Bürgergespräch zu Tennets Trassen-Variante
Waldverein droht mit Klage

Tennet-Projektleiter Andreas Herath (links) erläutert im Bürgergespräch, den Entscheidungsprozess zur favorisierten Trasse. Bild: Herda
Politik
Weiden in der Oberpfalz
15.03.2017
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Albert Rupprecht möchte sachlich die beste Variante auswählen: "Natürlich will keiner gerne eine Trasse durch seine Heimat, aber sie irgendwo durchzudrücken, wo der Widerstand am geringsten ist, wäre der falsche Weg.“ Bild: Herda

Das hört man von Politikern selten: "Wenn wenige kommen, ist es weniger ein Problem", eröffnet Albert Rupprecht das erste Bürgergespräch nach der Vorstellung einer favorisierten Trasse für den Süd-Ost-Link durch die Oberpfalz. Dass Tennet deshalb weniger Ärger erwartet, darf bezweifelt werden.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete hatte in das Pfarrheim St. Johannes geladen - außer lokaler Parteiprominenz kamen Vertreter der Bürgerinitiativen und des Bauernverbandes. "Es war mir ein Anliegen", erklärte Rupprecht, "der Bevölkerung Gelegenheit zur Diskussion zu geben." Sein Credo: "Es muss die argumentativ am überzeugendste Variante zum Zug kommen."

Andreas Herath, Gesamtprojektleiter des Süd-Ost-Links, versuchte die Vorgehensweise, den Kriterienkatalog und die technischen wie juristischen Hürden des Verfahrens zu erläutern - um damit auch zu zeigen, warum Rupprechts liebste Variante entlang der A 93 aus Sicht der Betreiber wohl wenig Chancen hat:

  • Die Autobahndirektion schließe eine Verlegung des Erdkabels im Teerbereich aus: "Man müsste die Autobahn komplett sperren." Zwischen Weiden und Hof reiche die Fahrbahnbreite nicht für ausreichende Ausweichspuren.

  • Der Seitenraum zwischen Teer und Straßenraumgrenze bis zum Wildzaun, wo schon Versorgungskabeln, Glasfaserkabeln und Entwässerungen verlegt seien, sei an einigen "idealtypischen" Stellen geeignet. "Aber man hat nicht immer freie Fläche, oft Dammlagen - wenn Sie den Hang angraben, kann er abrutschen und damit auch ein Teil der Autobahn."

  • Tennet habe dennoch einzelne Sektionen untersucht: Unter umweltfachlichen Aspekten falle die Strecke bei Marktredwitz, wo auch riesige Findlinge Bauarbeiten behinderten, flach. Im weiteren Verlauf flankierten immer wieder Forste wie der Pechhofener Wald die Autobahnen, "wo wir angewiesen sind, möglichst wenig einzugreifen". Würde man roden, wären etwa 20 Hektar Wald zu kompensieren, die man den Landwirten wegnehmen müsse.

  • Die Schönhaider Teiche reichten bis auf zehn Meter an einen parallel zur Autobahn verlaufenden Feldweg heran. Weitere neuralgische Punkte: eine Brücke bei Johannisthal, die Querung der Waldnaabauen, der Autohof bei Windischeschenbach, eine zu nahe Wohnbebauung zwischen Altenstadt und Haidmühle sowie das Trinkwasserschutzgebiet in Weiden.


Überall dort, wo es aus Sicht von Tennet Sinn mache, wie bei Luhe Wildenau, würde man die Bündelung umsetzen. Man richte die Planung am "Schutzgut Mensch, am Schutzgut Wasser", aus und an der Frage, wie hoch der Kompensationsbedarf sei. "Wenn sie FFH-Gebiete queren, müssen Sie nachweisen, dass sie alternativlos sind", warnt Herath davor, die Rechtslage zu ignorieren.

Die Argumentation des Projektleiters überzeugt kaum einen Gast der Bürgerversammlung. Und auch der Abgeordnete besteht weiter auf einer eingehenden Prüfung der Autobahnvariante.

Heftigen Widerstand kündigt Alois Lukas, stellvertretender Vorsitzender des Oberpfälzer Waldvereins an: "Sie planen eine Osttrasse mitten durch den Wald, durch das Landschaftsschutzgebiet bis Irchenrieth." Für jeden Kilometer müssten zwei Hektar Wald für immer weichen. Dort entstünden Schneisen nach der Weidener Senke, durch die künftig ungebremst der Wind blase. "Ich werde schauen, was an Klagemöglichkeiten da ist", droht Lukas, "Sie werden diese Trasse die nächsten zehn Jahre nicht bauen." Er hoffe, "dass der Bund Naturschutz mit uns an einem Strang zieht."

Zitate aus dem Bürgergespräch

"Wir sind negativ überrascht, dass Sie die östliche Variante präferieren, die läuft durch ein wichtiges Naherholungsgebiet."
Wolfgang Pausch, CSU-Fraktionsvorsitzender Stadtrat Weiden

"Wir haben uns so eine Anlage mit Erdkabel bei Landshut angeschaut - dort unten ist das ein 35 bis 40 Meter breiter Streifen. Wir werden alles dafür tun, dass diese Leitung nicht gebaut wird."
Hans Forster, Stadtrat, CSU-Ortsverband Weiden-Ost

"Wir verlieren Wirtschaftskraft mit jedem KW, das wir von außen einkaufen.
Max Zintl, Green Energy

"Das sind nette Plauderrunden, der Bürger muss aber das Recht haben, fehlerhafte Planungen gemäß Aarhus-Konvention rechtsverbindlich prüfen zu lassen."
Maria Estl, Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost Trasse

"Die ganze Planung ist hinfällig, weil sie rechtswidrig ist. Diese Leitung ist nicht notwendig und der Norden braucht seine Windenergie selbst."
Sonja Schuhmacher, Aktionsbündnis gegen die Süd-Ost Trasse

"Ich fordere jetzt schriftlich vom Wirtschaftsministerium eine rechtliche Abklärung zur Aarhus-Konvention."
Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (CSU)
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2 Kommentare
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Maria Estl aus Pullenreuth | 16.03.2017 | 11:57  
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Maria Estl aus Pullenreuth | 17.03.2017 | 13:35  
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