Wolfgang und Christine Stöckl "unter der Leselampe" - Beide waren Weltklasse-Schützen
Spitzensportler mit Handicap

Vom Laufband bis zum Hantel-Training: Die Bewohner des Sindersberger-Altenheims machten sich fit für den Besuch der Stöckls. Wolfgang (rechts) und Christine Stöckl (Dritte von links) brachten auch Tochter Alea (rechts daneben) mit. Der Familienvater versprach einen weiteren Besuch - zumal er seine erste Trainerin Luise Werner wiedertraf. Bild: hfz
Lokales
Weiden in der Oberpfalz
04.05.2013
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Licht aus - Leselampe an! Davor hatten sich "Putzperle Huber" (alias Gerlinde Kledtke) und die Senioren des Sindersberger-Altenheimes einem anspruchsvollen Ausdauertraining unterzogen. Sie wollten sich dem Paralympics-Teilnehmer Wolfgang Stöckl und der Sportschützin Christine Stöckl topfit präsentieren.

Beide sind seit 2003 verheiratet. Tochter Alea wollte den Auftritt vor Senioren auf keinen Fall verpassen. Als Überraschung musste sie sich einem harten "Hubertraining" mit Softballwurf und Holzgewehrschießen unterziehen.

Wolfgang Stöckl erzählte ganz offen von seinem Verkehrsunfall im Alter von eineinhalb Jahren, bei dem er seinen linken Oberarm verloren hatte. Mit ganz viel Geduld und Ausdauer konnte er sein Gleichgewichtssinn wiederherstellen. Mit 13 Jahren begann er als Sportschütze mit dem Luftgewehr seine sportliche Laufbahn. Unzählige Erfolge auf Landes-und Bundesebene führten ihn 1996 in die Nationalmannschaft. Nach Sydney 2000, wo er seinen größten sportlichen Triumph mit der Silbermedaille bei den Paralympics erzielte, folgten noch zwei Goldmedaillen bei der WM in Seoul mit der Mannschaft, ehe er sich nach den Paralympics von Athen vom Schießsport verabschiedete. Ein Erlebnis mit einem Radprofi, der ein noch größeres Handicap hatte, beeindruckte ihn so, dass er beschloss: "Das kann ich auch!"
Sein größter privater Triumph war seine "Liebe auf den ersten Blick" - Christine. Sie hatte mit 20 Jahren einen Motorradunfall und musste mit einer Armlähmung nun ihr Leben meistern. Wie sie das schaffte, erzählte sie eindrucksvoll den vielen Zuhörern. Der Schießsport wurde ihre Leidenschaft. Der "Nominierungsentzug" 2008 zu den Paralympics in Peking gehört wohl zu den schlimmsten Enttäuschungen ihres Lebens. Ihr immenser Trainingsaufwand lohnte sich dennoch. Die Sportlerin von "den königlich privilegierten Feuerschützen" holte sich Doppelgold bei den Bayerischen Meisterschaften der körperbehinderten Sportschützen in München.

Das Paar ist bei der Stadt Weiden in Teilzeitstellungen beschäftigt. Die Teilnahme von Wolfgang Stöckl am härtesten Radrennen der Welt, "Race Across America" (RAAM) 2012, habe wieder einmal gezeigt, dass der Glaube Berge versetzen kann. Beide bezeichneten sich nun, am Ende ihrer sportlichen Karrieren, als "Rentner". Ihr Wissen geben sie an junge Sportler weiter. Wie viel Power noch in ihnen steckt, zeigten sie beim traditionellen "Sindersberger-Löwenschrei" und dem Sitztanz mit den begeisterten Bewohnern.
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