11.02.2010 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weidens Wintersportler fiebern Olympischen Spielen in Vancouver entgegen Deutsche Tugenden sollen's richten

Es kribbelt. In und um Vancouver fallen schon in rund 80 Stunden die ersten Entscheidungen der 21. Olympischen Winterspiele. Die Vorfreude ist aber nicht nur an Kanadas Westküste riesig, auch im gut 8200 Kilometer entfernten Weiden fiebern die Sportfans.

von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Zumal das Wetter in der Oberpfalz derzeit wesentlich besser zum Wintersport passt als in Vancouver, wo sonnige zehn Grad eher Frühlingsgefühle aufkommen lassen.

Doch Weidens Wintersportfans brauchen wohl keine Angst vor Absagen zu haben, die Freiluftwettbewerbe finden vor allem im schneesicheren Whistler Mountain, 120 Kilometer nördlich von Vancouver, statt. Dem TV-Vergnügen steht also nichts im Weg - außer der Zeitverschiebung. Vancouver hinkt unserer Zeit neun Stunden hinterher. Ärgerlich ist dies fürBirgitt Götz. Die interessiert sich - wie es sich für die Eiskunstlauf-Abteilungsleiterin des 1. EV Weiden gehört - vor allem für Eishockey und Eiskunstlauf. Zwei Wettbewerbe, die fast ausschließlich Mitten in der deutschen Nacht stattfinden.

"Ich werd den Videorekorder programmieren und die Ergebnisse im Internet nachlesen", sagt Götz, die um 4:30 Uhr zur Arbeit aufstehen muss. Das Interesse lohnt sich aber auf jeden Fall, ist sich die Expertin sicher. Denn im Paarlauf hat Deutschland mit Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy zwei heiße Eisen im Feuer (Entscheidung: 16. Februar, 2 Uhr MET). "Bei den anderen Eiskunstlaufwettbewerben ist die Konkurrenz für die Deutschen schon sehr groß", tippt Götz. Ähnlich sehe es im Eishockey aus.

Rodler als sichere Bank

Ohne Videorekorder möchte Herbert Tischler auskommen. Der Vorsitzende des Stadtverbands für Leibesübungen schaut an, was ihn interessiert und wenn das spät nachts kommt, "dann bleib ich eben wach", sagt er. Auf Medaillen hofft er vor allem im Biathlon und bei den alpinen Skiwettbewerben. Auch die Rodler seien eine sichere Bank (Herrenentscheidung: 14 Februar ab 22 Uhr, Damenentscheidung: 16. Februar ab 22 Uhr). Außerdem setzt Tischler auf die deutschen Tugenden: "Wenn es um Medaillen geht, sind die Deutschen da." Das sei wie bei der Fußballweltmeisterschaft. Erste Anzeichen hat Tischler schon bemerkt: "Die deutschen Skispringer sind jahrelang hinterhergesprungen. Und dann gewinnen sie den letzten Teamwettbewerb vor der Olympiade."

Etwas weniger zuversichtlich istFlorian Zellner bei der deutschen Eishockeymannschaft. Der Kapitän der Blue Devils glaubt, dass es schon eine "große Überraschung" wäre, wenn die deutschen Cracks um die Medaille mitspielen könnten. Doch Zellners Stimmung hängt nicht von den Eishockey-Ergebnissen ab. "Alles" lautet dann auch seine trockene Antwort auf die Frage, was ihn besonders interessiere. Dank einer Urlaubswoche hat er relativ viel Zeit, die er vor dem Fernseher verbringen kann. Besonders dick hat er sich die Termine für das Ski-Cross angestrichen (Männer, 21. Februar, 18.15 Uhr; Frauen, 23. Februar, 19.30 Uhr). Bei diesem neuen Wettbewerb "gibt es richtig Action", freut er sich.

Am liebsten Biathlon

Eher für die klassischen olympischen Disziplinen interessiert sich Sabine Weiß. Natürlich fiebert die Organisatorin der TB-Skiabteilung den alpinen Ski-Wettbewerben entgegen (erster Wettbewerb: Herrenabfahrt, 13. Februar, 20:45 Uhr). "Noch mehr interessiere ich mich aber für Biathlon", verrät sie.

Eine gute Wahl, denn diese Wettbewerbe werden fast alle zur besten Sendezeit zwischen 19.30 und 22 Uhr übertragen (Erster Biathlon-Wettbewerb: 13. Februar, 22 Uhr). Zur besten Sendezeit kommt die beste Sendequalität, denn im Wohnzimmer der Weiß' steht ein neuer Fernseher. Das Gerät haben sich eigentlich die Kinder erquängelt, doch zu den Spielen kommt es auch den Eltern gerade recht. Auf dem größeren Bildschirm sollen die Medaillen der deutschen Sportler besonders funkeln. Am ehesten traut Weiß den Biathleten fette Beute zu.

Damit stimmt sie mit Hans Hiermaier überein. Der Stadtrat hat in seiner Bundeswehrzeit Biathlon selbst aktiv betrieben und später als Trainer gearbeitet. Noch heute hat er Fachzeitschriften abonniert. Man darf ihm also glauben, wenn er feststellt, dass die Form der Biathlon-Damen in den letzten Wochen stark nach oben zeigte. "Aber auch bei den Männern gab es Fortschritte."
Doch alleine mit Biathlon gibt sich Hiermaier nicht zufrieden. "Ich bin unwahrscheinlich interessiert", sagt er, "an fast allem". Als heiße Medaillen-Tipps hat auch er die alpinen Skiläufer um Maria Riesch auf der Rechnung. "Auch Felix Neureuther ist gut in Form gekommen." Für Hiermaier steht fest, dass sich das deutsche Team nicht um Erfolge sorgen muss. Aus seiner Sicht ist im Medaillenspiegel ein Platz unter den ersten drei Nationen sicher.

Um möglichst viele Erfolge mitzubekommen, wird der begeisterte Langläufer während der Spiele wohl mehr Zeit vor dem TV-Gerät als in der Loipe verbringen. Um es nicht zu übertreiben hat er sich aber selbst ein Zeitlimit gesetzt. "Was nach Mitternacht kommt, lass' ich weg."

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