18.04.2007 - 00:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Zu Gast bei den 23. Weidener Literaturtagen: die Schriftstellerin und Journalistin Julia Kröhn ... Österreich ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild

Genau recherchierte Historische Romane sind die Spezialität von Julia Kröhn (geboren 1975 in Linz). Seit ihrem fünfzehnten Lebensjahr dem Schreiben verfallen, studierte sie Geschichte, Philosophie und Theologie an der Universität Salzburg. "Die Chronistin" ist nach "Engelsblut" ihr zweiter historischer Roman und handelt im Paris des 13. Jahrhunderts.

Julia Kröhn. (Foto: Matthias Tunger)
von Redaktion OnetzProfil

Julia Kröhn arbeitet als freie Redakteurin bei der Katholischen Fernseharbeit der Deutschen Bischofskonferenz Frankfurt/Main und nimmt an der zweiten Kollektivlesung, am 12. Mai (20 Uhr), in der Regionalbiblitohek teil. Die Kulturredaktion sprach mit der Autorin über das Thema der 23. Weidener Literaturtage "Österreich - wie es ist".

Wie sehen Sie Ihr Land im europäischen Kontext?

Kröhn: Ich habe mehrere Länder Europas sehr gut kennen gelernt, habe viel Zeit in Frankreich, Italien und vor allem in Deutschland verbracht. Im Vergleich zu diesen Ländern trifft für mich bei Österreich die Umschreibung "klein, aber fein" zu. Ich halte die Lebensqualität in Österreich für ausgesprochen hoch; in vielerlei Hinsicht kann Österreich diesbezüglich durchaus als Vorbild gelten. Zugleich hoffe ich natürlich, dass Österreich bei anderen Themen - da denke ich insbesondere an frauenpolitische Fragen - nicht den Anschluss verpasst. Aufgrund seiner geographischen Lage sollte Österreich meiner Meinung nach eine wichtige Rolle spielen, gerade im Dialog zwischen Osten und Westen. Das wiederum erfordert ein hohes Maß an Interesse und Einsatz für internationale Belange, die über das eigene Land hinausgehen. Nach meinem Eindruck gibt es diesbezüglich - mentalitätsbedingt - noch ein Defizit.

Einige Ihrer künstlerischen Kollegen haben ein etwas distanziertes Verhältnis zu Österreich. Wie ist Ihre Position?

Kröhn: Ich lebe seit vielen Jahren vor allem in Deutschland, auch wenn ich immer wieder sehr gerne nach Österreich zurückkomme. Das hat meine Perspektive auf das Land verändert, vielleicht etwas "neutralisiert". Wenn ich länger keine österreichischen Medien konsumiere und dann wieder eine Zeitung lese oder ORF schaue, bin ich oft sehr verwundert, wie manche - rein österreichische - Themen extrem aufgebauscht werden. Ich wünsche mir eine kosmopolitischere, weltoffenere Geisteshaltung. Manches von dem, was oft als typischer Ausdruck der österreichischen Mentalität gilt, ist mir sehr fremd und auch unlieb: Als Beispiel nenne ich hier das so genannte "Mauscheln", diese Tendenz, etwas nicht offen und klar, sondern hinter dem Rücken anderer auszusprechen bzw. auszutragen. Da würde ich mir oft mehr Nüchternheit und Sachlichkeit wünschen.

Der Begriff Österreich steht für viele für Sacher-Torte, Mozartkugel, Wiener Schnitzel und Heuriger ... und für Sie?

Kröhn: Gerade wenn man viel Zeit im Ausland verbringt, neigt man dazu, manches aus seiner Heimat zu verklären. Was etwa die erwähnten Mehlspeisen anbelangt, so war ich nie ein besonderer Fan davon. Werde ich jedoch in Deutschland darauf angesprochen, betone ich häufig, dass man eine richtige Sachertorte oder einen richtigen Kaiserschmarrn eben nur in Österreich bekommt. Es ist sicher so, dass man bestimmte Dinge erst vermisst, wenn man sie nicht permanent zur Verfügung hat. Im Übrigen habe ich erlebt, dass Österreich von vielen Menschen im Ausland als wunderschönes Urlaubsland assoziiert wird.

Gibt es eine typisch österreichische Literatur?

Kröhn: Ich halte wenig von einer solchen Klassifizierung von Literatur. Das hat viel mit Klischees zu tun, über die sich meines Erachtens gerade die Kunst hinwegsetzen sollte. Wenn ich an konkrete Beispiele österreichischer Literatur denke, so empfinde ich häufig, dass die Reflexion über das eigene Land darin selten sachlich verläuft, sondern oft von einem ironischen, zynischen, manchmal sogar ärgerlichen Grundton getragen ist.

Was ist an Ihren Büchern österreichisch geprägt?

Kröhn: Bis auf meinen Roman "Engelsblut" spielen meine Bücher vor allem in Frankreich, haben mit Österreich auf den ersten Blick also gar nichts tun. Allerdings: Mein Interesse für Geschichte und für das Genre "Historischer Roman", unter das meine Bücher fallen, rührt vielleicht von der Präsenz von dem vielen "Alten", den Zeugnissen einer langen Geschichte, wie sie gerade in Österreich viele Stadtbilder prägen, so auch in Salzburg, wo ich viele Jahre meines Lebens verbracht habe. Gerne wird mit Österreich eine Art "antiquierter, rückwärtsgewandter, fast schon morbider Flair" assoziiert - und das ist sicher eine Geisteshaltung, die mir sehr nahe ist und die in meinen Romanen durchschlägt.

Woran schreiben Sie gerade?

Kröhn: Ich schreibe gerade an einem neuen historischen Roman; er spielt im 9. Jahrhundert und gibt Einblick in die Epoche der Karolinger.

Woraus werden Sie lesen?

Kröhn: Ich werde aus meinem Historischen Roman "Die Regentin" lesen, der im Mai 2007 beim btb-Verlag erscheint.

Was erwarten Sie von den Weidener Literaturtagen?

Kröhn: Ich habe vor vielen Jahren ein mehrmonatiges Praktikum in Weiden absolviert, deswegen ist mir die Stadt nicht fremd. Ich freue mich darum sehr auf ein Wiedersehen mit vertrauten Orten. Und natürlich hoffe ich, mich mit vielen anderen Autorenkollegen austauschen zu können, worauf ich auch sonst viel Wert lege.

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