seien Katzen und Kaninchen, seltener aber Hunde.

Tückisch sei auch Schimmel, da dieser sich regional unterscheide. "Wer in Weiden allergisch reagiert, ist in einem anderen Ort vielleicht nicht betroffen", so Witteler. Eine Rolle spiele auch das Thema Hygiene. "Zu viel Hygiene ist aber genauso schlecht wie zu wenig." Wenn das Immunsystem nicht genug gefordert werde, reagiere es überempfindlich.
Als Grund für die Zunahme der allergischen Reaktionen führte Witteler zunächst den Klimawandel an, der zu einer Verstärkung der Pollenproduktion führe. Doch auch der weltweite Handel habe Einfluss. Der zunehmende Warenaustausch setze den Körper neuen Stoffen aus. Häufig werde auch die Gentechnik angeführt, doch hier gab sich Witteler skeptisch. "Die neuen Stoffe werden auf allergene Wirkung getestet." Ein japanischer Wissenschaftler arbeite sogar an allergiefreien Pflanzen.

Auf jeden Fall behandeln

Im Körper seien Allergien ein Fehlverhalten des Immunsystems. Es reagiere zu stark auf die Stoffe. "Beim ersten Kontakt passiere deshalb auch nichts." Erst wenn das Immunsystem "seine Gegenarmee" gebildet habe, kommen die Reaktionen. Und die müssen auf jeden Fall behandelt werden, auch wenn sie zunächst nicht schlimm erscheinen. Denn häufig verschlimmern sie sich mit der Zeit. Aus einer Bronchienreizung werde so schnell allergisches Asthma.

Problematisch sei häufig, die allergischen Reaktionen als solche zu erkennen. "Allergien haben verschiedenste Auswirkungen", so Witteler. Sie können hinter Hautekzemen genau so stecken wie hinter Blähungen oder Durchfall. Allerdings können auch andere Organe als der Darm von Lebensmittelallergien betroffen sein, etwa die Blase. Auch auf die Psyche wirken sie sich aus. Müdigkeit ist dabei noch ein kleineres Problem. Auch Depressionen oder Alkoholmissbrauch haben oft mit der Reaktion des Körpers auf gewisse Stoffe zu tun.

Ritalin oft nicht nötig

Bei Kindern nannte Witteler Hyperaktivität und das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS). "Es muss nicht immer Ritalin verabreicht werden." Oft reiche es, die Allergie als Ursache zu bekämpfen.

Zum Abschluss diskutierte Witteler mit den Zuhörern. Vor allem zu Kreuzallergien gab es viele Fragen. Witteler erklärte etwa, dass Menschen, die auf Frühpollen wie Haselnuss oder Erle reagieren, oft auch Probleme mit Äpfeln haben. Die Allergene seien ähnlich und der Körper unterscheide nicht. Bei Äpfeln gebe es allerdings oft eine Abhilfe. Nach dem Kochen verschwinden die allergenen Wirkung.

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