27.04.2017 - 14:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Alois Lukas und Simone Schaller gegen Südost-Link: "Ein Verbrechen an der Natur"

Im Westen Weidens will Tennet den Ostbayern-Ring bauen. Bürger wehren sich dagegen, dass schöne Natur dabei zerstört wird. Jetzt hegt sich auch im Osten der Unmut: Über den Fischerberg soll der Südost-Link verlaufen.

Simone Schaller von der Lokalen Agenda 21 Weiden-Neustadt und CSU-Stadtrat Alois Lukas wollen den Südost-Link von Tennet über den Fischerberg verhindern. Bild: Schönberger
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

"Wir stellen die Notwendigkeit an sich nicht in Frage", sagt Simone Schaller von der Lokalen Agenda 21 Weiden-Neustadt über die Stromleitung. Mit Landwirt und Stadtrat Alois Lukas trifft sie sich im Naherholungsgebiet am Fischerberg. Die beiden beschreiben, wo die Erdkabel entlanglaufen sollen. Sie blicken nach Tröglersricht: Die Tennet-Trasse soll von Tirschenreuth kommen und rechts an der Felix-Kirche vorbei am Grenzkamm des Oberpfälzer Walds nach Süden verlaufen, zwischen Tröglersricht und der Siedlung Am Fischerberg sowie weiter südlich zwischen Bechtsrieth und Trebsau. 45 Kilometer lang ist die von Tennet bevorzugte Trassenführung von Tirschenreuth bis Wernberg-Köblitz.

Bei Stürmen anfällig

"Sie sehen, es ist sehr schön hier", sagt Simone Schaller, Mitglied im Oberpfälzer Waldverein. 35 bis 50 Meter breit soll die Baustelle sein, wenn die Kabel verlegt werden. Das könne man mit Arbeiten an einer Bundesstraße vergleichen. Viele Schneisen müssen in Wälder geschlagen werden. Nach dem Bau muss eine 15 Meter breite Schneise erhalten bleiben. Feldarbeiten seien möglich, Bäume und Sträucher dürften dort aber nicht mehr wachsen.

CSU-Stadtrat Lukas sagt: "Wenn der Wald angeschnitten ist, fallen die Bäume um." Oft herrsche am Fischerberg starker Westwind. Viele Fichten wachsen dort. Die Flachwurzler sind bei Stürmen besonders anfällig. "Die schmeißt der Wind um wie die Brez'n." 30 bist 50 Jahre würde es dauern, bis neue Bäume wieder so groß gewachsen wären. Der Landwirt hat ausgerechnet, dass in der Region für den Südost-Link 150 Hektar Wald gerodet werden müssen, die nicht aufgeforstet werden dürfen.

Durch die Schneisen ist nicht nur der Wald anfällig, auch Erosion ist dann ein Problem, weiß Lukas. Dort, wo in Feldern Kabel verlaufen, würden Pflanzen ab Ende Juli nicht mehr wachsen, meint der Vorsitzende des OWV Weiden. Durch die Kabel erwärme sich der umliegende Boden um ein oder zwei Grad. Das reiche im Hochsommer aus, dass Wasser zu schnell verdunste, erläutert er.

Um die Felder gehe es Lukas, der von der geplanten Trasse nicht persönlich betroffen sei, nicht, sagt er. Für landwirtschaftlich genutzten Flächen erhofft er sich eine ausreichende Entschädigung. Die Trasse durch den Oberpfälzer Wald, "das ist ein Verbrechen an der Natur", findet Lukas. Schwarzstorch, Rotmilan und Uhu leben am Fischerberg, ergänzt Simone Schaller.

Die beiden plädieren dafür, den Südost-Link unter dem Ostbayern-Ring laufen zu lassen. Sie stellen in Frage, dass zwei neue Trassen die Natur rund um Weiden zerstören. Sie fragen sich auch, ob die Kabel des Südost-Links nicht auch an die Masten des Ostbayern-Rings gehängt werden können. Von der Stadt will Schaller zudem wissen, wie sie dazu stehe, sich von Osten und Westen von Tennet-Leitungen in die Mangel nehmen und zwei Naherholungsgebiete zerstören zu lassen. Beide Naturschützer meinen, dass die Weidener nicht genug über die Trassen-Pläne informiert sind und sich nicht dagegen wehren.

 

 

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