Ein echtes Dilemma. Sender und Zuschauer konservieren die Omnipräsenz einer kleinen Elite. Neues Personal, neue Ideen haben es schwer. Da ist Kreativität gefragt, beim Mann aus Bad Neustadt an der Saale, der sogar seine Handynummer veröffentlicht hat. Noch lasse sich der Ansturm bewältigen, sagt der 40-Jährige, fünfmal die Woche klingele das Mobil. "Wir setzen eben auf das Prinzip Mensch zu Mensch."
Richtig stressig sei es, stimmt der örtliche Direktkandidat Martin Hofmann zu, die für das Wahlziel "8 Prozent" nötigen 600 000 Stimmen ohne mediale Unterstützung zu erreichen. Also biete die Partei auch das Format "FDP at home" an: "Auf Wunsch auch mit Band." Fröhliche Musik, kein Blues, verspricht der Gegenkandidat des CSU-Matadoren Albert Rupprecht. "Einzige Bedingung", ergänzt Spitzenkandidat Föst, "sie bekommen acht Leute zusammen, die Lust haben, über Politik zu diskutieren".
Wer aber braucht die Alt-, Neo- Sozial- oder Wirtschaftsliberalen noch in einer veränderten Parteienlandschaft? "Für die FDP gibt es eine gigantisch große Lücke", macht sich der Möbelunternehmerssohn Mut, "Familien mit zwei Kindern, Geistesarbeiter, die vom Staat ausgebremst werden." Mit anderen Worten: das weite Feld der Mitte dieser Gesellschaft. Wollen das nicht alle? Mitnichten, findet Föst: "Im Gegensatz zur CSU ist das Grundgesetz bei uns nicht getauft." Und die Grünen interessierten sich nur für Minderheiten.
Deshalb wundert sich der Unterfranke auch nicht allzu sehr über den aktuellen Zuspruch: "Seit 1. Januar haben wir 250 Neumitglieder", verkündet Föst ein Plus von rund 5 Prozent. "Ich bin seit 11 Jahren in der FDP - so viele sind noch nie in so kurzer Zeit beigetreten." Den Aufwärtstrend schreibt er dem Anti-Trump-, -Brexit-, und -Schulz-Effekt zu. "Die Leute haben Angst vor Populisten oder der Rolle rückwärts."
Was aber macht der liberale Apo-Vertreter, wenn er den Sprung in den Bundestag verpasst? "Wenn wir nicht einziehen, bin ich gescheitert", sagt Föst dramatisch. Menschlich für ihn keine Katastrophe: "Dann mache ich mit meinen zwei Online-Shops - Leuchten und Möbel - und einem Netzwerk von Freiberuflern weiter." Für die FDP aber sei es eine Schicksalswahl. "Wir mussten 2013 wahnsinnig viel abwickeln", erinnert er an das Aus, "ich bin mir nicht sicher, ob wir die Kraft erneut hätten."
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„Ich hatte die Schnauze voll von Rot-Grün“
Interview mit Daniel Föst, Generalsekretär der bayerischen FDP
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