17.04.2018 - 19:18 Uhr
Oberpfalz

Autos runter vom Großparkplatz Naabwiesen Schubladenpläne für spätere Bebauung

Bereit sein ist alles - wenn Investoren anklopfen, die sich im Zentrum engagieren wollen, oder gar Behördenverlagerungen anstehen. Darum gibt es künftig im Rathaus "Schubladenpläne" - wie die zur Entwicklung des Areals des Großparkplatzes Naabwiesen. Der Stadtrat stellt erste Weichen. Aber nicht allen ist klar, wohin die Reise gehen soll.

Ein Blick ins Jahr 2038 - und auf den neuen Rathausplatz, den der achtstöckige Verwaltungsturm und die mehrgeschossigen Häuser auf dem Großparkplatz im Westen umschließen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Bau- und Planungsdezernent Oliver Seidel entdeckt in der Stadtratssitzung am späten Montagnachmittag eine "wunderbare Deckungsgleiche" in den Analysen und Empfehlungen des Münchener Stadtplanungsbüros Dragomir, das im Zuge des Flächennutzungsplanverfahrens die Innenstadt unter die Lupe nimmt, und der Machbarkeitsstudie von Architekt Karlheinz Beer. Die Architekten schätzen Qualitäten, Potenziale und Defizite in der Innenstadt sehr ähnlich ein.

Wichtig ist dem Stadtrat der Blick von außen auf das Quartier Großparkplatz. Im städtebaulichen Wettbewerb sollen "kluge Leute" auf Weiden schauen, betont OB Kurt Seggewiß, der dafür - nach zweieinhalbstündiger Diskussion - eine 31:4-Entscheidung erhält. Er kann nicht verhindern, dass die Empfehlungen, die der Sonderausschuss Innenstadtentwicklung in 15 Monaten nichtöffentlich beraten und verabschiedet hat, Gefahr laufen, zerredet zu werden.

"Filetstück" nicht zerreißen

Dafür sorgt die Bürgerliste, die mit der Kehrtwende von Ausschussmitglied Stefan Rank überrascht. Der Großparkplatz, das "Filetstück" solle nicht zerrissen, nicht überbaut werden betont Rank. Die Verlagerung des Zentralen Omnibusbahnhofes sei überflüssig, denn er habe am angestammten Platz absolute Berechtigung. "Ihn abzubauen, neu zu bauen, ohne eine Verbesserung zu erreichen?" Auch die geplante Bebauung des Großparkplatzes sei nicht gerechtfertigt. Sie nehme Licht, Sonne und die spätere Gestaltungsfreiheit. Die Baumassen seien zu hoch: Bei der nahen Stadtgalerie habe die Stadt alles getan, um Flächen zu reduzieren. Und: Der neue Rathausplatz sei mit gerade 8000 Quadratmeter viel zu klein und könne den mehr als drei Mal so großen Großparkplatz als Veranstaltungsort nicht ersetzen.

"Gespaltene Zunge"

"Leisten wir uns doch den Luxus einer Nichtbebauung. Luft und Licht als Stadtgesicht", appelliert Christian Deglmann. Philipp Beyer (ebenfalls Bürgerliste) fordert Möglichkeiten zur "Nachjustierung". SPD, CSU und Grüne betonen, dass sie zu den Ergebnisse des Sonderausschusses stehen. Ranks Beitrag klinge "janusköpfig", erkennt Wolfgang Pausch (CSU). "Indianer würde sagen der spricht mit gespaltener Zunge." "Sie waren bisher mainstream-mäßig unterwegs. Hat sie jetzt der Mut verlassen?" Wichtig sei, so Pausch, dass die Entwicklung des Großparkplatzes nicht die Stadtgalerie "kannibalisiert". Hildegard Ziegler (SPD) kann nicht nachvollziehen, warum Rank "ein anderes Lied anstimmt". Sie erwarte von einem städtebaulichen Ideenwettbewerb Zukunftsvisionen und "nichts, was in den nächsten drei Jahren umgesetzt wird".

Roland Richter (SPD) betont, die Bürgerliste zeige sich unfair, wenn sie das bisher im Sonderausschuss Erarbeitete wieder infrage stelle. Karl-Heinz Schell (SPD) sieht durch den Sinneswandel in der Bürgerliste den Sonderausschuss Innenstadtentwicklung als überflüssig an. Dazu Rank: "Zukunft gestaltet man nicht mit Abnicken von Vorschlägen. Man muss Meinungen hinterfragen." Darauf erteilt Pausch den Bürgerlisten-Stadtrat das "Prädikat: wandlungsfähigster Gegenteilsager". Angemerkt

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