15.09.2017 - 20:44 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Abgeordneter Bosbach erwartet Kopf-an-Kopf-Rennen bei Bundestagswahl "Große Koalition zerreißt SPD"

Im Juli hat er die Talkrunde bei Sandra Maischberger im Streit mit Jutta Ditfurth vorzeitig verlassen. Am Donnerstagabend beim Talk mit Albert Rupprecht in der Max-Reger-Halle besteht diese Gefahr nicht. Dafür fühlt sich Wolfgang Bosbach bei der CSU viel zu wohl.

Die Abgeordneten Bosbach und Rupprecht vertreten viele ähnliche Positionen: bei Ehe für alle, Flüchtlingen und Griechenland-Paket. Zur Kanzlerin sagt der Oberpfälzer, Merkel sei "gnadenlos gut". Sie habe aber in Sachen Flüchtlinge und Euro auch Fehler gemacht.
von Volker Klitzing Kontakt Profil

Und die CSU-Basis fühlt sich bei ihm wohl. Nach seiner mit Anekdoten, unerwarteten Wendungen und Pointen gespickten Wahlkampfrede umjubeln ihn die rund 250 Besucher mit stehenden Ovationen.

Bosbach berichtet von gut besuchten Veranstaltungen. Er könne auch keine Politik-Verdrossenheit feststellen, wohl aber eine Politiker-Verdrossenheit. In den zehn Tagen bis zur Wahl könne noch viel passieren. Er fordert Einsatz bis zum letzten Tag und sagt ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. Erstmals seit 50 Jahren werden dem Bundestag sieben Parteien angehören, die sechs Fraktionen bilden. Und wenn es für Schwarz-gelb nicht reicht, wohl aber für Rot-Rot-Grün, dann würde die SPD das machen. Im Fall einer erneuten großen Koalition würde es die SPD zerreißen, glaubt Bosbach.

Nachdrücklich spricht er sich gegen eine Aufnahme der Türkei in die EU aus. Es sei schon ein Fehler gewesen, die Beitrittsverhandlungen überhaupt zu beginnen. Die Geschichte zeige, dass alle großen Reiche an ihrer Größe zerbrochen seien. "Die EU muss in Europa bleiben." Kein Problem in Deutschland seien die 4,6 Millionen Muslime, wohl aber die 40 000 Islamisten und die 10 000 Salafisten. Alle müssten nach der gleichen Recht- und Werteordnung leben, fordert der langjährige Sprecher im Innenausschuss. "Und das kann nur unsere sein." Und weiter: "Wer nach Deutschland kommt und glaubt, nach den Regeln der Scharia leben zu können, der ist hier fehl am Platz." Bosbach wisse, dass er sich mit folgender Aussage keine Freunde im Kanzleramt mache: "Den Satz, dass der Islam zu Deutschland gehöre, kann ich nicht unterschreiben."

Der 65-jährige Rheinländer, der nach 23 Jahren nicht wieder für den Bundestag kandidiert, betont, dass kein Land über eine unbegrenzte Integrations- und Aufnahmekraft verfüge. Sein Heimatort Bergisch-Gladbach etwa habe mehr Flüchtlinge aufgenommen als Portugal. "Mehr geht nicht."

In der Fragerunde will Horst Schellkopf (Windischeschenbach) wissen, warum die CDU soweit nach links gerückt sei. Als 200-prozentiger CSUler würde er dort nicht Mitglied sein. Bosbach verweist auf wechselnde Mehrheiten, Man müsse aber in der Fraktion und in der Partei kämpfen und nicht gegen die Partei.

Stefan Rank (Weiden) fragt, wo Deutschland nach weiteren vier Jahren Merkl stehen werde. Bosbach zeigt sich sehr optimistisch. "Wir haben eine große Chance auf Vollbeschäftigung." Und er hoffe, dass die Krisenherde weltweit nicht mehr werden. Zu Problemen der CDU mit der Flüchtlingsfrage merkt Bosbach an, dass Kurskorrekturen Politikern immer schwer fallen würden.

Zitate von Wolfgang Bosbach

"Ich werde gern als Querkopf oder Rebell bezeichnet. Dabei neige ich dazu überhaupt nicht. Ich stehe nur zu meiner Meinung."

"Wenn es mir bei der CDU zu heftig wird, erhole ich mich bei der CSU."

"Ich habe mich nicht gewundert, dass der Schulz-Hype bei der SPD schnell wieder vorbei war. Ich habe mich gewundert, dass es ihn überhaupt gegeben hat. Aber wahrscheinlich war die Partei einfach froh, dass nicht Gabriel kandidiert."

"Bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen haben wir einen großen Sieg gefeiert. Manche feiern immer noch. Dabei haben wir das zweitschlechteste Ergebnis der CDU in der Geschichte eingefahren. Und an der Regierung sind wir nur, weil die SPD das schlechteste Ergebnis in der Geschichte erzielt hat. Und weil die Linke ganz knapp am Einzug gescheitert ist."

"Man darf auch mal stolz auf sein eigenes Land sein. Und das sagen dürfen, ohne gleich in die rechtsradikale Ecke gedrängt zu werden."

"Ich habe keine Sorge vor der Islamisierung unseres Landes. Ich sorge mich um die Entchristianisierung. Und die machen wir selbst, wenn zum Beispiel ein Weihnachtsmarkt plötzlich zum Wintermarkt wird."

"Wir schaffen das. Der Ausdruck ist mir sehr sympathisch, zeugt von positiver Tatkraft. Die Frage ist nur: Wer ist wir, und was ist das?" (vok)

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