Brandbrief an Ilse Aigner wegen Barrierefreiheit am Bahnhof Weiden
Alptraum: Abfahrt auf Gleis 3

Jung, gesund und ohne großes Gepäck: In dem Fall darf der Zug auch auf Gleis 3 abfahren, ohne dass die Passagiere Probleme bekommen. Wer jedoch behindert ist, viel Gepäck oder einen Kinderwagen bei sich hat, der muss am Weidener Bahnhof einige Hürden bewältigen. Bild: Porsche
Politik
Weiden in der Oberpfalz
15.04.2018
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Annette Karl lässt nicht locker. Ebenso wie VdK-Kreisvorsitzender Josef Rewitzer macht sich die SPD-Landtagsabgeordnete schon seit Jahren für den barrierefreien Ausbau des Weidener Bahnhofs stark. Sie sieht jetzt Ministerin Ilse Aigner in der Pflicht.

Aller Einsatz war bisher erfolglos. Obwohl das Thema die heimischen Gemüter erhitzt (siehe Leserbrief) und Josef Rewitzer immer wieder Klagen von Behinderten oder Müttern mit Kinderwagen zu hören bekommt. Für sie ist die Abfahrt auf Gleis 3 praktisch ein Alptraum.

Noch Mitte März hatte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, damals auch zuständig für den Verkehr, eine Beschleunigung des barrierefreien Ausbaus des Weidener Bahnhofs zugesagt (wir berichteten). Doch wenig später wechselte mit der Umgestaltung des Kabinetts die Zuständigkeit. Jetzt ist Ilse Aigner, Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, die richtige Ansprechpartnerin. Und die hat Annette Karl gleich mit Schreiben vom 28. März auf das drängende Problem aufmerksam gemacht. "Der Bahnhof Weiden ist ein wichtiger Knotenpunkt in der Nordoberpfalz, weil sich hier Nord-Süd-Linien mit Ost-West-Linien kreuzen", heißt es in dem Brief an Ilse Aigner. Und weiter: "Seit Jahrzehnten versuchen wir den barrierefreien Ausbau des Bahnhofes voranzutreiben, haben tausende Unterschriften gesammelt, die Unterstützung der Behindertenbeauftragten erhalten, Petitionen geschrieben, alles ohne Erfolg."

Auch keines der Förderprogramme von Bund und Land habe bisher gegriffen, weil der Bahnhof dafür jedes Mal entweder zu groß oder zu klein sei. "Von der Bahn werden immer neue Ausreden vorgebracht, warum nicht gehandelt wird." Aktuell heiße es, der barrierefreie Ausbau werde im Zuge der Elektrifizierung erfolgen. "Diese Elektrifizierung verzögert sich aber unter anderem wegen der neuen Lärmschutzmaßnahmen - die ich begrüße - um weitere Jahre", schreibt Karl. Eine von ihr bereits vor Jahren angemahnte Behelfslösung hätte sich somit längst rentiert "und hätte den Menschen mit Behinderungen endlich die Möglichkeit gegeben, in Weiden selbstbestimmt Zug fahren zu können."

Joachim Herrmann habe als Verkehrsminister am 15. März die Zusicherung gegeben, dass er sich als Chefsache darum kümmert, dass schnell Abhilfe geschaffen wird. An Ilse Aigner appelliert Karl deshalb nun: "Ich bitte Sie eindringlich, diese Zusage ihres Vorgängers einzuhalten und sich den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Weiden zu Ihrer Herzenangelegenheit zu machen. Die Menschen in Weiden und Umgebung werden es Ihnen danken!"

Eine Antwort auf diesen Brief hat die Landtagsabgeordnete aus Neustadt bisher allerdings nicht erhalten - und deshalb vor kurzem erneut angemahnt. Angesichts des unklaren Zeitrahmens der Elektrifizierung sei eine Übergangslösung jetzt dringend notwendig. Hinsichtlich der in der Verfassung zugesicherten gleichwertigen Lebensverhältnisse in ganz Bayern, erklärt Karl: "Es kann nicht sein, dass man in München die S-Bahnhalte vollständig barrierefrei macht, aber die Fahrgäste in Nordbayern weiterhin auf dem Trocknen sitzen lässt."

Barrierefrei am Nimmerleinstag?

In dem Artikel "Barriere bleibt" vom Samstag, 7. April, wurde auch der Einsatz von VdK-Kreisvorsitzendem Josef Rewitzer für einen barrierefreien Bahnhof geschildert. Dazu erreichte uns folgender Leserbrief:

Verehrter Herr Rewitzer, ich bewundere Ihre Ausdauer, mit der Sie nach einer Lösung des Problems "Weidener Bahnhof" suchen (Barrierefreiheit). Dieser Missstand ist uralt! Bereits in den 50er Jahren war man auf Hilfe angewiesen, (die man aber spontan bekam), wenn man mit Oma, Kinderwagen und Gepäck auf die hinteren Bahnsteige musste. Ein kurzes Gespräch am Fahrkartenschalter, und schon bekam man sofortige Hilfe zugesagt, die Oma und Kinder über die Bahngleise begleitete.

Heute muss man 48 Stunden vorher Hilfe beantragen! Es kann doch nicht sein, dass von Minister zu Minister das Thema erneut aufgerollt werden muss!? Gibt es da keine namhaften Entscheidungsträger, die diesen traurigen Zustand beenden? Sonst warten wir auf den Nimmerleinstag, den meine Generation wohl nicht mehr erleben wird! Oder?!

Annemarie Behrend Weiden

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Leserbriefe müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe sinnwahrend zu kürzen.
1 Kommentar
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Stefan Kreuzeck aus Weiden in der Oberpfalz | 16.04.2018 | 00:30  
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