16.05.2017 - 17:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Autowaschen am Sonntag: Lob und Kritik nach dem Stadtratsvotum "Kein fairer Wettbewerb"

Der Stadtrat hat entschieden:Der Betrieb von Autowaschanlagen ist auch künftig sonntags tabu. Zu Ende ist die Diskussion damit aber noch nicht. Manche schäumen nach dem Votum. Andere sind hämisch.

Der Stadtrat drückt den Stoppknopf: Auch künftig bleiben Waschstraßen und Co. sonntags in Weiden geschlossen. Bild: Schönberger
von Franz Kurz Kontakt Profil

"Sonntag geschlossen", so steht es auf der Homepage der "Wasch-Welt" in der Leimberger Straße. Das wird auch so bleiben, nachdem der Stadtrat überraschend dagegen stimmte, gewerbliches Autowaschen in Weiden am Sonntag zu erlauben (wir berichteten). Eine Entscheidung, die Jürgen Bartmann nicht verstehen will. Schließlich verfehle das Verbot seinen eigentlichen Sinn, so der "Wasch-Welt"-Inhaber.

Nur Selbstbedienung

Bartmann hat die Stadtratssitzung am Montag besucht. Was ihm in der Diskussion - aber auch in der öffentlichen Darstellung in den Wochen zuvor - viel zu kurz kam: Durch die Lockerung der Öffnungszeiten "hätte nicht eine Person in Weiden am Sonntag arbeiten müssen". Er selbst habe eine schriftliche Erklärung abgegeben, die dem OB und den Fraktionen vorliege. Inhalt: Bartmann hätte seine Waschstraße sonntags weiter geschlossen.

Etwas anderes hätte er sich und seinen Mitarbeitern auch gar nicht zumuten wollen. Einzig die Selbstbedienungs-Waschplätze hätte er geöffnet. Für die brauche es aber ebenso wenig Personal wie für die Anlagen an Tankstellen. Der Tankwart, der Waschkarten verkaufe, sei ja sowieso im Dienst. Auch Jeton Maxhuni, Pächter der Waschstraße "Imo" in der Dr.-Seeling-Straße, beteuert, er hätte sonntags ohnehin nicht aufgesperrt. Wer Familie habe, könne nicht auch noch an diesem Tag arbeiten.

Die selbstverordnete Zurückhaltung der Waschstraßen-Betreiber hatte zumindest Roland Richter (SPD) im Stadtrat betont. Wobei er darauf hinwies, dass solche Erklärungen nicht bindend seien und sich ein dritter Betreiber zu seinen Plänen für Sonntag nicht habe äußern wollen.

Letztlich blieb es so oder so beim kompletten Verbot. Was Bartmann umso mehr wurmt, weil dadurch "kein fairer Wettbewerb stattfindet". Denn nicht nur in einer vergleichbaren Stadt wie Amberg, sondern auch vor den Toren Weidens könnten Mitbewerber häufiger aufsperren. In Altenstadt etwa beobachte er regelmäßig sonntags, wie Menschen ihre Autos mit Weidener Kennzeichen waschen. Und während Altenstadt finanziell vergleichsweise gut dastehe, lasse sich das klamme Weiden Einnahmen entgehen. "Wir sind ja auch Gewerbesteuerzahler."

Bartmann hat 2008 schon einmal einen Antrag auf Autowaschen am Sonntag gestellt - und scheiterte damit. Diesmal, betont er, sei er nicht Initiator des Antrags, den die Bürgerliste eingereicht hatte. Enttäuscht zeigt er sich über das Ergebnis dennoch. Und lässt die Konsequenzen offen. Nur so viel: "Weiter in Weiden zu investieren, das ist unter diesen Gesichtspunkten schwierig."

Laut getrommelt

Erleichterung herrscht nach der Stadtratsentscheidung dagegen bei der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Sie hatte im Vorfeld laut gegen liberalere Öffnungszeiten getrommelt. Denn: "Es ist die ureigenste Sache der KAB, dass wir gegen Sonntagsarbeit sind", sagt Kreischef Hermann Stadler.

Auch das Argument, dass zunächst keiner gearbeitet hätte, will er so nicht stehen lassen. "Man könnte die ganze Sache überschreiben mit: Wehret den Anfängen." Stadler: "Mit der Waschbox geht es los ..." Überhaupt: "Wenn ich sechs Tage in der Woche Zeit habe, dass ich mein Auto wasche, dann brauche ich nicht auch noch den Sonntag." Ganz ähnlich sehen das manche Nutzer auf der Facebook-Seite von Onetz.

Bernhard Lang etwa kommentiert: "Gut so! Die Leute verstehen leider nicht - das ist Salamitaktik - irgendwann wäre der Sonntag ein ganz normaler Arbeitstag - dann ist das Geschrei groß ..." Ähnlich auch Nutzer Roland K Steger: "Respekt, dass unser Stadtrat nicht jeden Schmarrn mitmacht."

Zumindest im Netz gibt es aber auch sehr viele, die eine Sonntagsöffnung begrüßt hätten. "Überall geht des mittlerweile, bloß in dem prüden, langweiligen Weiden nicht", meint zum Beispiel Julia Hausner. Volker Olbrich fragt: "Wo ist das Problem? In die Kirche geht sowieso niemand mehr, und wenn ihr euch am Sonntag euren Bauch im Wirtshaus vollschlagen wollt, muss ja auch wer arbeiten, oder?" Sebastian Kosnowski kommentiert: "Aber auf der anderes Seite sich aufregen über rückläufige Gewerbesteuern." Und für wieder andere wie Sven Markert ist das Ganze ein Grund für eine Einladung in die Nachbarstadt: "Komm nach Amberg, bei uns haben die Waschanlagen auch am Sonntag auf!"

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