02.08.2017 - 15:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bundesnetzagentur und Tennet wiegeln Gerüchte um Stromtrasse im neuen Gewerbegebiet ab "Missverständnis" statt "Vorentscheidung"

Dass Stromtrassen ein Aufreger sind, ist so neu wie die Nachricht, dass es nachts dunkel wird. Im Fall des Süd-Ost-Links waren die vergangenen beiden Wochen jedoch für besondere Unruhe gut.

Vor allem der grüne Trassenkorridor lässt die Emotionen nicht nur im Weidener Westen hochkochen. Tennet und die Bundesnetzagentur beteuern jedoch, das noch lange nichts entschieden sei. Grafik: NT/AZ
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

(phs/esa) Die Unsicherheit hat mit zwei Ereignissen zu tun. Ersteres geht auf den Besuch einer Reisegruppe aus der Region in Berlin zurück. Auf Vermittlung von Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht hatten die Gäste aus Weiden und dem Landkreis am 19. Juli auch einen Termin bei der Bundesnetzagentur.

Dort verstanden einige Besucher zwei Referentinnen so, als sei eine der möglichen Trassenführungen bereits mehr oder weniger beschlossene Sache. Diese Strecke trägt in den Plänen der Netzagentur die Kennziffer 054. Sie läuft an Parkstein vorbei über den Brandweiher direkt über den Flugplatz Latsch und Frauenricht, streift Neunkirchen und Halmesricht und zweigt bei Trippach und Mallersricht Richtung Süden ab.

Damit wäre auch das neue Gewerbegebiet West IV betroffen. Womit Punkt zwei der jüngsten Aufregung erklärt wäre. Denn West IV war auch Thema der Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsvereins Rehbühl. Dass in diesem Gebiet nichts vorangehe, liege wohl am Süd-Ost-Link, lautete der Tenor der Genossen um Stadtrat Gerald Bolleininger.

All dies widerspricht den offiziellen Aussagen der Bundesnetzagentur und des Netzbetreibers Tennet. Denn die verweisen darauf, dass die eigentlichen Planungen noch gar nicht begonnen hätten. Fiete Wulff, Pressesprecher der Bundesnetzagentur, nannte die Aussagen aus der Weidener Besuchergruppe in Berlin ein "Missverständnis". Mit den beiden Referentinnen zu sprechen, die direkten Kontakt mit den Weidenern hatten, sei jedoch nicht möglich. Die seien zu Presseauskünften nicht befugt. Das "Missverständnis" käme daher, dass die drei möglichen Korridore noch gar nicht untersucht seien.

"Wir rechnen im Herbst mit dem Untersuchungsauftrag", sagt Markus Lieberknecht von Tennet. Tennet ist gesetzlich verpflichtet, der Netzagentur einen Korridor vorzuschlagen. Untersuchungen würden mindestens bis Mitte 2018 dauern, erklärt Lieberknecht. Dann erst gehe es an den genaueren Verlauf. Dies sei Teil der "Bundesfachplanung". Die wäre frühestens Ende 2018/Anfang 2019 abgeschlossen. Darin würde ein etwa 1000 Meter breiter Korridor festgelegt, innerhalb dessen das Erdkabel verlegt werden könnte. Masten seien gar keine vorgesehen.

Nach der Bundesfachplanung steht die Planfeststellung an. Erst in der geht es ans Eingemachte. In ihr wird festgelegt, wo genau der 15 Meter breite Stromkorridor verläuft. Bis dies festgelegt sei, würden weitere zwei Jahre vergehen. Das alles sieht nicht nach Vorentscheidung für die Variante 054 aus. Die Aufregung in der Region muss deshalb nichts Schlechtes sein. Denn dass die sich aufmerksam mit dem Süd-Ost-Link beschäftigt, ist auch der Bundesnetzagentur in Berlin nicht entgangen, sagt Sprecherin Annette Fröhlich. Weiden und das Umland seien "ein Spezialbereich". "Weil hier sehr schnell wahrgenommen wird, was passiert."

West IV kaum betroffen

Falls der Korridor 054 ausgewählt werde, sollten sich Trasse und Gewerbegebiet West IV nicht in die Quere kommen. So sieht es jedenfalls Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens. Sollte die Netzagentur diese Variante bestätigen, würde in dem 1000 Meter breiten Teilstück das Gewerbegebiet etwa 40 Meter hineinragen. Da die fertige Trasse aber nur 15 Meter breit sein wird, sei es kein Problem, das Gebiet zu umgehen. Bei Gewerbegebieten sei grundsätzlich zu beachten, dass direkt über der Trasse auf der gesamten Breite keine Tiefbauten möglich sind. Damit sind auch Industriehallen und Garagen gemeint. Sind Stellflächen vorgesehen, wird im Einzelfall geprüft, inwieweit die Oberflächen versiegelt werden können, um Zugang zum Erdkabel zu gewährleisten. In der Natur darf über der Trasse gepflanzt werden, allerdings kein Gewächs, das tiefer als 1,20 Meter wurzelt. (phs)

Trassen im Internet

Die Korridoralternativen sind in den Anträgen zur Bundesfachplanung beschrieben. Die möglichen Varianten im Raum zwischen Windischeschenbach und Weiden finden Sie unter dem Button Anhang_Steckbriefe_TKS_III. Die Abschnitte in der Nordoberpfalz sind mit den Kennzahlen 048 bis 057 gekennzeichnet. Steckbriefe und Karten gibt es hier.

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