09.02.2018 - 12:10 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Bauausschuss diskutiert über öffentlichen Park bei Seltmann-Villa Zweifel ziehen ein

Ohne Moos nix los bei der Seltmann-Villa? An Moos mangelt es erstmal überhaupt nicht.

Auf dem Balkon der Seltmann-Villa sprießen Moos und Sträucher. Architekt Christian Schönberger (Dritter von links) erläutert den Mitgliedern des Bauausschusses das Pagodendach. Bild: Schönberger
von Ralph Gammanick Kontakt Profil

Weder im wild verwucherten Garten noch auf dem runden Balkon im ersten Stock, wo sich nicht nur der weiche grüne Teppich immer weiter ausbreitet. Aus den Fugen wachsen zudem dünne Sträucher in die Höhe. Auch drinnen schreitet der Verfall fort. Böden sind verdreckt, teilweise mit Katzenkot übersät, von den Wänden blättert Putz ab. In Blumentöpfen und -trögen ruhen zusammengedörrte Pflanzenskelette. Überall liegen persönliche Sachen der ehemaligen Bewohnerin herum, Decken, Kleidung, Unterwäsche, von ungebetenen Besuchern offenbar mehrfach durchwühlt seit dem Tod von Maria Seltmann. 13 Jahre ist das her. Auf der Anrichte gammeln Pillen vor sich hin.

Hauptziel: Erhalt der Villa

Architekt Christian Schönberger ist bemüht, den Blick der Stadträte auf anderes zu lenken. Auf die Holzvertäfelung in der Empfangshalle, in der "Walnuss aus der Krim" verarbeitet sei. Auf 120 Jahre alte Tandem-Schiebetüren. Auf "Enfiladen wie aus dem Barock". Auf die wohl ersten Neonröhren Weidens. Oder auf das Pagodendach, das wohl von der Porzellan-Verbindung nach China herrühre. Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung sei die Unternehmer-Villa hochmodern gewesen. Jetzt ist sie ein anerkanntes Denkmal, aber auch ein verlassenes, sterbendes Gebäude. Gegenüber den Besuchern vom Bauausschuss bedauert Schönberger: "Über die Park-Diskussion wurde ein wenig das Hauptziel aus den Augen verloren: die Möglichkeit, dass ein Investor sagt, mir gefällt das, ich gehe rein, ich mache was aus der Villa."

Eben das würde der Windischeschenbacher Ralf Schneeberger gerne sagen. Vor Jahren wurde er erstmals auf das Gebäude aufmerksam, als es einem Supermarkt weichen sollte. "Plattmachen? Das geht doch nicht", habe er sich gedacht. Nun könnte sich Schneeberger vorstellen, es mit Millionenaufwand zu sanieren, Büroräume einzurichten und zu vermieten. Räume im Erdgeschoss könnten einer öffentlichen Nutzung zugeführt werden - "Kunst, Kultur, Max Reger", schlägt Architekt Schönberger vage vor. Das alles unter einer Bedingung: Die Stadt soll sich um die Grünanlage kümmern, indem sie aus der Hälfte des 7500 Quadratmeter großen Areals einen öffentlichen Park macht.

Aber gibt es dafür überhaupt einen Bedarf? Bei der Diskussion im warmen Rathaussaal bezweifeln das gleich mehrere Stadträte. "Wer geht denn dorthin?", fragt zum Beispiel Karl-Heinz Schell (SPD). "Die Leute dort haben doch alle Gärten." Und sie seien nicht gerade erbaut von der Aussicht, dass nun ein Park mit möglicherweise auch zwielichtigen Besuchern direkt an ihre Grundstücke heranrückt, wie Hildegard Ziegler (SPD) einwirft. Durchlässigkeit und Einsehbarkeit der Anlage wären wohl stark eingeschränkt. Denn auch die Mauer um das Grundstück steht unter Denkmalschutz.

"Einfach viel zu teuer"

Markus Bäumler (CSU) verweist auf den Blumenschmuck im Stadtgebiet, den die Stadt seit Jahren aus Sparzwängen verkümmern lasse. "Und dort soll ein neuer Park für Millionen entstehen?" Ziegler geht von Kosten in Höhe von 860 000 Euro aus. "Und dann ist ja noch für 25 Jahre Unterhalt zu leisten. Das ist sicher nochmals ein ganz erklecklicher Betrag." Man wisse den Wert der Villa zu schätzen, sagt die Genossin. "Aber wir müssen mit den Steuergeldern der Stadt sorgsam umgehen. (...) Es ist einfach viel zu teuer." Von einer "schwierigen Gemengelage" spricht Bürgermeister Jens Meyer.

Einen öffentlichen Nutzen könne er beim besten Willen nicht erkennen, betont Stefan Rank (Bürgerliste). Um Klarheit beim Konzept - und auch bei den zu Kosten für die Stadt - soll sich nun die Verwaltung im Benehmen mit Schneeberger bemühen. Gegen diesen Beschlussvorschlag stimmen nur die beiden Vertreter der Bürgerliste, welche die Bringschuld allein beim Investor sehen. Dem Moos bei der Villa wird er bis auf weiteres keinen Einhalt bieten können.

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