23.11.2017 - 17:58 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bauamt will Gastronomie nicht ausufern lassen "Italienisches Flair" in Gefahr

Auch nach dem Chefwechsel im Baudezernat bleibt die Stadt dabei: Lokale sollen sich mit weiterer Außenbestuhlung auf dem Oberen Markt nicht breitmachen dürfen. Kontroverse Diskussionen traten im Frühjahr 2016 entsprechende Pläne des Cafés "Beanery" los (wir berichteten). Im Falle einer intensiveren gastronomischen Nutzung des Bereichs befürchtet der neue Baudezernent Oliver Seidel jedoch zunehmende Beschwerden von Anwohnern - und unangenehme Folgen auch für den Unteren Markt: "Das allseits lobend erwähnte ,italienische Flair' der Altstadt wäre dann, zumindest ab 22 Uhr, Geschichte", teilt Seidel in einer Tischvorlage zur Stadtratssitzung mit.

Nicht nur bei Aktionstagen wie "Weiden träumt" geht es an schönen Sommerabenden hoch her am Unteren Markt. Archivbild: Wilck
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Auf den Prüfstand müsste dann nämlich unter Umständen eine großzügige Sonderregelung aus dem Jahr 1989, mit welcher der Hauptverwaltungsausschuss die Altstadt wiederbeleben wollte: Lokale dürfen ihre Freiflächen demnach unter der Woche bis 23 Uhr, freitags und samstags gar bis 24 Uhr bewirtschaften. Damit reiche der Beschluss wesentlich weiter als die Bayerische Biergartenverordnung von 1999 (Biergarten - und nur solche - dürfen bis 23 Uhr betrieben werden). Fazit Seidel: "Besagter HVA-Beschluss hat in den letzten 25 Jahren förmlich zu einer Explosion von neuen Gaststättenbetrieben in der Altstadt (...) geführt." Für den Vorlagebericht betrachtete die Stadt die Jahre 2015 bis 2017: Neun Mal eröffneten oder erweiterten in diesem Zeitraum Lokale in der Innenstadt.

Mit der Zunahme der Betriebe habe sich auch der Lärmpegel in der Altstadt "maßgeblich" erhöht, heißt es in dem Bericht. Schon allein die Außenbewirtschaftung rund um das Alte Rathaus überschreite die zulässigen Lärmgrenzen zur Nachtzeit "bei weitem". Dass noch niemand gerichtlich gegen die Sonderregelung vorgegangen ist, sei nur "der Leidensfähigkeit und der Akzeptanz der betroffenen Anwohner" zu verdanken. Mit ihrer Zahl steige jedoch auch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand auf die Einhaltung der Nachtruhe beharrt. Und das würde einen Dominoeffekt auf alle übrigen Lokale - auch am Unteren Markt - auslösen.

Seidel verweist zudem darauf, dass der Obere Markt "die letzte frei verfügbare Freifläche in der Altstadt" darstelle, auf der Märkte ebenso abgehalten werden wie Feste, Kundgebungen oder Appelle der Bundeswehr. "Bereits am Unteren Markt führt die regelmäßig nötige Räumung bzw. Begrenzung der Außenbestuhlung immer wieder zu Interessenskollisionen und Ärger." Zudem bestehe die Gefahr, "dass die Postkartenansicht der Stadt durch ein Sammelsurium der verschiedensten Möblierungen, Sonnenschirme etc. sehr leiden würde".

Diese und andere Erkenntnisse sollen - laut Wunsch der CSU - in ein "Zukunftskonzept für den Innenstadtbereich" einfließen, wie CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch in der jüngsten Stadtratssitzung ausführte. Das Einkaufszentrum NOC ("das hoffentlich im nächsten Jahr noch eröffnet ...") werde Veränderungen bringen, die sich auch auf den Oberen Markt erstrecken, glaubt er. "Und die Begehrlichkeiten durch gastronomische Nutzung werden immer größer."

Auch Pausch ist der Meinung, dass die Stadt den Platz für Großveranstaltungen benötigt. Mit dem Thema solle sich der Sonderausschuss Innenstadtentwicklung beschäftigen. Pausch: "Wir wollen den Immobilienbesitzern etwas an die Hand geben." An einen Grünen-Antrag zum Leerstands-Management von vor einem Jahr erinnert Gisela Helgath. Auch sie erkennt Handlungsbedarf: "Wir müssen überlegen, was wir in der Innenstadt wollen." (Angemerkt)

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