31.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weiden. Der Herr der Pflanzen

Prof. Dr. Maximilian Weigend. Bild: hfz/Volker Lannert
von Redaktion OnetzProfil

(ps) Die Natur - insbesondere die Flora - hat es ihm schon immer angetan. Das belegen die beiden ersten Preise, die Professor Dr. Maximilian Weigend 1987 und 1989 als "Keplerianer" gewann. "Irgendwie schief gelaufen - Versuch einer Umweltchronik für Weiden" lautet der Titel einer der beiden preisgekrönten Wettbewerbsarbeiten für die Körber-Stiftung. "Damals habe ich verglichen, wie viele Lebensräume aufgrund von Infrastruktur- und anderen Maßnahmen in Weiden zwischen 1953 und 1989 verschwunden sind", erinnert er sich. Es war eine ganze Reihe.

Inzwischen hat der 44-Jährige - geboren in Erbendorf, aufgewachsen in Weiden - Karriere gemacht: Maximilian Weigend ist Professor für Biodiversität der Pflanzen an der Universität Bonn und leitet zugleich die zur Uni gehörigen Botanischen Gärten. Die Forschung nimmt in seiner Arbeit breiten Raum ein. Als Hochschullehrer betreibt er unter anderem eine Arbeitsgemeinschaft für Systematik und Pflanzengeografie. Untersucht wird unter anderem die molekulare Systematik, das heißt die Verwandtschaftsbeziehungen der Pflanzen werden anhand des genetischen Codes erforscht. Auch das Klassifizieren noch unbekannter Pflanzen gehört dazu. "In unserem Labor landen Pflanzenproben aus aller Welt", erzählt Weigend.

Auf seinen Forschungsreisen hat der Wissenschaftler selbst schon neue Pflanzen entdeckt: zum Beispiel 6 bis 7 bis dahin unbekannte Johannisbeer-Arten, die in den Anden auf über 3500 Meter Höhe wachsen. "Das läuft vor Ort tatsächlich so, wie man es sich vorstellt", schmunzelt der 44-Jährige. "Man fährt mit dem Geländewagen in die Prärie, sucht Pflanzen, presst sie und legt ein Herbarium an. Die Aufarbeitung erfolgt dann in Bonn." Einige Passionsblumen hat der Wissenschaftler ebenfalls entdeckt. "Wir arbeiten außerdem auf weltweiter Basis mit Brennnesseln, beschreiben neue Arten und erforschen die medizinischen Aspekte." Erst kürzlich ist darüber eine Publikation erschienen.

Maximilian Weigend - er ist übrigens der Sohn des früheren Kepler-Lehrers Horst Weigend - studierte an der Uni Regensburg und der University of Natal/Pietermaritzburg (Südafrika), promovierte in München, ging - finanziert durch ein Postdoc-Stipendium - an den New York Botanical Garden und war anschließend mehrere Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent an der Freien Universität in Berlin tätig. 2011 erfolgte der Ruf nach Bonn, wo er seitdem mit seiner Frau Katja sowie den Kindern Iris und Jasper lebt.

Für eigene Forschungsreisen und Feldversuche bleibt seitdem kaum Zeit. Das übernehmen seine Doktoranden und Praktikanten. "Nur einmal im Jahr versuche ich, mir diesen Luxus zu gönnen." Für November hat Weigend eine Reise nach Peru geplant. Dort gibt es immer noch viel zu entdecken. Die von ihm geleiteten Botanischen Gärten verfügen übrigens über die viert- oder fünftgrößte Pflanzensammlung in Deutschland. "Wir haben rund 11 000 Arten aus allen Teilen der Welt." Die Einrichtung betreibt zudem Forschung für die Pharmazie, die Medizin, die Landwirtschaft und Ernährungswissenschaften. Und sie betreibt aktiven Artenschutz, indem sie seltene Pflanzenexemplare verwahrt, vermehrt und wieder aussiedelt.

Nach Weiden kommt der Professor nur noch selten. "Für einen Wochenendtrip ist die Strecke zu weit", bedauert er. Ab und zu klappt es aber doch: "Im Sommer waren wir auf Urlaub bei meinen Eltern und in Schwandorf."

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