11.04.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bildungsvertreter aus Tschechien zu Gast In Pilsen fehlen Verkäufer

Ausbildungswillige streben in Deutschland verstärkt in den Verkauf. In Tschechien dagegen sind diese Stellen weniger begehrt. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten.

Erste Station von Abteilungsleiterin Jaroslava Havlíckova und Bereichsleiter Jaroslav Sokol (stehend, Zweiter und Vierter von links) von der Schulverwaltung der Region Pilsen war die Arbeitsagentur Weiden. Agentur-Chef Thomas Würdinger begrüßte die Gäste. Mit dabei auch Petr Arnicaan vom grenzüberschreitenden Projekt Bobacom (links). Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Führende Vertreter der Schulverwaltung des Bezirks Pilsen kamen zum Informationsaustausch nach Weiden. Im Mittelpunkt standen Themen der Aus- und Fortbildung im Bereich beruflicher Bildung.

Drei Ansprechpartner

Weil die Zuständigkeiten für diese Aufgaben in Tschechien anders organisiert sind als in Deutschland, mussten Jaroslava Havlícková und Jaroslav Sokol in Weiden gleich mit drei Gesprächspartnern reden. Die Abteilungsleiterin für Bildung, Jugend und Sport in der Bezirksverwaltung der Region Pilsen sowie der Bereichsleiter für das dortige Schulwesen kamen deshalb zur Arbeitsagentur, zum Bildungszentrum der Handwerkskammer und zur Europaberufsschule. Grundsätzliches wurde zunächst in der Arbeitsagentur Weiden besprochen.

Trotz der bestehenden Unterschiede in der Organisation der beruflichen Bildung mit schulischer Berufsausbildung in Tschechien und dualer Form in Deutschland gebe es auch viele Gemeinsamkeiten, stellten die Gesprächspartner übereinstimmend fest. Dazu zählt auch die diesseits und jenseits der Grenze viel zu hohe Abbrecherquote in den Ausbildungsgängen. In beiden Regionen gibt es auch einen starken Trend zum Studium und generell einen Mangel an Bewerber. Anders als in der nördlichen Oberpfalz, wo es für Verkaufs- und kaufmännische Berufe noch keinen Bewerbermangel gibt, gibt es laut Jaroslava Havlícková im Raum Pilsen "kein Interesse an Verkaufsberufen". In der Hauptsache ging es jedoch in den Gesprächen um die Organisation der beruflichen Bildung.

"Wir wollen Schnittstellen für grenzüberschreitende Zusammenarbeit finden", sagte Agenturchef Thomas Würdinger. In beiden Ländern sind die jeweiligen beruflichen Bildungssysteme über Jahrzehnte entstanden. Um die Schnittstellen zu entdecken, die dann auch in gemeinsame Projekte münden könnten, wurde den Besuchern das vielgliederige System der deutschen Berufsausbildung eingehend erläutert. Es beginnt bei Berufsberatung, Berufsorientierung, reicht dann von der Ausbildung im Betrieb, der Berufsschule und Praxisphasen in den Berufsbildungszentren bis hin zur Abnahme von Prüfungen durch ehrenamtliche Prüfer.

"Karriere mit Lehre"

Vieles davon kennt man in Tschechien nicht. Dazu zählen auch das Heranführen an die Ausbildungsreife für leistungsschwächere Jugendliche und die Unterstützungsmaßnahmen während der Ausbildung. Auch das weit entwickelte System der Erfassung des Ausbildungsbedarfs sei in Tschechien so nicht bekannt, sagte die Abteilungsleiterin aus Pilsen. Berufsschuldirektor Josef Weilhammer verwies auf die vielfältigen Möglichkeiten einer "Karriere mit Lehre" in Deutschland.

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