30.04.2018 - 15:52 Uhr
Oberpfalz

Biberexperte Elrich Meßlinger sieht kein Biber-Problem Der Biber rechnet sich

In Bayern gibt es zwischen 16 000 und 20 000 Biber. Anders als im sonstigen Europa wird über den Nager hier viel gestritten. Ein Biberexperte klärt auf.

Diplom-Biologe Ulrich Meßlinger spricht beim Bund Naturschutz über den Biber. Begrüßt wird er von Vorstandsmitglied Irmgard Eckel-Schönig (links) und der Ortsverbandsvorsitzenden Sonja Schumacher.
von Siegfried BühnerProfil

Seit mehr als 15 Jahren forscht der Diplom-Biologe Ulrich Meßlinger über den Biber. Auf Einladung der Kreisgruppe Neustadt/WN-Weiden des Bund Naturschutz referierte er über die Ergebnisse seiner Forschung. Irmtraud Eckel-Schönig begrüßte den Experten und stellte fest, dass "der Biber auch in der Oberpfalz als Problem wahrgenommen wird". Dabei gebe es von ihm, laut einer Zählung im Jahre 2015, hier nur rund 400 Exemplare.

Im Vortrag wurden dann alle Argumente für und gegen den Biber abgewogen. Das Ergebnis war eindeutig. "Der Biber lohnt sich für die Allgemeinheit", sagte der Wissenschaftler zusammenfassend. Im Schadensfalle müsse allerdings entschädigt werden, vor allem in der Landwirtschaft. Der Aufwand, Biber zu bekämpfen, sei viel höher als der Schaden, den er anrichtet, sagte Meßlinger. Im vergangenen Jahr sei in Bayern eine durch Biber verursachte Schadenssumme von 673 000 Euro entstanden. Würde man dem Biber freien Raum lassen, gäbe es keine Milliardenschäden durch Hochwasser. Meßlinger zeigte Bilder teurer Renaturierungsmaßnahmen von Fließgewässern. Sie seien fast identisch mit dem vom Biber geschaffenen Flussverläufen. Die Kritik an diesem Wildtier sei oft eine "Ablenkung von anderen Problemen".

Für den Experten wird der Biber zum Problem, weil die Gewässer zu sehr eingeengt würden. Unerlaubterweise würde die Landwirtschaft auch Uferstreifen nutzen, die eigentlich für den Naturschutz reserviert sind. "Die Ufergehölze werden vom Biber nur deswegen zerstört, weil der natürliche Buschbewuchs entfernt worden ist. Konflikte des Gewässerschutzes und der Landnutzung sind kein Biber-Thema. Wenn man den Biber verjagt, darf man sich nicht wundern, wenn er in der Kläranlage auftaucht", sagte Meßlinger.

Probleme würden außerdem innerhalb Europas nur in Bayern und Österreich gesehen. "EU-weit ist der Biber erwünscht." Eine Zunahme des Bibers in Bayern hält Meßlinger für ausgeschlossen, da aufgrund der vorhandenen Lebensräume "die Kapazitätsgrenze erreicht ist".

Meßlinger machte mit zahlreichen Beispielen auch deutlich, dass verschwundene Tier- und Pflanzenarten zurückkehrten, wenn man den Biber frei leben lässt. "Auf 85 Hektar Naturland zählten wir 125 Vogelarten, mehr als in Naturschutzgebieten." Zusammenfassend wurde festgestellt, dass "der Biber die Schlüsselart und der Motor der Renaturierung der Auen ist". Mit dem Biber könne man die Natur wieder erleben.

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