17.08.2014 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weit über dem Bayern-Schnitt - Menschen mit Handicap Herausforderung für Stadt und Staat Jeder siebte Weidener ist behindert

Viel Arbeit gibt es für Alexander Grundler, den Behindertenbeauftragten der Stadt Weiden. Auch alle anderen Organisationen, die sich in Weiden um Schwerbehinderte kümmern, wissen jetzt, warum sie einen so großen Zulauf haben: Fast jeder siebte Einwohner Weidens gehört nämlich zum Personenkreis der Schwerbehinderten. Bayernweit ist dies nur circa jeder 11. Die Prozentzahlen lauten 13,8 Prozent für die Stadt Weiden und 9,0 Prozent für Bayern insgesamt.

Vorbildlich aber längst nicht selbstverständlich: barrierefreier Zugänge wie hier am Neuen Rathaus. Bild sbü:
von Siegfried BühnerProfil

Das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung hat jetzt Zahlen für das Jahr 2013 über Schwerbehinderte veröffentlicht. Fachleute zeigten sich überrascht. Bekannt waren diese Zahlen bisher nämlich nur wenig.

So konnte das für die Anerkennung der Schwerbehinderten-Eigenschaft zuständig Integrationsamt in Regensburg zwar noch weitere Detailzahlen über Schwerbehinderte in Weiden und ihre Behinderungsarten liefern. Die hohen Zahlen konnte aber auch Michael Neuner, Sprecher des "Zentrum Bayern für Familie und Soziale/Integrationsamt" aus Bayreuth, nicht erklären.

Der Integrationsfachdienst Bayern mit seiner Außenstelle in Weiden beschäftigt sich nur mit beruflichen Fragen von Schwerbehinderten. Dort sprechen die vielen älteren Betroffenen aber nicht vor. Weniger überrascht zeigt sich Waltraud Balk vom Sozialverband VdK in Weiden. "Im letzten Jahr hatten wir 966 Beratungen. Die Anliegen der Schwerbehinderten sind unser täglich Brot."

Kaputt gearbeitet

Viel über die Ursachen der großen Zahl von Schwerbehinderten in Weiden weiß Alexander Grundler. Für ihn gibt es hauptsächlich zwei große Ursachengruppen. "In der Vergangenheit haben viele Arbeitnehmer in Weiden schwere körperliche Arbeit verrichtet." Porzellan, Glas und Bauwirtschaft nennt er als Beispiele diese Branchen, deren ehemalige Arbeitskräfte heute noch lebten und sehr häufig körperliche Gebrechen aufwiesen. Und ein zweites Ursachenbündel nennt Grundler: Schwerbehinderte ziehen häufig zusammen mit ihren Familien nach Weiden, weil sie im HPZ Irchenrieth und in anderen Betreuungseinrichtungen sehr gut versorgt werden. Integrationsfirmen beim Werkhof der Diakonie oder die Integra im Gewerbegebiet Brandweiher, aber auch das sozialpädiatrische Zentrum am Klinikum und die Dr. Löw'schen Einrichtungen sind für Grundler einige positive Beispiele.

Viele Depressionen

Er erlebt in seiner Beratungstätigkeit eine starke Zunahme von psychisch bedingten Behinderungen und Depressionen als Folge der Veränderungen in der Arbeitswelt, so Grundler. Insoweit haben den Behindertenbeauftragten die neuesten statistischen Zahlen über Schwerbehinderte wenig überrascht. Darin ist zum Beispiel aufgeführt, dass in Weiden 5815 Schwerbehinderte leben (Amberg 5014) und dass darunter 60 Prozent bereits 65 Jahre und älter sind.

Das Integrationsamt Regensburg nannte hierzu für Weiden drei große Gruppen von "Hauptbehinderungen": Bewegungsapparat (27 Prozent), innere Organe (25 Prozent) und Gehirn/Psyche mit 23,5 Prozent. Für Architekten und Stadtplaner muss das Thema Barrierefreiheit und behindertengerechte Gestaltung öffentlicher Einrichtungen in Weiden ganz neue Dimensionen bekommen.

Wer allerdings eine hohe Schwerbehindertenzahl für Weiden auch in der Arbeitslosenstatistik erwartet, findet dort dafür keine Bestätigung. Der Anteil arbeitsloser Schwerbehinderter an allen Arbeitslosen beträgt 9,1 Prozent (absolut 147 im Mai 2014), bayernweit 9,2 Prozent.

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