14.03.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Bund Naturschutz zum geplanten Gewerbegebiet West IV: Verkehrskollaps droht - Klage nicht ... Bewerber soll sich endlich mal vorstellen

Der Bund Naturschutz vergleicht das geplante Gewerbegebiet West IV mit schönen Mosaiksteinen, die aber insgesamt kein Bild ergeben. Viele Experten hätten ihre Hausaufgaben gemacht, stellt Geschäftsführer Jürgen Holl bei einem Pressegespräch fest. "Aber es fehlt ein Projektbetreuer, der guckt, ob das alles in sich stimmig ist."

von Volker Klitzing Kontakt Profil

Am Gespräch beteiligt waren auch Gisela Helgath, Sonja Schuhmacher und Hans Babl. Dieser wies darauf hin, dass die Weidener Pläne für den Bund Naturschutz einen Präzedenzfall darstellten und deshalb eine Klage nicht auszuschließen sei. Andererseits wolle die Stadt das Projekt unbedingt durchsetzen. Er sprach von einem Prestigeprojekt, in das sich die Politik verrannt habe. Nach den Worten Babls steht auch ein Bürgerbegehren noch im Raum. Er erinnerte aber auch an den damit verbundenen hohen Aufwand. Im November 2014 hatten sich knapp 30 Prozent der Weidener an einem Bürgerbegehren beteiligt und sich mit rund 70 Prozent für das Gewerbegebiet ausgesprochen. Die Bindungsfrist ist allerdings inzwischen abgelaufen. Als "ökologisch unsinnig, aber nicht alternativlos" bezeichnete Holl das geplante Gewerbegebiet. Mitten im Naherholungsgebiet Wald sorge es für die größtmöglichen Negativfolgen.

Dabei gebe es in Weiden und vor allem im Umland genügend voll erschlossene Gewerbeflächen. Babl nannte Grundstücke bei Rothenstadt und im Bereich zwischen dem Autobahnanschluss Frauenricht und dem Flugplatz Latsch. Für den Bund Naturschutz ist allerdings offensichtlich, dass die Suche nach Alternativen so ausgerichtet gewesen sei, dass "nur West IV als Ergebnis herauskommen konnte".

Neben dem damit verbundenen Flächenfraß (65 Hektar Rodung), der schwierigen Oberflächenentwässerung ("Das Wasserwirtschaftsamt sieht das sehr kritisch") und der offenen Abwasserfrage führt der Bund Naturschutz vor allem einen drohenden Verkehrskollaps im Weidener Westen ins Feld. Ausgerechnet das kurze Stück zwischen der Autobahn und der Kreuzung Pressather/Latscher Straße entpuppe sich als Nadelöhr. Der Abschnitt sei bereits grenzwertig belastet und halte nicht einmal dem prognostizierten Verkehrsaufkommen (plus 5 Prozent in 15 Jahren) ohne West IV stand. Als einzige Lösung sieht der Planer einen vierspurigen Ausbau. "Das ist aber aus Platzgründen nicht möglich", betont Holl. "Das geht gar nicht."

Zwei Zusatzprobleme seien überhaupt nicht berücksichtigt. So werde die geplante Erweiterung der Firma Witt in West III für zusätzliches Verkehrsaufkommen sorgen. Gleiches gelte für den künftigen Einkaufsmagneten "NOC", der bisher nicht ansatzweise in die Überlegungen einbezogen worden sei.

Schließlich wies Gisela Helgath darauf hin, dass auch bei geheimen Inhalten immer mal wieder hinter vorgehaltener Hand etwas zu erfahren sei. "Hier aber weiß niemand etwas von einem Bewerber." Und Hans Babl ergänzte: "Wo ist der große, ansiedlungswillige Betrieb, der 100 Euro für den Quadratmeter zahlt? Der soll sich endlich mal vorstellen. Wie heißt er?"

Ausgerechnet das kurze Stück zwischen der Autobahn und der Kreuzung Pressather/Latscher Straße entpuppt sich als Nadelöhr.Jürgen Holl, Geschäftsführer des Bund Naturschutz

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